Wie die Firma Olbring mit Abwasser Geld macht

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Nicht mal Nachbarn wissen so ganz genau, was sich am Bocholder Esch 21 in Alstätte tut. Die optische Bescheidenheit der Firma Olbring steht aber im großen Kontrast zu ihren Handlungsfeldern.

Ahaus

, 03.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Olbring Systemtechnik GmbH ist die offizielle Bezeichnung des Unternehmens in Alstätte mit Geschäftsführer Andre Olbring (43) und den aktuellen Einsatzbereichen Abwassertechnik, Steuerungstechnik und Automatisierungstechnik. Den Grundstock dazu hatte 1996 Vater Alois gelegt und neben „klassischen“ Aufgaben wie Wartung von Heizungen und Wasseraufbereitung auch die Druckrohrentwässerung als neues Geschäftsfeld erschlossen.

Wie die Firma Olbring mit Abwasser Geld macht

Die Schalttechnik läuft auch bei Olbring heute digital. © Markus Gehring

Start mit Druckentwässerung

In den Außenbereichen hatten sich zu der Zeit mehr und mehr ländliche Bewohner neben Kleinkläranlagen auch für den Anschluss an die kommunalen Abwasserleitungen über Druckrohrleitungen entschieden. Der erste größere Auftrag und sozusagen der Einstieg in die weitere Firmenentwicklung war der Auftrag der Stadt Ahaus. „Da ging es um 500 Pumpwerke“, erinnert sich Sohn Andre. Zum Vergleich: Heute installiert, überwacht und repariert Olbring rund 10.000 Anlagen. Und das bis runter zum Niederrhein, bis hoch in den Norden, in Ostwestfalen, im Osnabrücker Land sowie im Ems- und im Münsterland.

Wie die Firma Olbring mit Abwasser Geld macht

Das Olbring-Team mit Geschäftsführer Andre Olbring (l.). © Markus Gehring

Grundlage dafür sind Wartungsverträge, die Reparaturservice und Notdienst mit einschließen. Rund 700 an der Zahl, zu 80 Prozent mit privaten Vertragspartnern. Nur in einigen Fällen wie in Steinfurt sind es die Kommunen.

Den Markt teilt sich Olbring mit drei bis vier anderen Anbietern. Aber, das betont der Geschäftsführer: „Der Markt ist satt.“

Pumpwerke für Kommunen und Industrie

Vermutlich war das der Impuls für die Weiterentwicklung des Unternehmens, dass man nach und nach ein Auge auf immer größere Abwasserpumpwerke warf. Hatten die ersten Anlagen eine Leistung von drei Litern pro Sekunde, fördern die neuen Goliaths 4500 Liter Abwasser in der Sekunde. Zuerst waren es Mehrfamilienhäuser, dann ganze Siedlungsbereiche und Industriegebiete, Flughäfen, Klärwerke. Auftraggeber sind Kommunen, der Landesbetrieb Straßen NRW, Entsorgungsbetriebe, Unternehmen. Die Referenzliste auf der Firmen-Homepage ist lang. Oft übernimmt Olbring auch die Regenklärung wie im Industriepark A 31 Ahaus-Legden oder im Gewerbegebiet Ahaus Ost.

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Ein wichtiger Teil des Olbring-Kerngeschäfts: Geschäftsführer Andre Olbring (r.) und Kollegen transportieren eine Hochleistungspumpe. © Markus Gehring

Einsatz am Flughafen

Andre Olbring macht das Aufgabengebiet an einem Beispiel deutlich: „Jeder Tropfen Wasser, der auf ein Rollfeld am FMO fällt, muss durch unsere Anlagen.“ Ein weiteres Vorzeigeprojekt: ein Riesenpumpwerk am Kamener Kreuz.

Bei Bedarf liefert Olbring das Komplettpaket, vom Schaltplan bis zur Inbetriebnahme. Die erforderlichen Maschinen werden eingekauft, die Rohrleitungen aus Edelstahl selbst angefertigt und die Schaltanlagen für das jeweilige Projekt passend installiert. Für kleinere Anlagen wird ein Tag gebraucht, für größere drei bis vier Wochen.

15 Mitarbeiter rundum die Uhr erreichbar

15 Mitarbeiter, darunter Schweißer, Elektriker, Monteure, ein Azubi und sieben voll ausgestattete Werkstattwagen im Elektrobereich sind für Olbring im Einsatz. Auch außerhalb der Dienstzeit und an den Wochenenden. Dank modernster Technik sei aber vieles einfacher geworden, sagt der Olbring-Chef: „Früher musste der Klärwerksmeister bei jeder Störung raus fahren, heute kann er vieles von zuhause aus regeln.“ Und: „Wir würden gerne mehr ausbilden und einstellen, aber die Industrie grast alles ab, da haben wir Kleine kaum Chancen.“

Wie die Firma Olbring mit Abwasser Geld macht

Die Schaltkästen werden für das jeweilige Projekt individuell zusammengebaut. © Markus Gehring

Weltweite Aktivitäten

Die Stärken des Unternehmens sieht er bei der „Prozess- und Leittechnik und der Flexibilität“. „Wenn es irgendwo brennt, dann müssen die Mitarbeiter eben auch schon mal zeitnah zum Niederrhein raus“, sagt Andre Olbring. Sozusagen als Subunternehmer sind die Alstätter bei den großen Schaltanlagen für die Industrie weltweit im Einsatz: in Honkong, Schweden, Finnland.

In der Branche habe man einen guten Namen, sind sich Andre Olbring und Kollege Christian Kruthoff, Ansprechpartner für Abwassertechnik, sicher. Dass das Unternehmen erfolgreich ist, zeigen volle Auftragsbücher und auch der Jahresumsatz von rund 3 Mio. Euro.

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