Video belegt, dass Disco-Streit harmloser war, als die Zeugen sagten

hzDisco Next

Ein Stadtlohner (21) stand nach einem Streit wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Doch ein Video belegte, dass es die Zeugen mit der Wahrheit wohl nicht so eng gesehen hatten.

Ahaus

, 18.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Streit auf dem Flur der Disco Next und eine Schubserei danach haben einen 21-jährigen Stadtlohner am Montag vor das Amtsgericht Ahaus gebracht: Im vergangenen September war es dort zu einem Streit zwischen zwei jungen Frauen gekommen. Der Angeklagte ging dazwischen, schob eine der Frauen recht rabiat weg und wurde daraufhin seinerseits von Umstehenden weggeschubst und gegen eine Wand gedrückt. Bilder einer Überwachungskamera hatten dieses Geschehen festgehalten.

Zeugen sollten besser nicht mehr aussagen

Doch die Zeugen der Tat hatten die Geschichte bei der Polizei ganz anders geschildert: Demnach habe der Angeklagte nicht nur mit der Faust, sondern auch mit einer Bierflasche zugeschlagen. Außerdem habe er eine junge Frau gewürgt. Im Raum stand deswegen eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung.

Auf den Videoaufnahmen war davon allerdings nichts zu sehen. „Wenn die das hier ausgesagt hätten, hätten wir direkt die nächsten Verfahren am Hals“, erklärte der Richter. „Den Quatsch brauchen wir uns nicht anzuhören, weil wir ja sehen können, was passiert ist“, sagte er. Drei Zeugen waren zwar noch vor Gericht geladen, mussten aber nicht mehr aussagen.

Auflagen wären schlechtes Signal für Nothilfe

Der Richter hatte zunächst noch vor, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen. „Damit sind wir nicht einverstanden“, hielt der Verteidiger dagegen. Sein Mandant habe lediglich helfen und Streit schlichten wollen, erklärte er. „Was wäre das für ein schlechtes Signal, wenn so eine Nothilfe bestraft würde“, fragte er. Damit waren schließlich auch Richter und Staatsanwältin einverstanden. „Letztlich war das wohl eine Situation, wie sie 100 Mal am Abend im Next vorkommt“, sagte der Richter.

Die Videoaufnahmen hatte der Discobetreiber Tobit.Software erst nach einigem Nachdruck zur Verfügung gestellt. „Erst als ich dem Unternehmen mit einer Durchsuchung gedroht habe, ging es ganz schnell“, erzählte der Richter im Gerichtssaal.

Klare Ansage an den Angeklagten

Und auch wenn das Verfahren eingestellt wurde, gab der Richter dem Angeklagten noch einen deutlichen Kommentar mit auf den Weg: „Sie müssen sich besser im Griff haben, wenn Sie Alkohol getrunken haben“, tadelte er. Denn auch vor der Tür hatte der junge Mann seinem Ärger über den Rausschmiss an diesem Abend Luft gemacht: Mehrfach schlug und trat er auf die geschlossene Tür ein, stieß auch seine Freundin und andere Begleiter weg, die ihn beruhigen wollten.

„Ich war wütend, weil ich unschuldig war“, sagte er dem Richter, nickte aber und versprach Besserung. Sein Verteidiger winkte schließlich ab: „Das reicht, wir sagen jetzt gar nichts mehr“, machte er deutlich. Verhandlung geschlossen.

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