Wer hat den Längsten? Kassenbons machen viel Müll

hzKassenbon-Länge

Sondermüll-Berge durch Kassenzettel entstehen nicht nur durch die Bon-Pflicht, sondern auch durch unnötig lange Bons mit Werbung, großen Logos und Grüßen.

von Christin Lesker

Ahaus

, 08.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Parkscheibe für 99 Cent gekauft und schon sind 21 Zentimeter mehr Kassenbon im Portemonnaie. 21 Zentimeter: Viele Kassenbons sind unnötig lang. Durch die neue Kassenbon-Pflicht entsteht ohne Frage eine große Menge Sondermüll. Daran wird sich allerdings so schnell nichts ändern. Es lohnt sich also darüber nachzudenken, wie ansonsten Müll gespart werden kann. Ein kürzerer Kassenzettel wäre ein Ansatz.

Wo gibt es den längsten Kassenbon? Wir haben in einigen Ahauser Geschäften jeweils einen Artikel gekauft und geschaut, wo der Bon am längsten ausfällt. Es gibt große Unterschiede. Bei Action ist der Bon kurz und kompakt, ohne Werbung oder Ähnliches. Hellweg hingegen wirbt auf seinem 21 Zentimeter Bon für verschiedene Neuerungen, führt die Öffnungszeiten auf und stellt alles sehr übersichtlich mit viel Zwischenraum dar. Damit hat der Baumarkt einen doppelt so langen Bon wie Action.

Da stellen sich die Fragen, wer liest all diese Informationen, was muss zwingend auf dem Kassenbon stehen und geht es kürzer? Die Ahauser Unternehmer liefern Antworten.

Große Kassenbons sparen Müll

Christian Schmitz vom Gartenbau-Geschäft Hilgert findet: „Darüber könnte man kritisch nachdenken. So etwas wie die Neujahrswünsche nehmen wahrscheinlich die wenigsten wahr, zumal kaum jemand den Bon mitnimmt.“ Allerdings gibt er auch zu bedenken: „Wenn jemand den Beleg für die Buchhaltung braucht, freut er sich, dass der Bon übersichtlich und so groß ist, dass er sich einheften lässt.“

Anna Münzing, die bei Kaufland für die Unternehmenskommunikation verantwortlich ist, macht deutlich: „Der Kassenbon ist als Teil der Gesamtkommunikation ein effizientes Werbemittel, da er beim Einkauf ohnehin ausgedruckt wird." Das würde auch Müll sparen, weil ein Bon anders als Flyer, Prospekte und Handzettel nicht zusätzlich separat produziert werden muss.

EC-Kartenzahlungen verursachen Müll

Ein Ahauser Unternehmer, der namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt: „Das Umprogrammieren der Kassen ist außerdem sehr viel Arbeit." Der Geschäftsführer eines Modegeschäfts findet, anders als an der Länge des Bons sollte man lieber bei EC-Karten-Zahlungen etwas ändern. „Aktuell wird bei Kartenzahlungen für jeden Kunden zusätzlich ein Beleg ausgedruckt. Das Gleiche auch noch einmal für den Händler. Das heißt, es gibt bei Kartenzahlungen zwei Belege extra, die man einsparen könnte."

Das muss drauf stehen

Auf dem Kassenbon von Kaufland werden die gekauften Waren zusätzlich nach Produktgruppen sortiert. Das nimmt zwar mehr Platz ein, aber wird "von unseren Kunden sehr positiv aufgenommen", erklärt Anna Münzing. Kundenzufriedenheit spielt beim Aufbau des Kassenbons für die meisten Geschäfte eine große Rolle.

Verpflichtend muss der Kunde nach jedem Kauf auf seinem Kassenbon den Namen und die Anschrift des Geschäftes, die Umsatzsteuer-ID, eine Beschreibung der Ware und ihren Preis, eine separate Umsatzsteuerausweisung, sowie Datum und Uhrzeit finden können. Alles was darüber hinaus auf dem Bon steht, könnte eingespart werden und die Bons so kürzen.

Nachhaltige Alternativen

Den Bon zu kürzen, wäre ein Weg. Deutschlandweit gibt es aber zwei weitere umweltfreundliche Ansätze. Entweder ein Geschäft steigt auf einen kompostierbaren, umweltfreundlichen Öko-Bon um, oder man gibt seine Bons auf Wunsch digital aus. Der Kunde kann in diesem Fall den Bon über einen QR-Code auf sein Handy laden.

„Aktuell testen wir in einigen Filialen in Süddeutschland den ,smarten Pfandbon‘. Wenn der Test von unseren Kunden gut angenommen wird, können wir künftig in vielen Fällen vollständig auf Papier-Pfandbons umsteigen und das eventuell auf die Kassenbons übertragen“, erklärt Anna Münzing.

Beide umweltfreundlichen Alternativen sind allerdings in Deutschland noch nicht besonders verbreitet und mitunter auch teurer als der herkömmliche Kassenbon.

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