Josef Hueske kümmert sich seit 27 Jahren um die Blumenkästen an der Brücke über den Ottensteiner Ölbach. Unbekannte haben die Blütenpracht nun mutwillig zerstört. Es war nicht das erste Mal.

Ahaus

, 05.06.2019, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein trauriger Anblick: Die bunten Blumen, die einst das Brückengeländer an der Kettelerstraße zierten, liegen nun verstreut unten im Ölbach. Der Bach führt zurzeit kaum Wasser, Gras und Schilf überwuchern das Rinnsal, in das Unbekannte die magentafarbenen Streichholzfuchsien und den weißen Männertreu geworfen haben.

Josef Hueske blickt über das Brückengeländer hinab in die Tiefe. 14 Tage lang hat er sich liebevoll um die Blütenpracht gekümmert. Jetzt ist alles zerstört. Er ist traurig – auch, weil das hier nicht zum ersten Mal passiert ist. „Drei Jahre ist das mal gutgegangen und jetzt…“, sagt der Rentner kopfschüttelnd und zeigt auf die verwaisten Blumenkästen, in denen nur noch braune Erde ist.

Täter bleiben unerkannt

„Diese Brutalität, wie jetzt gleich die ganze Seite abzuräumen, das war noch nie vorher“, sagt Josef Hueske fassungslos. Wer die Täter sind, die eine solche Verwüstung angerichtet haben, kann er nur vermuten. Übermütige Kinder oder gedankenlose Betrunkene? Merkwürdig sei auch, dass nur eine Seite der Brücke das Ziel der Vandalen war.

Der Pensionär wohnt direkt neben der Brücke und übernimmt seit 27 Jahren ehrenamtlich in den Sommermonaten die Pflege der Kästen auf beiden Seiten der Brücke. Zwei bis drei Mal pro Woche wässert er die Pflanzen. „Das sind auf jeder Seite immer vier bis fünf Kannen voll, so läppert sich das“, erklärt Hueske.

Wasser aus dem Ölbach

Hunderte Liter Wasser schleppt der Ottensteiner so zu den Blumenkästen – und er macht es gerne, weil die bunten Tupfen im Straßenbild ihm Freude bereiten. Wenn er selbst verhindert ist, übernimmt Nachbar Josef Schnell diese Aufgabe.

Das Wasser für die Blumenkästen holt der Mann direkt aus dem angrenzenden Ölbach. Denn auch die Wasserpumpe am Wegesrand hat er selbst installiert. „Die wird im Frühjahr aufgebaut und im Herbst wieder abgebaut. Dann lagere ich die über Winter in meinem Keller, arbeite sie ein bisschen auf und im nächsten Jahr kommt sie wieder dran“, sagt Josef Hueske stolz.

Zerstörungswut trifft Fuchsien und Männertreu

Der Blick über das Geländer zeigt: Die Täter haben die Blumen von der Brücke geworfen. © Anna-Lena Haget

Im Jahr 1992, zum 700-jährigen Ortsjubiläum, seien die Kästen angebracht worden, erinnert sich der ehemalige Metallbauer. „Die Halterungen habe ich damals noch selbst hergestellt. Wenn man sich ein bisschen damit auskennt, ist das ja kein Problem“, sagt Josef Hueske.

Stefan Hilbring von der Stadt Ahaus kann ebenfalls nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die ihre Wut an Pflanzen auslassen. Für die Stadt bedeutet dies jedes Mal einen kleinen, wirtschaftlichen Schaden. „Die Blumenkästen zu bepflanzen, kostet 500 Euro“, gibt Hilbring zu bedenken. Er sagt aber auch: „Das ist passiert, und in Ottenstein jetzt zwei Mal in drei Wochen. Aber dieser Vandalismus ist kein Trend“.

Stadt schätzt ehrenamtliche Arbeit

Die Mitarbeiter des Baubetriebshofs der Stadt haben die Kästen inzwischen neu bepflanzt, diesmal unter anderem mit leuchtend roten Geranien. „Natürlich kümmert sich auch der Baubetriebshof darum, dass die Pflanzen genug Wasser bekommen“, sagt er. Aber die Stadt wisse auch die Hilfe von Freiwilligen wie Josef Hueske zu schätzen. „Wenn Leute ehrenamtlich Gutes tun, ist das eine gute Sache“, so Hilbring.

Auf Josef Hueske ist Verlass. Denn trotz der Rückschläge in seiner ehrenamtlichen Arbeit lässt er sich nicht entmutigen. „So Gott will, möchte ich das noch 25 Jahre machen“, sagt der Ottensteiner Blumenfreund.

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