Mit zwei Kilogramm Marihuana für Rockergang an der Grenze erwischt

hzAmtsgericht

In Ahaus-Alstätte wurden drei Männer erwischt, die zwei Kilogramm Marihuana aus Enschede ins Sauerland schmuggeln wollten. Die Hintermänner sollen in einer Rockergang zu finden sein.

Ahaus

, 28.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit zwei Wagen überquerten drei Männer aus dem Sauerland in der Nacht vom 17. auf den 18. Dezember die niederländische Grenze und wurden in Ahaus-Alstätte vom Zoll angehalten. Die Kontrolle brachte in einem Fahrzeug zwei Kilogramm Marihuana sowie zwei Messer zum Vorschein.

Das hatte am Dienstag ein Nachspiel vor dem Ahauser Amtsgericht. Der Prozess machte deutlich, dass sich die drei Verteidiger der Angeklagten zuvor nicht besprochen hatten. Während einer der Angeklagten voll geständig war, schwieg der andere und der Dritte wollte von nichts gewusst haben.

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Gleich zu Beginn stellte der Staatsanwalt klar: „Letztendlich kann sich nur noch ein Geständnis strafmildernd für Sie auswirken.“ Dem leistete zunächst nur der 34-Jährige aus Balve Folge.

Der geständige Organisator des Drogenschmuggels verbrachte bereits die vergangenen sechs Monate in Haft. Dementsprechend wurde er im Gericht von zwei Beamten der JVA flankiert. Auch seine Eltern verfolgten den Prozess.

„Die Vorwürfe sind zutreffend und er nimmt die gesamte Verantwortung auf sich“, ließ der Verteidiger des 34-Jährigen verlauten, der sich selbst einsichtig zeigte: „Was ich getan habe, war ein großer Fehler.“

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Der mehrfach vorbestrafte Balver sei nach einer Therapie lange drogenfrei geblieben und habe den Versuchungen aus seinem alten Bekanntenkreis lange widerstanden. Doch Arbeitslosigkeit und Geldnöte hätten ihn zu der neuerlichen Straftat verleitet.

Vermittlung zwischen Rockergang und Drogenhändler

Für den Ableger einer Rockergang habe er demnach einmalig ein Drogengeschäft abwickeln wollen – um an schnelles Geld zu gelangen und seine Kontakte zu vermitteln, damit er sich aus dem Drogenhandel zurückziehen könne, wie der 34-Jährige erklärte: „Ich bin irgendwann in die Verlegenheit gekommen, diese Vermittlung zu arrangieren.“

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Der Plan des 34-Jährigen: Seinen Kontaktmann in Enschede treffen, das Marihuana entgegennehmen und ins Sauerland zur Rockergang bringen. Da er keinen Führerschein besitzt, brauchte er allerdings einen Fahrer.

Hier kommt der 46-Jährige Arnsberger ins Spiel, der laut eigener Aussage nur eine flüchtige Bekanntschaft sei und nichts von dem Drogenhandel wusste: „Es ging ja nur darum, etwas mit einem seiner Kollegen in Enschede zu erledigen.“ Vom zweiten Fahrer habe er nichts gewusst.

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„Und wozu brauchten Sie dann noch den zweiten Wagen mit dem zweiten Fahrer?“, wollte der Richter vom Anstifter des Schmuggels wissen und verwies auf den dritten, schweigsamen Angeklagten. „Weil ich nicht selbst mit dem Gras im Auto erwischt werden wollte.“ Wie der Organisator erklärte, handelte es sich beim schweigenden 24-Jährigen um einen in Drogenkreisen bekannten Kurier.

„Ich halte Ihre aktuelle Taktik für fatal“, wandte sich der Staatsanwalt an die Verteidigung des Kuriers, in dessen Wagen sich sowohl das Marihuana als auch die beiden Messer befanden. „Ich denke darüber nach, hierin keinen minderschweren Fall mehr zu sehen, sondern ihn ans Landgericht weiterzugeben und einen Haftbefehl für Ihren Mandanten zu stellen.“

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Die Verteidigung beantragte eine Pause, in deren Anschluss der Angeklagte nun doch aussagte. Demnach handelte es sich um eine spontane Fahrt, auf der der 34-jährige Anstifter in Enschede Geld abholen wollte. Vom zweiten Fahrer will der 24-Jährige nichts gewusst haben, obwohl er selbst alleine fuhr.

„Die Geschichte macht doch keinen Sinn“

„Die Geschichte macht doch keinen Sinn“, befand der Richter, und auch der Staatsanwalt blies in dieses Horn: „Das passt nicht einmal ansatzweise zu dem, was die anderen hier ausgesagt haben. Dieser unglaubhafte Blödsinn schadet Ihnen, da hätten Sie genauso gut weiter schweigen können.“

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Im Laufe des Prozesses häuften sich sowohl die Ungereimtheiten als auch die Zweifel an der Leichtgläubigkeit der beiden Fahrer, was die Verteidiger dazu veranlasste, die Trennung des Verfahrens zu beantragen. Richter und Staatsanwaltschaft gaben dem Antrag statt.

Im Fall des 46-Jährigen sollen die Ergebnisse einer DNA-Analyse abgewartet werden. Diese sollen klären, ob er mit dem Drogenpaket in Kontakt kam. Ob der 24-Jährige voll schuldfähig ist, soll ein Gutachter klären.

Der Angeklagte aus Balve blieb weiterhin geständig. Seinen Kontaktmann in Enschede nannte er, wohl wissend, dass es sich um einen Decknamen handle, wie der Staatsanwalt annahm.

Hintermänner bleiben unbekannt

Die Hintermänner aus der Rockergang gab der Angeklagte allerdings nicht preis. Aus Sorge um seine noch junge Familie. Die Geburt seines Sohnes hat er im Gefängnis verpasst, Kontakt gab es bisher nur über Videochats. „Ich will einem geregeltem Leben nachgehen, für meinen Sohn, meine Frau und meine Eltern“, erklärte der 34-Jährige, den Tränen nahe.

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Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Sein Geständnis sei ihm zwar zu Gute gekommen, allerdings verbüßt er aktuell noch zwei laufende Bewährungsstrafen. Ihm wird jedoch die Möglichkeit zur Therapie geboten. Der aktuelle Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt. Die Zeit bis zum erneuten Haftantritt kann der 34-Jährige also daheim bei seiner Familie verbringen. Noch im Saal dankte die Mutter dem Gericht.

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