Überholmanöver auf der Schöppinger Landstraße hatte ein Nachspiel am Amtsgericht

hzAmtsgericht Ahaus

Ein Überholmanöver auf der Schöppinger Straße fand jetzt eine Fortsetzung vor dem Amtsgericht Ahaus. Der Vorwurf gegen einen 23-Jährigen: fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung und Nötigung.

Ahaus

, 20.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Überholmanöver auf der Landstraße 570 (Schöppinger Straße) im März zwang einen Autofahrer, stark abzubremsen, weil der Überholer dicht vor ihm einscherte. Der Autofahrer ärgerte sich und betätigte die Lichthupe. Was dann geschah, beschäftigte am Montag das Amtsgericht Ahaus. Und endete mit einem Freispruch.

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Wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und Nötigung war ein 23-jähriger Münsteraner angeklagt. Bis die Verhandlung starten konnte, musste der Richter erst einmal eine Unterbrechung anordnen: Der Verteidiger des Angeklagten hatte versäumt, schriftlich mitzuteilen, dass er eine Vollmacht als Zulassung als Verteidiger habe und so als Verteidiger gewählt werden könne. Seine Zulassung als Rechtsanwalt habe er seit rund dreieinhalb Jahren nicht mehr, teilte er dem verdutzten Richter mit. Nach der Unterbrechung aber hatte alles seine rechtliche Richtigkeit, er wurde zum Verteidiger gewählt.

Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten vor, an einem Abend Mitte März auf der Schöppinger Straße hinter der Autobahnbrücke in Höhe der Aufhebung des Tempo-70-Limits ein Auto trotz Gegenverkehrs rücksichtslos überholt, dann stark abgebremst und vor dem nachfolgenden Auto angehalten zu haben. Dann sei er auf das hinter ihm stehende Auto zugegangen, der Zeuge habe Angst gehabt.

„Ganz normal überholt“

Das sei sicher nicht seine Absicht gewesen, ging der Angeklagte zunächst auf Letzteres ein. Er habe seiner Erinnerung ganz normal überholt, und habe dann die Lichthupe hinter sich gesehen. Er habe sofort angenommen, dass mit dem betagten Auto, mit dem er unterwegs war, etwas nicht in Ordnung war, habe leicht an die Bremse getippt, um dem nachfolgenden Fahrer zu signalisieren, dass er die Lichthupe zur Kenntnis genommen habe. Der hinter ihm Fahrende habe immer weiter die Lichthupe betätigt, so dass er weiter gebremst habe und schließlich stehen geblieben sei.

Er sei ausgestiegen und zu dem Auto gegangen. „Der Fahrer hat die Scheibe hoch gemacht und nur geradeaus geguckt. Ich wollte wissen, was los ist, und er solle die Scheibe runter machen“, schilderte er den Vorfall aus seiner Sicht. Sein Bruder sei auch ausgestiegen, aber beim Auto geblieben. Für ihn sei nichts Dramatisches passiert, deswegen habe er sich sofort bei der Polizei gemeldet, als der Anhörungsbogen bei seinem Vater, der Halter des Autos war, eingegangen war.

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Als erster Zeuge wurde der 51-jährige Legdener gehört, der hinter dem Angeklagten herfuhr und die Anzeige bei der Polizei erstattet hatte. Seine Kinder, die auf dem Rücksitz saßen, hatten sich die Kennzeichen des Autos notiert. Nach der Aussage des Legdeners hatte der Münsteraner überholt, obwohl Gegenverkehr war, er habe sich zwischen sein Auto und ein vorausfahrendes Fahrzeug „reindrängen“ müssen. Er habe gerade, weil Tempo 70 aufgehoben war, beschleunigt. „Dann habe ich die Lichthupe gemacht, weil da ja doch etwas wenig Platz war“.

Was die Intensität des Bremsens anging, wollten weder er noch seine Frau, die auch als Zeugin aussagte, von einer Vollbremsung sprechen. Die Ehefrau hatte die Bremsung aber als sehr stark empfunden. Beide schilderten, der Fahrer und der Beifahrer seien sehr schnell ausgestiegen. „Die sind fast rausgesprungen“, sagte die Legdenerin. Daraufhin habe sie ihrem Mann gesagt, er solle die Scheibe hochfahren und das Auto verschließen.

Zeugen konnten Angeklagten nicht als Fahrer des überholenden Fahrzeugs erkennen

Der Angeklagte sei an die Fahrerseite gekommen. Beide konnten den Angeklagten am Montag nicht als Fahrer des Wagens identifizieren. Zur Zeit des Vorfalls sei es schon dunkel gewesen. Beide Zeugen sagten aus, dass der Münsteraner den Legdener am Steuer aufgefordert habe, die Scheibe runterzumachen. Ihr Mann habe aber nur „Bitte fahren sie weiter“ gesagt und habe die Scheibe oben gelassen, sagte die Frau aus.

Der 20-jährige Bruder des Angeklagten aus Ahaus erklärte vor Gericht wie sein Bruder, keinen Gegenverkehr bemerkt zu haben. An dem Überholvorgang sei ihm nichts Besonderes vorgekommen, gab er vor Gericht an. Auch er sei von einer Warnung wegen eines Defekts am Auto ausgegangen, als die Lichthupe hinter ihnen aufblinkte, und er sei nach dem Aussteigen dicht am Auto geblieben.

Staatsanwalt sah Anhaltspunkte für Straftatbestand der Nötigung

Der Richter fragte alle Zeugen und den Angeklagten sehr genau danach, wie sie Abstände zwischen den Autos und die Intensität des Bremsens einschätzten. Dann war der Staatsanwalt an der Reihe: Er sah eine Nötigung gegeben. Beide Zeugen hätten glaubhaft das starke Bremsen beschrieben. Und weil der Angeklagte überhaupt nicht nach Schäden an seinem Auto geschaut hatte, hielt er seine Aussage, er sei von einem Hinweis auf einen Defekt ausgegangen, nicht für glaubwürdig. Für die Nötigung forderte er eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen je 30 Euro. Eine Unfallgefährdung sah er nicht, vom Vorwurf der fahrlässigen Straßenverkehrsgefährdung sei der Angeklagte freizusprechen.

Das sah der Verteidiger auch so, aber er sah darüber hinaus die Nötigung nicht bewiesen. Sein Mandant habe nicht stark gebremst. Der Angeklagte entschuldigte sich noch einmal für den Eindruck, den sein Manöver bei der Familie aus Legden hinterlassen hatte. Aber: „Ich war nicht laut und nicht aggressiv“, betonte er. Der Richter sprach den Angeklagten letztlich frei. Eine drohende Führerscheinsperre ist so vom Tisch.

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