Wählergemeinschaft Lebenswertes Ahaus will „Parteien-Korsett“ sprengen

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Reinhard Horst, langjähriges Mitglied der Ahauser FDP, hat die Wählergemeinschaft Lebenswertes Ahaus gegründet. Schon für die Kommunalwahl gibt es eine Kampfansage.

Ahaus

, 26.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Reinhard Horst (63) ist Fraktionsvorsitzender der Ahauser FDP. Das hat ihn allerdings nicht davon abgehalten, nun die „Wählergemeinschaft Lebenswertes Ahaus“ (WLA) zu gründen und mit ihr in naher Zukunft große Ziele zu verfolgen: „Wir wollen bei der Kommunalwahl im Herbst in den Rat einziehen.“

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Eine mutige wie gewagte Ansage. Denn noch zählt die WLA erst eine handvoll Mitglieder. Reinhard Horst ist der Vorsitzende, Arno Krüger sein Stellvertreter, Schatzmeister ist Carsten Heitkamp und Beisitzer Christoph Bromisch. Am Sonntag werde sich das allerdings ändern, erklärt Horst im Gespräch mit der Redaktion.

Erst Mitgliederversammlung am Sonntag

Dann lädt die WLA um 18 Uhr nach Graes, Alstätter Straße 3, zur ersten Mitgliederversammlung ein. „Dort werden dann direkt die weiteren, noch offenen Posten vergeben“, erklärt der 63-Jährige. Hintergrund: „Wir können nicht predigen, dass alle sich einbringen sollen, aber gleichzeitig keine Plätze mehr für neue Mitglieder frei haben.“

Und wen soll die neue Wählergemeinschaft ansprechen? „Alle Ahauser“, betont Arno Krüger. Es spiele keine Rolle, welches Alter jemand habe oder ob er in einer anderen Partei Mitglied sei. Eine Ausnahme: Wer bei einer anderen Partei für den Stadtrat kandidiert, darf nicht mitmachen. „Das könnte sonst zu einem Interessenkonflikt führen“, so Krüger.

„Wir wollen unbequeme Fragen stellen“

Der WLA sei vor allem wichtig, den Bürger wieder an der Basis abzuholen. „Wir wollen unbequeme Fragen stellen und uns die Sorgen jedes Einzelnen genau anhören – vollkommen ideologiefrei“, sagt Reinhard Horst. „Wir wollen nicht nur meckern, sondern anpacken.“ So hofft er, auch bei den jungen Menschen punkten zu können. Von diesen habe die Wählergemeinschaft bereits viel Zuspruch erfahren.

„Viele junge Menschen hatten in der Vergangenheit keine große Lust, einer Partei beizutreten. Ihnen fehlte die Perspektive, etwas bewegen zu können. Das wollen wir ändern. Das Partei-Korsett muss weg“, fordert Arno Krüger.

Noch keine jungen Menschen an der Spitze

Die Frage, warum bei der WLA (bisher) keine jungen Menschen an der Spitze stehen, beantwortete Reinhard Horst ausweichend: „Die Idee, eine Wählergemeinschaft in Ahaus zu gründen, ist nicht neu. Es gibt die WGW, die vor allem in Wüllen tätig ist und die UGW, die vor allem aus der Bürgerinitiative entstanden ist. Die jungen Leute wollten aber etwas Neues.“

Und warum haben sie sie dann nicht selbst gegründet? „Eine Wählergemeinschaft zu gründen, ist unheimlich komplex. Man braucht Wissen und auch ein gewisses Kapital“, so Horst.

Mit verschiedenen Themen punkten

Punkten möchte die WLA mit verschiedenen Themen. Man wolle für „sozialverträgliche Marktwirtschaft“ einstehen, sagt der 63-Jährige und blickt dabei auch auf die aktuelle Coronakrise: „Da wird Geld rausgehauen – das ist der helle Wahnsinn. Da wünsche ich mir mehr Augenmaß.“

Arno Krüger möchte auch in der Innenstadt etwas verändern: „Barrierefreie Zugänge zu Geschäften sind weiterhin eher eine Ausnahme. Außerdem gibt es gastronomische Betriebe, wo ich ohne Smartphone nicht weiterkomme. Ich sehe das in der Breite skeptisch. Da muss man fragen: Geht das auch anders?“

Bei der Generalversammlung „Stein ins Rollen bringen“

Mit der Generalversammlung wolle man nun den Stein ins Rollen bringen. Am Sonntag, 12. Juli, sollen dann beim zweiten Treffen die Kandidaten für die Kommunalwahl aufgestellt werden. „Für alle Wahlbezirke“, betont Horst. Der FDP möchte er im Übrigen in noch nicht näher definierter Zukunft den Rücken kehren.

Dass er bei der Aufstellung der Kandidaten für die Kommunalwahl ausgebootet wurde, wie es von außen für viele wirkte, möchte er aber nicht so stehen lassen: „Ich wurde als Spitzenkandidat vorgeschlagen, habe aber bewusst abgelehnt.“

Info:

16 Jahre lang engagierte sich Reinhard Horst für die FDP in Ahaus. Er gehörte 2004 nach der Gründung des Stadtverbands zu einem der ersten Mitglieder. Seit 2004 sitzt er für die Liberalen im Stadtrat, seit 2009 als deren Fraktionsvorsitzender. Horst war bei der Kandidaten-Aufstellung der Liberalen zur Kommunalwahl am 13. September nicht auf einen Platz der Reserveliste gewählt worden.
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