Wegen Corona: Klinikum will keinen generellen Lockdown der Krankenhäuser

hzCoronavirus

Landauf, landab wird angesichts der Corona-Zahlen darüber diskutiert, ob die Kliniken in den Notbetrieb umschalten sollen. Verdi wünscht sich das. Was sagt das Klinikum Westmünsterland dazu?

Ahaus

, 06.11.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Infektionszahlen sind weiterhin hoch im Kreis Borken. Mit zeitlicher Verzögerung muss somit auch mit mehr Patienten gerechnet werden, die wegen des schweren Krankheitsverlaufs um eine Behandlung im Krankenhaus nicht herumkommen könnten.

Aktuell wird vor dem Hintergrund der hohen Infektionszahlen überall die Diskussion geführt, ob die Kliniken nicht schon jetzt gut daran täten, geplante Operationen schon jetzt abzusagen, um auf die Covid19-Patienten vorbereitet zu sein. Mit Blick auf die Bettenkapazität auf den Intensivstationen – und auf das Personal.

„Die Krankenhäuser müssen aus dem Regelbetrieb herausgenommen und auf Notbetrieb umgestellt werden“, erklärte etwa Uwe Janssens, der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Gewerkschaft Verdi wünscht sich Umstellung auf Notbetrieb

Auch die Gewerkschaft Verdi wünschte sich das: „Wirtschaftliche Erwägungen dürfen hier keine Rolle spielen. Die Bewältigung der Pandemie und die Rettung von Menschenleben stehen ganz klar an erster Stelle“, so Sylvia Bühler aus dem Bundesvorstand.

Wie geht das Klinikum Westmünsterland, das auch die Krankenhäuser in Ahaus, Stadtlohn und Vreden betreibt, mit der aktuellen Lage um? Wird ein Notbetrieb erwogen? „Aktuell ist es nicht geplant, Behandlungsbeschränkungen auszusprechen“, lautet die deutliche Antwort von Klinikum-Sprecher Tobias Rodig.

„Am heutigen Donnerstag behandeln wir im gesamten Klinikum Westmünsterland 40 Covid-19-Patienten in unseren Krankenhäusern, drei davon auf der Intensivstation. In Ahaus sind es 18 Patienten und 2 davon auf der Intensivstation“, weist er auf den aktuellen Stand vom 5. November hin.

Tobias Rodig, Pressesprecher des Klinikums Westmünsterland, sagt, dass das Klinikum einen generellen Lockdwon für seine Krankenhäuser vermeiden möchte.

Tobias Rodig, Pressesprecher des Klinikums Westmünsterland, sagt, dass das Klinikum einen generellen Lockdwon für seine Krankenhäuser vermeiden möchte. © Klinikum

Angesichts der weiter hohen Infektionszahlen im Kreis müsse das Klinikum das Geschehen sehr aufmerksam verfolgen. Zu beachten sei, dass sich die Infektionszahlen aufgrund des Krankheitsverlaufes bei Covid-19 erst mit einer zirka zweiwöchigen Verzögerung in den Krankenhäusern bemerkbar machen.

Klinikum will keinen generellen Lockdown der Krankenhäuser

„Eine weitere deutliche Zunahme Covid-Patienten kann dazu führen, dass wir in anderen Bereichen wieder herunterfahren müssen, um die notwendigen Kapazitäten und Reserven freizuhalten“, sagt Tobias Rodig. Aber: Anders als im Frühjahr wolle das Klinikum Westmünsterland einen generellen Lockdown der Kliniken verhindern und stattdessen an die jeweilige Situation angepasst reagieren.

Jetzt lesen

„Sollten zusätzliche Kapazitäten zum Beispiel im Bereich der Intensivstationen benötigt werden, werden wir verantwortungsvoll mit der Verschiebung weniger dringlicher Behandlungen umgehen“, blickt der Sprecher voraus, schiebt aber noch einmal nach: „Aktuell ist dies jedoch nicht notwendig und nicht geplant.“

Wie steht es aktuell um die Personaldecke in den Krankenhäusern des Klinikums Westmünsterland? „Es gibt Ausfälle, aber keine Versorgungsengpässe“, sagt Tobias Rodig dazu. „Die Situation ist sehr dynamisch und auch unsere Mitarbeiter sind nicht vor Infektionen gefeit. Im Bereich des pflegerischen Personals gibt es natürlich auch bei uns aktuell einige Ausfälle, die besondere Flexibilität und hohe Einsatzbereitschaft unserer gesamten Mitarbeiterschaft erfordern.“

Personelle Ausfälle führen nicht zu Versorgungsengpässen

Diese, so Rodig, führten aber aktuell nicht zu Versorgungsengpässen. Es bleibe jedoch extrem wichtig, dass wir den Eintrag von möglicherweise unentdeckten Infektionen in die Mitarbeiterschaft unbedingt vermeiden – „denn weitere größere Ausfälle im Personal kann sich kein Krankenhaus leisten“. Auch, weil nicht jede Pflegerin oder Pfleger die nötige Qualifikation habe, Patienten zu betreuen, die beispielsweise beatmet werden müssen.

„Dies gilt aber nicht nur für den Bereich der Intensivpflege, sondern auch für den ärztlichen Dienst oder andere Bereiche wie zum Beispiel die Mitarbeiter im Labor“, lenkt Tobias Rodig den Blick auf das gesamte Krankenhaus.

Grippe- und Erkältungssaison könnte sich auf Personalstand auswirken

Die aktuell beginnende Grippe- und Erkältungssaison trage natürlich zusätzlich noch einmal dazu bei, dass es zu Ausfällen komme. „Daher ist es umso wichtiger, dass wir jetzt unser Personal bestmöglich schützen“, betont der Sprecher des Klinikums Westmünsterland.

Gibt es denn auch bei den Krankenhäusern im Westmünsterland Absagen von Patienten, die in diesen Zeiten nicht ins Krankenhaus möchten ? Ja, so Tobias Rodig: „ Wir beobachten diese Entwicklung mit etwas Sorge. Gerade bei schwerwiegenden Erkrankungen und Notfällen ist das Risiko für die Gesundheit deutlich größer, wenn man den Weg ins Krankenhaus scheut, als das Risiko sich mit dem Coronavirus im Krankenhaus zu infizieren“, betont er.

Wichtig: In Notfällen auf keinen Fall das Krankenhaus meiden

Tobias Rodig wirbt um Vertrauen: „Die Krankenhäuser sind weiterhin aufgrund der hohen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen sichere Orte“, betont er. Und es müsse in jedem Fall vermieden werden, dass zum Beispiel Verdachtsfälle auf Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere lebensbedrohliche Erkrankungen nicht zur Abklärung kommen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt