Eine Hauptrolle in der Diskussion um das Baugebiet Wüllen-Nord 2 spielen die Kopfweiden: Während ein Teil der Wüllener die Bäume unbedingt erhalten möchte, plädieren andere dafür, sie abzuholzen, um so möglichst viele Baugrundstücke in dem neuen Gebiet zu gewinnen. © Stephan Rape
Geplantes Neubaugebiet

Umweltschützer kämpfen weiter für Erhalt der Kopfweiden in Wüllen-Nord

Der Rat hat für die maximale Anzahl von Grundstücken im Neubaugebiet Wüllen-Nord 2 gestimmt. Die Kopfweiden sollen fallen. Noch liegen die Pläne aber nicht aus. Und der Nabu kritisiert die Pläne scharf.

Noch will sie die Kopfweiden im Neubaugebiet Wüllen-Nord 2 nicht kampflos aufgeben. Christiane Betting, eine der Initiatorinnen hinter der Online-Petition „Dorfidylle bald Dorfgeschichte?“ will ihre Petition auf jeden Fall noch der Bürgermeisterin übergeben.

Aktuell (Stand Montag, 29. März) haben 821 Unterstützer die Petition unterzeichnet. 561 stammen eigener Angabe nach aus Ahaus. Christiane Betting hofft, dass es bis zur Übergabe noch ein paar mehr werden.

Wohnhäuser und Kopfweiden sollen nebeneinander existieren

Sie betont, dass es ihr nicht darum gehe, die Wohnhäuser in dem neuen Baugebiet zu verhindern. „Wir möchten, dass beides geht“, sagt sie. Wohnbebauung und der Erhalt der Kopfweiden. Genügend Kompromissvorschläge habe es gegeben. Sei es die Verkleinerung der Grundstücke oder eine andere Anordnung der Flächen. Aber das sei ja alles noch offen.

„Wir wollen das aber nicht sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden lassen“, erklärt sie. Ihre Hoffnung sei, dass durch die Petition noch einmal Denkprozesse angestoßen würden. „Wir wollen einfach, dass da noch einmal genau hingesehen wird“, macht Christiane Betting deutlich. Im schlechtesten Fall sei die Übergabe nur ein symbolischer Akt. Aber auch auf den komme es ihr an.

Pandemiefolgen: Pläne sollen „in Kürze“ ausgelegt werden

Noch sind die Pläne, die der Rat im Februar beschlossen hat, nicht öffentlich ausgelegt. Wann das geschehen soll? Der Technische Beigeordnete Thomas Hammwöhner konnte es in der vergangenen Ratssitzung noch nicht beantworten. „In Kürze“, erklärte er. Die Verzögerung begründete er mit den Folgen der Pandemie.

Unabhängig davon hat der Nabu weitere Kritik an den Planungen erhoben und an Verwaltung und Politiker geschickt. Demnach sei die Reihe der Kopfweiden, die gefällt werden soll, als Wallhecke kartiert und stehe damit unter besonderem Schutz. Der könne auch nicht durch einen Bebauungsplan außer Kraft gesetzt werden.

Vielmehr bestehe ein sehr großes öffentliches Interesse am langfristigen Fortbestand der gesetzlich geschützten Wallhecke unter Wahrung ihres typischen Charakters und des Ortsbildes. Auch sei der Landesbetrieb Wald und Holz bisher nicht beteiligt worden. Dort hätte die Stadt laut Nabu einen Nutzungsänderungsantrag stellen müssen.

Kritik des Nabu soll im Zuge der Offenlage behandelt werden

Dietmar Eisele (Grüne) hatte in der vergangenen Ratssitzung genau diese Kritik des Nabu vorgebracht. Er wollte wissen, ob eine entsprechende Genehmigung nicht vor der Offenlage eingeholt werden müsse.

Wie Thomas Hammwöhner erklärte, sei genau dafür das Verfahren der Offenlage gedacht. Darin könnten dann die Abwägungen erfolgen. Momentan habe das ganze Projekt ja noch gar keinen Status. Im Zuge der Offenlage könne sich dann beispielsweise auch der Landesbetrieb Wald und Forst in das Verfahren einschalten.

In zwei Stunden Diskussion keinen Kompromiss gefunden

Gut zwei Stunden hatte der Rat der Stadt Ahaus im Februar über den zweiten Abschnitt des Baugebiets Wüllen-Nord debattiert. Mit Bürgeranträgen und -fragen hatten sich auch die Naturschützer zu Wort gemeldet und für den Erhalt der Weiden geworben. Erfolglos: Denn am Ende stimmte die Mehrheit aus CDU, FDP und WGW für die maximal mögliche Zahl der Grundstücke – und damit gegen den Erhalt der viel diskutierten Kopfweiden.

UWG, SPD, Grüne und Reinhard Horst hatten versucht, Kompromisse zwischen Wohnbebauung und Erhalt der Weiden zu erzielen. Dabei wurden sie jeweils von CDU, FDP und WGW überstimmt.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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