Hendrik Schulze-Ising, Finanzberater der Volksbank-Gronau Ahaus, erklärt, was bei einer Baufinanzierung zu beachten ist. © Johannes Schmittmann
Baufinanzierung

Wie finanziere ich mein Eigenheim? Fragen und Antworten im Überblick

Bauland ist rar, auch gebrauchte Immobilien gibt es in Ahaus kaum. Wer Glück hat, muss sich zwangsläufig mit einer anderen Frage beschäftigen: Wie finanziere ich das Ganze? Ein Überblick.

Gerade bei jungen Familien ist der Traum vom Eigenheim groß. Die Debatte rund um das Baugebiet Wüllen-Nord verdeutlichte einmal mehr, wie sehr die Nachfrage das Angebot übersteigt. Manchmal außer Acht gelassen wird dabei ein anderes Thema: die Baufinanzierung. Die Preise für Immobilien – egal ob Neu- oder Altbau – steigen und steigen. Hendrik Schulze-Ising, Kundenberater bei der Volksbank Gronau-Ahaus, gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mit welcher Summe muss ich rechnen, um ein Eigenheim – zum Beispiel Einfamilienhaus oder Doppelhaushälfte – zu finanzieren?

Eine wichtige Aufgabe für die Bauherren ist es, zunächst die Gesamtkosten zu berechnen. Dabei gilt es, verschiedene Positionen zu bestimmen. Hendrik Schulze-Ising zählt auf: Grundstückskosten, Notar, Baukosten, Grunderwerbssteuer, Außenanlagen, Architekt. „Gerade in der aktuellen Situation, in der viele Baustoffe deutlich teurer werden, ist dies nicht immer einfach zu ermitteln.“ Bei einem Einfamilienhaus fallen aktuell im Schnitt Gesamtkosten von rund 450.000 bis 500.000 Euro an. Bei einer Doppelhaushälfte sind es rund 350.000 bis 400.000 Euro. „Je nach Größe des Hauses, der Ausstattung oder der Grundstücksgröße können die Gesamtkosten höher oder niedriger ausfallen“, erklärte Schulze-Ising.

Nicht nur Neubauten werden immer teurer, sondern auch „gebrauchte“ Immobilien. Woran liegt das?

Ein Argument, das vor allem im ländlichen Raum immer wieder ins Feld geführt wird, ist die veränderte Lebenssituation der Menschen. Mehrgenerationenwohnen ist mittlerweile die Ausnahme. Wenn jede Familie ein eigenes Dach über dem Kopf haben möchte, steigt die Nachfrage. Hendrik Schulze-Ising sieht noch einen anderen Faktor: „Aufgrund der Niedrigzinspolitik suchen sich die Menschen andere Investitionsmöglichkeiten. Immobilien bieten sich natürlich an. Das treibt die Preise nach oben.“

Hier soll zeitnah das Baugebiet Wüllen-Nord Abschnitt II entstehen. Erste Gespräche über die mögliche Finanzierung eines dortigen Einfamilienhauses wurden bereits geführt, wie Hendrik Schulze-Ising berichtet.
Hier soll zeitnah das Baugebiet Wüllen-Nord Abschnitt II entstehen. Die Nachfrage ist riesig, auch an Beratung zur möglichen Finanzierung eines Eigenheims. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Stichwort Niedrigzinspolitik: Liegt das Geld tatsächlich „auf der Straße“, wie es manch einer aktuell gerne ausdrückt?

„Das würde ich so nicht ausdrücken, denn es gibt unverändert gewisse Voraussetzungen für eine Baufinanzierung. Nicht jeder kann einen Kredit über 400.000 Euro aufnehmen“, sagt Hendrik Schulze-Ising. „Aber in aller Regel versuchen wir, gemeinsam mit dem Kunden eine gute Lösung zu erarbeiten.“

Muss ich damit rechnen, dass die Zinsen in einigen Jahren stark steigen?

„Das ist eine schwierige Frage, da auch wir keine Glaskugel haben“, sagt Hendrik Schulze-Ising. Die Zinsen seien zwar in den vergangenen Jahren stark gesunken und ein Ende der Niedrigzinspolitik nicht abzusehen, aber dennoch rät die Volksbank ihren Kunden, sich vor steigenden Zinsen abzusichern. „Das ist unter anderem durch eine langfristige Zinsbindung – zum Beispiel 30 Jahre – möglich.“ Das sei am Ende auch eine Typfrage: Auf Nummer sicher gehen oder spekulieren?

Welche Rolle spielt das Eigenkapital, also das Ersparte?

Für die Hausfinanzierung eine sehr wichtige, wie der Volksbank-Mitarbeiter betont. „Je mehr Eigenkapital jemand mitbringt, desto weniger Kredit muss er aufnehmen.“ Damit verbunden fällt demnach auch die monatliche Kreditrate geringer aus oder die Laufzeit verkürzt sich. „Zudem sind die Kreditkonditionen günstiger, wenn ein Kunde Eigenkapital in die Finanzierung einbringen kann. Deshalb lohnt es sich, beispielsweise schon in der Ausbildung mit dem Sparen zu beginnen“, sagt Hendrik Schulze-Ising. Seine Beobachtung: „Im eigenen Haus zu leben, hat in unserer Region einen riesigen Stellenwert. Schon in frühen Jahren beschäftigen sich die Menschen mit dem Thema und sorgen vor.“

Wie viel Prozent des Einkommens sollte man für die Baufinanzierung aufbringen?

Die Volksbank Gronau-Ahaus rät dazu, maximal 35 bis 40 Prozent des monatlichen Haushaltsnettoeinkommens für die Tilgung des Kredits aufzubringen. „Die monatliche Rate begleitet den Kunden schließlich über viele Jahre“, erklärt Schulze-Ising. Das sei allerdings nur eine Faustregel, denn viele andere Faktoren spielen eine Rolle: Gibt es Rücklagen für den möglichen Nachwuchs und/oder die Hochzeit? Wann steht das neue Auto an? Welche Reserven braucht es für Urlaub und anderen „Luxus“? Das alles wird im Beratungsgespräch thematisiert.

Gibt es die Chance auf Förderungen?

Für den Neubau gibt es Fördermöglichkeiten bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese werden ab dem 1. Juli sogar verbessert. Bis zu 37.500 Euro sind je Wohneinheit im Topf, je nach Energiestandard. Für den maximalen Zuschuss bräuchte es ein Effizienzhaus der Klasse „40 plus“. „Außerdem kann man sich Riester-Zulagen und die Wohnungsbauprämie im Rahmen der Baufinanzierung sichern“, sagt Hendrik Schulze-Ising.

Was passiert, wenn ich – zum Beispiel durch eine Pandemie bedingt – plötzlich ein deutlich geringeres Einkommen habe?

Der Volksbank-Kundenberater kennt das Problem. „Im vergangenen Jahr hatten wir einige Gespräche mit unseren Kunden, die durch das Coronavirus starke Einkommensrückgänge hatten. Da haben wir jeweils individuelle Lösungen gefunden.“ Er empfiehlt, aktiv das Gespräch mit dem jeweiligen Berater zu suchen, um mögliche Lösungen zu prüfen.

Welche Unterlagen brauche ich, um eine Baufinanzierung zu beantragen?

„Damit wir ein Baufinanzierungsgespräch optimal vorbereiten können, benötigen wir zahlreiche Unterlagen vom Kunden“, erklärt Hendrik Schulze-Ising und nennt einige Beispiele: Kaufvertrag und Grundbucheintrag vom Grundstück; Einkommensnachweise und Belege über das einzubringende Eigenkapital; Informationen zum Bauvorhaben wie Grundrisse vom Haus und natürlich eine Kostenberechnung. Insgesamt gilt: Mit vollständigen Unterlagen beschleunigt sich der gesamte Prozess. „Außerdem erfolgt dann auch die Auszahlung des Geldes deutlich schneller“, erklärt Schulze-Ising.

Wie findet die Beratung aktuell statt?

„Wir richten uns nach dem Wunsch der Kunden“, sagt der Kundenberater. Da das eigene Haus ein wichtiges Ereignis im Leben ist, finden weiterhin viele Baufinanzierungsberatungen in der Bank statt. Zum Schutz vor Corona sind alle Räume mit Plexiglasscheiben ausgestattet. Per Luca-App ist die Kontaktverfolgung im Fall der Fälle problemlos möglich. „Auf Wunsch bieten wir aber auch digitale und telefonische Lösungen an.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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