Wie viele Grundstücke werden im geplanten Neubaugebiet Wüllen-Nord geschaffen? Und was passiert mit den Kopfweiden? Am 25. Februar soll der Rat darüber entscheiden. © Stephan Rape
Neues Baugebiet

Was passiert mit Kopfweiden in Wüllen? Grüne legen dritte Variante vor

Wohnfläche gegen Naturschutz: Die Meinungen zum Baugebiet Wüllen-Nord sind gespalten. Der Weg der Verwaltung ist eigentlich klar, doch die Grünen haben eine neue Planvariante vorgelegt.

Inzwischen haben 633 Menschen die Petition gegen die Abholzung der Kopfweiden am Rand des zukünftigen Baugebiets Wüllen-Nord unterzeichnet. Der Konflikt beschäftigt den Ort und die Politik schon lange: Auf der einen Seite bauwillige Wüllener, die dringend ein Grundstück suchen, auf der anderen Seite Menschen, denen der Naturschutz enger am Herzen liegt – und die die Kopfweiden als Biotop und Lebensraum für unterschiedliche Tiere erhalten wollen.

Politik hatte sich für mehr Wohnraum entschieden

Den Plan für das neue Wohngebiet hat die Ahauser Verwaltung erstellt – nach Vorgaben der Politik: „Es gab zwei Varianten. Eine mit mehr Wohnraum, eine mit dem Erhalt der Kopfweiden“, sagt Thomas Hammwöhner, Technischer Beigeordneter der Stadt Ahaus.

Und die Politik habe sich klar positioniert und den Weg vorgegeben: „Sie wollte mehr Wohnraum“, sagt er. Entsprechend habe die Verwaltung weiter gearbeitet. „Da hatten wir gar keine andere Möglichkeit“, macht er weiter deutlich. Petition hin oder her, es gebe eben einen Beschluss. Den hatten die Mitglieder des Bauausschusses im Juni 2020 mit elf zu fünf Stimmen gefasst. Auch da hatte der Naturschutz schon eine große Rolle in der Diskussion gespielt.

Den aktuellen Entwurf der Planung hat er jetzt Mitgliedern des Bau- und Planungsausschusses vorgestellt. In einer nicht-öffentlichen Videokonferenz, wie es im Moment in Ahaus üblich ist. Entscheidungen seien dort nicht getroffen worden, betont Thomas Hammwöhner. Aber natürlich seien Fragen beantwortet worden. „Wir wollen die Informationen ja so früh wie möglich an die Politik weitergeben“, so Thomas Hammwöhner.

Grüne legen dritten Entwurf für Baugebiet vor

Unterstützung bekommen die Kopfweiden auch von der Ratsfraktion der Grünen:

Sie haben eine eigene Variante für das zukünftige Baugebiet erarbeitet und wollen, dass die Verwaltung diesen Entwurf bis zur Beratung am 25. Februar prüft.

Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen habe sich wiederholt gegen die Fällung der Bäume ausgesprochen, betont deren Fraktionsvorsitzender Dietmar Eisele. Mit dem neuen Entwurf könnten sowohl genügend Baugrundstücke geschaffen als auch die Bäume gerettet werden. Michael Theuring, Vertreter der Grünen im Ausschuss für Stadtentwicklung und von Beruf Umweltingenieur hatte den dritten Entwurf erarbeitet.

„Die bisher vorgestellten Varianten A oder B für die Erweiterung des Baugebiets unterscheiden sich grundsätzlich im Umgang mit der im Landschaftsplan als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesenen Kopfbaumreihe im östlichen Teil des Plangebiets,“ sagt er. „Allerdings würde beim Erhalt der Kopfbaumreihe in der vorgestellten Variante B gegenüber der Variante A ein geringer Teil an Bauland wegfallen.“

Die Grünen wollen die Kopfbaumreihe erhalten: „Mit Baumfällungen schützt man das Stadtklima nicht. Da helfen auch keine Ersatzanpflanzungen, da es Jahrzehnte dauert, bis aus neuen Bäumchen wieder große Bäume geworden sind“, sagt Dietmar Eisele, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Weniger Grundstücke, dafür mehr Bäume

Auch der Entwurf der Grünen würde weniger Baugrundstücke ergeben als die Variante, die von der Verwaltung vorgelegt wurde: In der Ratsvorlage ist von 42 Einfamilienhausgrundstücken sowie sechs Grundstücken für Doppelhäuser die Rede. Die Grünen sprechen in ihrem Entwurf von 39 Baugrundstücken.

„Die Zahl der Grundstücke ist bisher ja noch nicht in Gänze geklärt“, sagt Dietmar Eisele. Da könne sich noch etwas bewegen.

In der Ratssitzung am 25. Februar soll der Rat über die Aufstellung des neuen Bebauungsplans für das Wohngebiet entscheiden. Dann klärt sich auch, was mit den Kopfweiden passiert.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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