Als einzige Schule aus Deutschland hatten 20 Schüler des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung Ahaus die Möglichkeit, einen Tag Mitglied des Europäischen Parlaments in Straßburg zu sein.

von Marie Epping

Ahaus

, 18.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Vielfalt geeint. Das ist das Motto der Europäischen Union (EU). Das erlebten nun auch 20 Schülerinnen und Schüler vom Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung Ahaus (BWV) aus nächster Nähe. Sie waren am vergangenen Wochenende die einzigen deutschen Teilnehmer bei der „Euroscola“ im Europäischen Parlament in Straßburg. Die Euroscola ist eine Veranstaltung für Schulen, bei der Schüler mehr über die europäische Integration erfahren können, indem sie sie selbst erleben.

Bei der jetzigen Euroscola waren insgesamt 23 Schulen aus den 27 Mitgliedsstaaten vertreten. Das BWV war dabei der deutsche Vertreter. Die Schüler durften sich bei der Veranstaltung für einen Tag als Mitglieder des Europäischen Parlaments fühlen.

Begrüßung durch Präsident des Europäischen Parlaments

„Herzlich Willkommen am Ort der europäischen Integration!“ So begrüßte David Sassoli, seit Mitte 2019 Präsident des Europäischen Parlaments, die über 600 Schüler aus ganz Europa. Der Italiener verdeutlichte in seiner Ansprache, wie wichtig es ist, in Europa Gelegenheiten zu schaffen, in denen diskutiert wird. „Die jungen Menschen sind die Zukunft der Europäischen Union“, so Sassoli. Die diesjährige Euroscola stand noch ganz im Zeichen des Brexits. Denn es war die erste Woche, nachdem die Sitze im Parlament von 751 auf 705 Sitze geschrumpft waren.

20 Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung besuchten das Europäische Parlament in Straßburg.

20 Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung besuchten das Europäische Parlament in Straßburg. © privat

In ihrer Rolle als Mitglieder des Europäischen Parlaments debattierten die Schüler über Migrationspolitik, Klimaschutz und die Zukunft Europas. Seit 2017 ist das BWV aus Ahaus Botschafterschule des Europäischen Parlaments. Das Projekt dient dazu, ein europaweites Netzwerk zwischen Schülern aufzubauen. In diesem Zuge durfte die Ahauser Schule an der Euroscola in Straßburg teilnehmen, die eigens für Botschafterschulen angeboten wurde.

Bevor es los ging, hatten die Teilnehmer die Chance, Marc Tarabella aus Belgien, Mitglied des Europäischen Parlaments, mit Fragen rund um die EU zu löchern. Gleich die erste Frage im überfüllten Plenarsaal des Parlaments stellte Johannes Aydin, Schüler des BWV aus Ahaus: „Was ist die größte Errungenschaft der Europäischen Union?“

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Die größte Errungenschaft, die die EU erreicht habe, sei die Freizügigkeit, betonte Marc Tarabella. Also das Recht der EU-Bürger, sich innerhalb der EU frei zu bewegen, seinen Wohnsitz und Arbeitsort zu wählen. Als weitere Errungenschaft nannte der Belgier die gemeinsame Währung. „Mit Ihrer Frage konnte ich die positiven Aspekte aufzeigen und das freut mich, denn dazu gibt es nicht häufig die Gelegenheit, weil oft Probleme im Vordergrund stehen“, erklärte Marc Tarabella am Ende seiner Antwort in Richtung von Johannes Aydin.

„Ich habe mich wirklich wie eine richtige Abgeordnete gefühlt.“

Diskutieren, debattieren und entscheiden durften die 600 Schüler an diesem Wochenende auch selbst. Sie erfuhren am eigenen Leib, wie in der EU Entscheidungen getroffen werden und wie mühselig zum Teil Verhandlungen sein können. In den Ausschüssen debattierten die Teilnehmer unter anderem über die Umwelt und erneuerbare Energien, Sicherheit und Menschenrechte, Migration und Integration und die Zukunft Europas. „Ich habe mich wirklich eine richtige Abgeordnete gefühlt“, sagte Delia Neacsu aus der Jahrgangsstufe 13. Auch Sophie Mört war fasziniert von der Multikulturalität der Euroscola.

Im Plenarsaal durften die Schüler ihre Fragen stellen.

Im Plenarsaal durften die Schüler ihre Fragen stellen. © privat

Delia Neacsu hatte außerdem die ehrenvolle Aufgabe, das BWV und Ahaus im Plenarsaal vorzustellen. „Ich habe dadurch so viel Selbstbewusstsein bekommen“ und trotzdem haben ich vor Nervosität geschwitzt“, sagte die Schülerin im Nachhinein. Für die Schüler war es eine einmalige Erfahrung dort zu stehen, wo auch die Politiker ihre Anliegen vortragen.

Auch Lehrerin Ulla Lenze profitiert vom internationalen Austausch

Für Lehrerin Ulla Lenze wurde vor allem die Vielfalt innerhalb Europas bei der Euroscola sichtbar. Vorgestellt hat sich jede Schule auf Englisch. Die Begrüßung fand aber in der Muttersprache statt. „Die über 20 verschiedenen Sprachen zeigen die kulturelle Vielfalt Europas und doch sind wir über das Englische wieder vereint“, so Ulla Lenze. Das Motto der EU „In Vielfalt geeint“ spiegele sich also auch auf der Euroscola wider.

Zudem sei es für dieSchüler eine einmalige Gelegenheit, sich mit anderen jungen Europäern auszutauschen. Die Meinungen, Ansätze und Ideen der Schüler werden nun auch den EU-Politikern vorgelegt. Die Euroscola dient also auch als Sprachrohr der jungen Europäer.

Marc Tarabella betonte zum Schluss der gelungenen Veranstaltung noch Mal wie wichtig es sei, den Frieden in Europa zu garantieren. Europa müsse gemeinsam Herausforderungen meistern, die die Einzelstaaten alleine nicht meistern könnten. Insgesamt war die Euroscola für die Schülerinnen und Schüler und auch für Ulla Lenze eine Chance, die sich nicht missen möchten. Die Koodinatorin der Internationalisierung am BWV fühlte sich in ihrem Credo bestärkt: „Ich liebe und lebe Europa.“

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