Ein aktueller Gesetzentwurf sieht vor, dass Unternehmen ihren Mitarbeiter jede Woche ein Schnelltest-Angebot müssen. © picture alliance/dpa
Kreis Borken

Wirtschaftsverbände schütteln Kopf über Testpflicht für Unternehmen

Unternehmen sollen ihren Mitarbeitern künftig regelmäßig ein Testangebot unterbreiten müssen. Die Kosten dafür sollen die Arbeitgeber tragen. Im Kreis Borken sorgt das für Kopfschütteln.

Obwohl das Bohren mit dem Wattestäbchen in Mund und Nase alles andere als angenehm ist, gehört für viele Menschen der Corona-Test mittlerweile zur Routine. Nicht nur die allerorts aus dem Boden schießenden Schnellteststationen sind stark frequentiert, sondern auch in vielen Unternehmen werden seit Wochen und Monaten regelmäßig Abstriche von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genommen. Egal ob bei der Augenklinik Ahaus, den Tobit-Labs, Lichtgitter in Stadtlohn, Schmitz Cargobull in Vreden oder zuletzt 2G in Heek.

Immer mehr Arbeitgeber ergreifen, mit Blick auf steigende Infektionszahlen und leichter verfügbare Tests, freiwillig die Initiative. Zum Schutz ihrer Mitarbeiter, aber auch, um wirtschaftlichen Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Denn mit den Tests sollen diejenigen „herausgefischt“ werden, die Corona-positiv sind, aber keine Symptome zeigen. Diejenigen sind für die Verbreitung des Virus besonders gefährlich, weil sie – zumindest ohne Test – nicht wissen, dass sie infiziert sind, trotzdem aber andere anstecken können.

Verpflichtendes Testangebot mindestens einmal pro Woche

Das Bundeskabinett rund um Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte nun aber von der Freiwilligkeit wegkommen. In einem Gesetzesentwurf heißt es, dass jedes Unternehmen in Deutschland allen Mitarbeitern verpflichtend ein Testangebot machen muss. Mindestens einmal pro Woche, in besonders sensiblen Bereichen sogar zweimal. Die Kosten hierfür sollen die Arbeitgeber tragen. Eine Unterstützung vom Staat gebe es nicht, betonte Finanzminister Olaf Scholz (SPD).

Was zu erwarten war, ist eingetreten: Unternehmerverbände laufen seit der Ankündigung Sturm. NRW-Landesgeschäftsführer Herbert Schulte vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) poltert: „Der Vorstoß zum Testzwang birgt bürokratischen und dokumentarischen Milliardenaufwand für die bereits hart getroffenen kleinen und mittleren Betriebe. Mit der Testpflicht wird wieder versucht, die Verantwortung für den gescheiterten, zentralistischen Ansatz von sich zu weisen.“

Lokale Wirtschaftsverbände schütteln den Kopf

Und auch im Kreis Borken schüttelt man über den Vorstoß den Kopf. Von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) und der Kreishandwerkerschaft heißt es zwar unisono, dass es sinnvoll sei, zur Bekämpfung der Pandemie auch in Unternehmen auf Schnelltests zu setzen. Allerdings wirbt man an beiden Stellen um mehr Vertrauen in die Arbeitgeber.

Daniel Janning, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, betont, dass es noch viele freie Praktikumsplätze gibt.
Daniel Janning, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, betont, dass es noch viele freie Praktikumsplätze gibt. © privat © privat

Daniel Janning, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft am Standort Ahaus, sagt: „Die allermeisten der rund 2000 Unternehmen, für die wir zuständig sind, bieten ihrem Personal sowieso schon regelmäßige Tests an. Warum muss man sie nun zwingen? Die Firmen haben ja auch ein eigenes Interesse daran, dass die Mitarbeiter gesund sind und es keinen Corona-Ausbruch in den eigenen Reihen gibt.“

„Eigeninitiative erhöht die Akzeptanz“

Dr. Daniel Schultewolter, Geschäftsführer der WFG Borken, stimmt Janning zu. „Die Unternehmen betreiben seit Beginn der Pandemie einen großen Aufwand, um Personal und Kunden zu schützen. Nun aber erneut von der Bundesregierung mit einem Gesetz vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, stößt vielen sauer auf.“ Es sei immer auch eine Frage der Kommunikation.

Dr. Daniel Schultewolter ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Borken.
Dr. Daniel Schultewolter ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Borken. © privat © privat

Noch klarere Worte wählt der WFG-Geschäftsführer, wenn es um die Kosten für die Schnelltests geht. „Es gibt auch im Kreis Borken Unternehmen, die von der Corona-Pandemie hart getroffen wurden. Dort gibt es finanzielle Einbußen, häufig ist Kurzarbeit angesagt. Dass der Bund diesen Betrieben für die Durchführung von Schnelltests nicht einmal Unterstützungsleistungen in Aussicht stellt, kann ich nicht nachvollziehen.“ Schultewolter kommt zu dem Fazit: „Die Arbeitgeber werden wieder mal allein gelassen.“

Kurios: Einen Zwang, als Arbeitnehmer das Testpflicht-Angebot des Unternehmens annehmen zu müssen, gibt es nicht.

Info:

  • Sollte ein Unternehmen Unterstützung beim Thema „Schnelltests“ benötigen, kann es sich an die WFG Borken wenden, Tel. (02561) 979990.
  • Die WFG vermittelt unter anderem Schulungen, damit im Unternehmen professionell Schnelltests durchgeführt werden können.
  • „Auch wenn es noch Probleme bei den Unterstützungsleistungen gibt, können sich die Firmen gerne an uns wenden“, sagt Daniel Schultewolter.
Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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