Vier Patienten zu Beginn

Ahaus "150 Jahre im Dienst am Menschen", unter diesem Leitgedanken blickt das Ahauser Krankenhaus auf eine lange Tradition zurück. Die Münsterland Zeitung wirft in loser Folge einen Blick in die Chronik.

11.01.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vier Patienten zu Beginn

<p>Die historische Aufnahme zeigt den ersten Krankenhausbau im Jahr 1858. privat</p>

1858 weihte der Bischof aus Münster das damals bescheiden gebaute Haus ein, das zunächst mit vier Patienten seinen Dienst aufnahm. Die Pflege übernahmen zwei junge Ordensschwestern der Mauritzer Franziskanerinnen aus Münster. Ärzte waren anfangs nicht im Haus tätig, sie wurden nur bei schweren Fällen hinzugezogen.

Die Zahl der Patienten erhöhte sich dramatisch wegen der in Ahaus häufig vorkommenden Darminfektionskrankheiten. Sie waren auch der eigentliche Anlass für den Krankenhausbau, der in einer Bürgerversammlung bereits 1850 beschlossen wurde. Die Ursache der vielen Salmonellenerkrankungen lag in den zahlreichen Wasserläufen und Gräben, die die Stadt durchzogen und für die Fäkalienentsorgung genutzt wurden.

Unterirdisch hatten die Gräben Verbindungen zu den Brunnen, aus denen die Menschen sich mit Trinkwasser versorgten. Obwohl seinerzeit im Stadtkern nur 1600 Bürger wohnten, verzeichnete man jährlich um die 70 Todesfälle aufgrund von Darmkrankheiten.

"Pfennigsverein"

Die Finanzmittel zum Krankenhausbau erbat sich das gegründete Komitee, bestehend aus angesehen Bürgern der Stadt, durch den unermüdlichen Aufruf zu Spenden. Auch die Adelshäuser aus dem weiten Umfeld beteiligten sich. Selbst die Prinzessin von Preußen und spätere Kaiserin Augusta schenkte fünf Dukaten.

Die Bürger gründeten zur Unterstützung einen Pfennigsverein. Der Fürst Salm-Salm zu Anholt stiftete ein drei Morgen großes Grundstück vor dem Stadttor, am früheren Windmühlentor, dem heutigen Marienplatz, als Ort für den Krankenhausbau. Die Bahnhofstraße und die van-Delden-Straße gab es seinerzeit noch nicht.

Im Frühjahr 1855 begannen die Bauarbeiten, nach vier Jahre war das Krankenhaus bezugsfertig. Das Gebäude war schmucklos und unterschied sich kaum von einem zweistöckigen Bürgerhaus. Fließendes Wasser, Toiletten und Badezimmer befanden sich noch nicht im dem Haus. Zur Senkung der Kosten betrieben die ehrenamtlichen Schwestern eine kleine Landwirtschaft, weshalb die Stallungen für das Vieh an das Krankenhaus angebaut wurden.

Kartoffelkollekte

Die Kosten sollten so niedrig wie möglich gehalten werden, so dass auch Ärmere die Pflegekosten bezahlen konnten. Im Frühjahr fand eine Geldkollekte und im Herbst eine "Kartoffelkollekte" statt, wobei auch Fleisch und Korn gespendet wurden. Die Stadtverwaltung unterstützte jährlich mit 300 Mark. wird fortgesetzt

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