Der Atommüll rückt wieder in den Fokus - betroffen ist vielleicht bald wieder das Zwischenlager in Ahaus. © picture alliance / dpa
Atomkraft

Waffentaugliche Atommüll-Lieferung bald in Ahaus?

Schon bald könnte es einen neuen Transport ins Ahauser Zwischenlager geben: Dabei handelt es sich um waffentauglichen Atommüll. Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ will das verhindern.

Felix Ruwe und Hartmut Liebermann, Sprecher der Anti-Atom-Bewegung „Kein Atommüll in Ahaus“, haben Grund zur Sorge. Denn bereits im kommenden Jahr könnte eine weitere Atommüll-Lieferung aus Garching bei München das Zwischenlager in Ahaus erreichen – das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen.

Der Betrieb des Forschungsreaktors der TU München in Garching (kurz: FRM 2) liegt seit Mitte 2020 still. Kurz zuvor war bei einem Störfall radioaktives C‑14 ausgetreten und nach außen gelangt. Erst acht Monate später wurde bekannt, dass der Vorfall in die Kategorie „sicherheitsrelevante Ereignisse“ eingestuft wurde.

Nach Angaben von Hartmut Liebermann haben die ausgedienten Brennelemente im FRM2 bei einer Entnahme aus dem Reaktor immer noch einen Anreicherungsgrad von 87 Prozent. Demnach sind sie hochangereichert, somit auch waffentauglich und stellen ein potenzielles Risiko zur Nutzung von Atomwaffen dar. Der Plan in Garching: Den Atommüll nach Ahaus verfrachten.

Große Sicherheitsbedenken in Ahaus

Aus einem Gutachten vom Dezember 2017 – im Auftrag des Nationalen Begleitgremiums durch das Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften (ISR) in Wien erstellt und über das Umweltbundesamt abgewickelt – geht allerdings Folgendes hervor: „Der physische Schutz von Zwischenlagern entspricht nach aktuellem Kenntnisstand dem Standard für die Lagerung von radioaktiven Abfall und nicht demjenigen für die Lagerung von Waffenmaterial.“

Kurz gesagt: Der Atom-Standort Ahaus ist für die Atommüll-Lieferung aus Garching schlichtweg ungeeignet, argumentiert auch die Bürgerinitiative. Das Gutachten ist für jedermann einzusehen, ein Link dazu findet sich auf der Seite www.bi-ahaus.de.

Und dennoch sollte bereits 2018 mit dem Transport der Atommüll-Elemente nach Ahaus begonnen werden. Passiert ist bisher jedoch nichts.

Felix Ruwe weiß auch wieso: „Sowohl für den Transport als auch die Lagerung gibt es aktuell keine Genehmigung.“ Diese müsste im Fall der Fälle durch das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung erteilt werden.

Das Zwischenlager in Ahaus könnte schon bald wieder das Ziel neuer Atommüll-Transporte sein.
Das Zwischenlager in Ahaus könnte schon bald wieder das Ziel neuer Atommüll-Transporte sein. © Bernd Schlusemann © Bernd Schlusemann

Dazu könnte es aber schon zu Beginn des neuen Jahres kommen. Denn dann soll nach den Kenntnissen von Liebermann der Reaktor in Garching wieder hochgefahren werden. So würde das ohnehin schon volle Lagerbecken an seine Grenzen kommen – im Umkehrschluss steige wiederum der Druck auf einen Transport nach Ahaus an.

Deswegen fordern die Atom-Gegner nicht nur die komplette Stilllegung in Garching, sondern, dass die Brennelemente dort auch vor Ort gelagert werden und nicht ins Westmünsterland transportiert werden. „Der Standort Ahaus gilt als nicht sicher genug“, sagt Felix Ruwe.

Unterstützung durch die Politik

Mit ihren Bedenken haben sich die Sprecher der Bürgerinitiative bereits Ende November 2018 schriftlich an Thorsten Galuber, unter anderem Umweltminister des Freistaats Bayern, gewandt. Laut Ruwe sei bis zum heutigen Tage allerdings keinerlei Rückmeldung erfolgt. Deswegen haben sie sich nun erneut mit einem weiteren Schreiben direkt an den Politiker gerichtet.

Des Weiteren seien sie im Kontakt mit dem Bundestagsabgeordneten Oliver Kirscher und Stefan Wenzel, Abgeordneter des niedersächsischen Landtags. Beide gehören der Partei Bündnis 90/Die Grünen an. Denn sowohl Felix Ruwe als auch Hartmut Liebermann wissen um das Engagement der Politiker und hoffen auf Berücksichtigung ihres Anliegens – verfasst in einem Thesenpapier – bei den gegenwärtigen Koalitionsverhandlungen.

Sollten jegliche Maßnahmen scheitern und eine Genehmigung für den Transport nach Ahaus kommen, dann sind sich die beiden Atomgegner aber sicher, dass die Stadt Ahaus alle möglichen Schritte prüfen werde. „Es ist schon vorstellbar, dass eine Klage gegen den Betreiber aus Garching und die Genehmigungsbehörde kommen wird“, meint Liebermann.

(Der Artikel wurde am 17. November vom Verfasser überarbeitet)

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