Matthias Kerkhoff (55) möchte Teile des Hofs Stilling-Kerkhoff erhalten. Er liegt mitten im geplanten Neubaugebiet Wüllen-Nord 2. Die Stadt Ahaus macht ihm da nicht allzu große Hoffnungen. Am Donnerstagabend entscheidet der Rat über die Zukunft der Fläche. © Stephan Rape
Kurz vor der Ratssitzung

Wüllen-Nord: Wüllener möchte alten Hof Stilling-Kerkhoff erhalten

Die Idee kommt in letzter Minute: Matthias Kerkhoff (55) möchte, dass der Hof Stilling-Kerkhoff erhalten bleibt, wenn das neue Baugebiet Wüllen-Nord 2 entsteht. Die Chancen stehen nicht gut.

Kurz vor der entscheidenden Ratssitzung macht der Wüllener Matthias Kerkhoff im Ringen um den zweiten Abschnitt des Baugebiets Wüllen-Nord eine neue Front auf: Bisher ging es nur um die Frage, ob die alten Kopfweiden am Rand des geplanten Gebietes für Baugrundstücke gefällt werden sollen oder nicht. Matthias Kerkhoff möchte nun auch den alten Hof Stilling-Kerkhoff dort erhalten.

Ahauser Rat diskutiert am Donnerstag über das Baugebiet

Die Sitzung des Rates beginnt am Donnerstag, 25. Februar, um 18 Uhr in der Stadthalle Ahaus. Der zweite Abschnitt des Baugebiets Wüllen-Nord kommt gleich in mehreren Tagesordnungspunkten zur Sprache. Die Sitzung ist öffentlich. Wegen der Einschränkungen durch das Coronavirus sind die Zuschauerplätze allerdings begrenzt.

„Mein Großvater stammt von diesem Hof“, sagt der 55-jährige Lehrer am Mittwochabend vor Ort gegenüber unserer Redaktion. In seinen Augen sei es ein Frevel, den Hof einfach abzureißen und mit Einfamilienhäusern zu bebauen.

„Andere historische Gebäude wie die Quantwicker Mühle oder der Spieker sahen ja auch nicht gut aus, bevor sie saniert wurden“, erklärt er mit Blick auf den Zustand der Gebäude.

Jahrhundertealtes Holzständerwerk noch völlig intakt

Der Kern sei jedoch völlig intakt – genau wie das jahrhundertealte Holzständerwerk in seinem Innern. Der Hof stehe dort seit der Zeit des 30-jährigen Kriegs und sei auch einer der ältesten Höfe des Ortes, die urkundlich erwähnt werden. „Wir müssen das Erbe des Dorfes erhalten“, so Matthias Kerkhoff.

So sah der Hof in einem Winter vor Jahrzehnten aus Richtung Kaikhoffs Weg noch aus. Inzwischen wurde er zigfach umgebaut. Einen Wert als Denkmal habe er nicht, erklärt Thomas Hammwöhner, Technischer Beigeordneter der Stadt Ahaus.
So sah der Hof in einem Winter vor Jahrzehnten aus Richtung Kaikhoffs Weg noch aus. Inzwischen wurde er zigfach umgebaut. Einen Wert als Denkmal habe er nicht, erklärt Thomas Hammwöhner, Technischer Beigeordneter der Stadt Ahaus. © privat © privat

Erst einmal geht es ihm um den Erhalt der alten Hofstelle. Abreißen könne man schließlich nur einmal. Sein Wunsch wäre, den alten Hof zu erhalten und in einen öffentlichen Raum umzugestalten. „Ein Bürgerhaus oder ein kleines Café“, sagt er. So etwas fehle in Wüllen komplett. Auch eine Verlegung des Festplatzes an diese Stelle oder genossenschaftliche Modelle zur Nutzung wären für ihn denkbar.

Idee wird erst kurz vor der Ratssitzung öffentlich

Ihm ist klar, dass er mit seiner Idee extrem spät dran ist. Am Donnerstagabend soll schließlich der Rat der Stadt Ahaus über die Planungen entscheiden. „Es ist praktisch eine Minute vor Zwölf“, erklärt er selbst. Doch von den Planungen habe er selbst eher zufällig erfahren. Sein Bruder, der als Jurist in Hamm lebt, habe ihn auf die Petition gegen die Fällung der Weiden hingewiesen. Erst dadurch sei er auf die Pläne für das zukünftige Baugebiet gestoßen.

Auch er habe sich anfangs gegen die Baumfällung engagiert. „Dabei ging es mir aber zu sehr nur um Naturschutz und zu wenig um den Hof“, erklärt er. Er sieht in seinen Bestrebungen auch kein weiteres Argument für den Schutz der Bäume. „Das sind zwei unabhängige Baustellen“, sagt er.

In seinen Augen würden auch ohne die Hofstelle genügend Grundstücke entstehen. Wenn nicht in Wüllen-Nord, dann in anderen geplanten Gebieten oder anderen Ortsteilen.

Stadt stuft alten Hof nicht als erhaltenswert ein

Für Thomas Hammwöhner, Technischer Beigeordneter der Stadt Ahaus, ist der Hof bisher nicht erhaltenswert. Die Gebäude auf der alten Hofstelle würden in jedem Fall abgerissen – egal für welche Variante der Planung sich der Rat am Donnerstagabend entscheide.

Bisher sei das Anliegen, den Hof zu erhalten auch noch nicht diskutiert worden. „Weder durch die Politik noch durch den Denkmalschutz“, sagt er. Einzig Matthias Kerkhoff habe sich vor einiger Zeit mit der Frage an die Stadt gerichtet. Allerdings sei der Hof weder in der Denkmalliste noch in einer Vormerkliste aufgeführt. Matthias Kerkhoff werde seine Idee aber in der Ratssitzung wohl noch einmal als Anwohnerfrage vorbringen.

Bisher keine Anregungen für einen Erhalt des Hofes

Auch durch die bisherige Offenlage der Planungen seien keine weiteren Anregungen in dieser Richtung eingegangen. „Wir halten den Hof nicht für eine erhaltenswerte Bausubstanz“, macht er ganz deutlich. Daher sei der Hof bisher auch nicht in den Planungen gesichert worden.

Die angedachten neuen Nutzungen seien sicherlich eine gute Idee, allerdings gebe es dafür bisher keine Interessenten. Die Stadt könne an dieser Stelle nicht tätig werden.

Wie viele Grundstücke wegfallen würden, falls man den Hof erhalten würde, kann er nicht genau beziffern. „Die Fläche ist bisher für die Tiny-Houses vorgesehen“, erklärt er gegenüber unserer Redaktion.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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