Die Kronenburg und der Marstall der Burg Bentheim bilden ein atemberaubendes Panorama. © Anna-Lena Haget
Freizeitserie

Video: Burg Bentheim lädt zu Spaziergang in die Vergangenheit ein

Wer sich für ein paar Stunden wie ein echter Ritter oder eine Prinzessin fühlen möchte, für den ist ein Ausflug auf die Burg Bentheim im niedersächsischen Teil des Münsterlandes genau das Richtige.

Die „Witte Jüffer“ hält unter ihrem wallenden, weißen Kleid einen schweren Schlüsselbund versteckt. Damit schlägt sie nach jedem, der sich ihr in den Weg stellt. An Stelle von Augen hat die weiße Jungfrau zwei klaffende, schwarze Löcher und jeder, der ihr begegnet, bekommt den Schrecken seines Lebens und stirbt binnen drei Tagen. So besagt es jedenfalls die düstere Legende über das Gespenst der Burg Bentheim.

In der Tat gleicht die im elften Jahrhundert erbaute Burg Bentheim an diesem sonnigen Sommertag eher einem Märchen- als einem Spukschloss. Die ersten Burgbewohner, denen ich begegne, tragen zwar einen Panzer, aber es sind keine wackeren Rittersleute: Eine Schildkrötenfamilie sonnt sich im Wassergraben. Auch ein paar Bentheimer Landschafe bekomme ich zu sehen. Sie grasen gelassen vor dem äußeren Burgtor.

Beliebter Ort zum Heiraten

Nach so vielen tierischen Begegnungen bin ich neugierig auf mehr. Tatsächlich werde ich nicht enttäuscht: Eine Frau in einem wallenden, weißen Kleid erscheint mir. Doch ist sie kein Geist sondern eine Braut, die mit ihrem Zukünftigen und ein paar Gästen im Hof der Vorburg ihren großen Tag feiert. Kein Grund zum Fürchten also. Die Burg Bentheim ist, so erfahre ich später, auch als Hochzeitslocation überaus begehrt. Mit ihren hohen Türmen und romantischen Erkern fühlt sich hier so manche Frau wie eine echte Prinzessin.

Der prachtvolle Ernst-August-Salon dient heute unter anderem als Trauzimmer.
Der prachtvolle Ernst-August-Salon dient heute unter anderem als Trauzimmer. © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Ich kaufe eine Karte und passiere das Drehkreuz in eine andere Welt. Der erste Blick auf das Gebäude, nachdem ich durch das innere Burgtor eingetreten bin, verschlägt mir die Sprache. Die Kronenburg mit ihren offenen Arkaden und neogotischen Fenstern und Giebeln sowie der langgezogene Marstall bieten ein faszinierendes Bild.

1000 Jahre alte Christusfigur

Nach ein paar Schnappschüssen führt mich mein erster Weg jedoch zum heimlichen Star der Burganlage. In der Katharinen-Kirche, gleich rechts vom Burgtor, ist es dunkel und fast unheimlich still. Im hinteren Teil des Kirchenschiffs schwebt eine hölzerne Marienfigur frei im Raum. Dahinter: Der „Herrgott von Bentheim“, eine vor rund 1000 Jahren aus grauem Stein geschaffene Christusfigur.

Hoch oben auf der Burgmauern könnte ich meinen Rundgang jetzt fortsetzen, aber zuerst will ich den sagenumwobenen, 23 Meter tiefen Brunnen sehen, der versteckt hinter einem Torbogen liegt. Angeblich soll er noch nie ausgetrocknet sein. Die beiden Gefangenen, die ihn angeblich gegraben haben, um vom Grafen anschließend ihre Freiheit geschenkt zu bekommen, waren ganze neun Jahre damit beschäftigt. Von ihrer Freiheit hatten sie allerdings nicht viel. Der Legende nach, sollen beide vor Freude tot umgefallen sein, nachdem sie endlich auf Wasser gestoßen waren.

Singendes Schwein

Weiter geht es Richtung Kronenburg, natürlich nicht ohne dem „singenden Schwein“ einen Besuch abzustatten, das sein Zuhause in einem Zierpavillon auf dem Gelände hat. Vorbei an der prachtvollen, fürstlichen Kutschengarage wage ich mich hinein in den Wohntrakt. Hier residierten die Fürsten und Grafen zu Bentheim und Steinfurt für Jahrhunderte.

Die Räume strahlen eine dunkle Eleganz aus und ich staune über die festliche Ausstattung des Waldecker Zimmers. Auch wenn die Gesichter in der Ahnengalerie recht streng auf mich hinabschauen. Hinweisschilder erzählen mir mehr über das Schlafzimmer, in dem einst die niederländische Königin nächtigte und sogar der amtierende Fürst gibt sich die Ehre: In Form einer Projektion auf einem lebensgroßen Bildschirm erzählt er von der langen Geschichte seiner Familie.

Prunkstücke und ein Teufelsohr

Durch ein Fenster entdecke ich sogar das berühmte Teufelsohrkissen, eine Felsenformation, auf der angeblich der Teufel höchstpersönlich eines seiner Hörorgane eingebüßt haben soll.

Jeder der für Besucher einsehbaren Räume birgt zahllose Prunkstücke. Sei es die festliche Tafel im Rittersaal oder der Ernst-August-Salon mit seinen großen, gotischen Fenstern. Sogar ein kleines Museum mit Familienfotos und Glasvitrinen voller Besitztümer der Fürstenfamilie gibt es hier zu sehen. Darunter kuriose Stücke wie ein Juwelenpoliturset.

Der Stein der Weisen

Der wirklich finstere Teil der Burg Bentheim beginnt hinter der Tür des Marstalls. Hier unten, in niedrigen, unterirdischen Gängen mit verwinkelten Treppenstufen, könnte ich wirklich anfangen, an Geister zu glauben. Bald finde ich mich in einem unheimlichen Labor voll seltsamer Gerätschaften wieder.

Hier wird erklärt, wie Alchemisten vergangener Tage auf die Suche nach dem Stein der Weisen gingen und vergeblich versuchten, Gold herzustellen. Aber auch hier, in teils beklemmend winzigen Zellen, begegnet mir die weiße Jungfer nicht.

Alte und neue Kunst

Wesentlich freundlicher sieht es in den oberen Stockwerken des Marstalls aus. Hier erwarten die Besucher auf zwei Etagen verschiedene Ausstellungen. Derzeit gastiert eine Schau vielversprechender Nachwuchskünstler im obersten Stockwerk. In der ersten Etage sind kostbare Minuskelhandschriften und historische Münzen zu sehen.

Der goldene Becher vom Gölenkamp, ein Fundstück aus der Bronzezeit, ist zweifellos eines der Highlights der Ausstellung. Nur dem Fußboden des Ausstellungsraumes traue ich nicht recht über den Weg, denn er krakt und knirscht unter meinen Füßen.

Goldschatz im Verließ

Glitzerndes Gold versteckt sich auch im mächtigen, quadratischen Pulverturm, der über eine Außentreppe zu erreichen ist. Ein Blick durch ein unscheinbares Loch im Boden offenbart einen gewaltigen Münzenschatz in 18 Metern Tiefe. Früher wurden Gefangene per Seil in das Verließ hinabgelassen.

Zu einem Spaziergang auf der Burgmauer lädt der historische Wehrgang ein.
Zu einem Spaziergang auf der Burgmauer lädt der historische Wehrgang ein. © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Heute bringt es Glück, eine Münze durch das Gitter fallen zu lassen und sich etwas zu wünschen. Wie die Zeiten sich doch ändern! Über eine wenig Vertrauen erweckende Holztreppe wage ich den Aufstieg hinauf auf die Aussichtsplattform des Pulverturms.

Großartige Aussicht

Die großartige Aussicht entschädigt mich jedoch zu genüge, denn die ist absolut sagenhaft. Nach Niedersachsen hinein, ins Münsterland und in die Niederlande schweift mein Blick an diesem schönen Tag. Schon allein dafür hat sich der Eintritt gelohnt, finde ich und vergesse sogar meine Höhenangst für ein paar Minuten.

Auch der historische Wehrgang, der rechts am Pulverturm vorbeiführt, ist mit seinen 23 Metern noch recht hoch. Von hier aus habe ich gute Sicht auf den großen Schlosspark am Fuße der Burg. Hier könnte ich nachher noch spazieren gehen oder eine Runde Minigolf spielen, aber das mache ich am besten beim nächsten Mal. Dann ist bestimmt auch die „Witte Jüffer“ endlich zu Hause.

Infos zum Besuch der Burg Bentheim

  • Die Burg Bentheim liegt an der Schlossstraße in Bad Bentheim. Unterhalb der Burg gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz (zurzeit zwei Euro pro Tag).
  • Die Burg ist von März bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im November und Dezember öffnet sie Dienstag bis Mittwoch und Freitag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.
  • Der Eintritt kostet für Erwachsene fünf Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Kinder von sechs bis 14 Jahren zahlen 3,50 Euro, Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.
  • Führungen sind derzeit aufgrund der Coronasituation bis voraussichtlich September 2021 nicht möglich.

  • Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Burg Bentheim (www.burg-bentheim.de)
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Redaktion Ahaus
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