Bernhard Kaute Isfort (44), Inhaber von Zweirad Kestermann, blickt fröhlich in die Zukunft: Zum Jahreswechsel möchte er die neuen Geschäftsräume an der Schorlemer Straße eröffnen. Das alte Geschäft an der Bahnhofstraße besteht allerdings fort – mit einem speziellen Sortiment. © Stephan Rape
Neues Ladenlokal

Zweirad Kestermann vergrößert sich Ende 2021 an neuem Standort

Seit 1930 gibt es Zweirad Kestermann an der Bahnhofstraße. Doch das Unternehmen braucht dringend mehr Platz. Den hat es jetzt gefunden. Ein Umzug innerhalb von Ahaus steht an.

Zweirad Kestermann ist aktuell noch ein Fahrradgeschäft, wie man es von früher kennt: Dicht gestaffelt stehen die Räder nebeneinander. An den Wänden und in Regalen türmen sich Zubehör- und Ersatzteile. Die Gänge zwischen den Rädern sind eng. Um ein einzelnes Rad auszuprobieren, müssen erst zwei andere an die Seite gestellt werden.

600 Quadratmeter Verkaufsfläche hat das Unternehmen an der Bahnhofstraße. „Das reicht hinten und vorne nicht mehr“, sagt Inhaber Bernhard Kaute Isfort. Er steht gerade in einem schmalen Durchgang zwischen Trekkingrädern, Mountainbikes, Reiserädern und E-Bikes.

Neue Räume an der Schorlemerstraße

Diese Enge soll bald vorbei sein. Denn Zweirad Kestermann bezieht gegen Ende des Jahres neue Räume: An der Schorlemerstraße eröffnet das Unternehmen in einem ehemaligen Möbelgeschäft einen neuen Laden.

Der ehemalige Möbelmarkt an der Schorlemerstraße muss grundlegend saniert und umgebaut werden. Dann soll dort Zweirad Kestermann mit einem komplett neuen Ladenkonzept eröffnen.
Der ehemalige Möbelmarkt an der Schorlemerstraße muss grundlegend saniert und umgebaut werden. Dann soll dort Zweirad Kestermann mit einem komplett neuen Ladenkonzept eröffnen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Dort hat Zweirad Kestermann dann 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. „Also gar nicht so viel mehr“, sagt Bernhard Kaute Isfort. Auch sollen dort nicht mehr Fahrräder ausgestellt werden als bisher. Trotzdem: Ein Blick auf die Entwürfe für den Innenraum verrät es sofort.

Mit dem alten Geschäft ist der neue Laden nicht zu vergleichen: hohe Decken, separate Bereiche für verschiedene Marken oder Zubehörteile, großzügige Flächen zwischen den einzelnen Bereichen, mehr Licht. In etlichen Skizzen präsentiert sich ein modernes, helles Fahrradgeschäft.

Fahrrad als Statussymbol: Präsentation wird enorm wichtig

Und diese Präsentation sei enorm wichtig geworden. Denn das Fahrrad habe sich eben auch vom reinen Fortbewegungsmittel hin zum Statussymbol entwickelt. „Die Menschen sind bereit, deutlich mehr Geld für ihr Fahrrad auszugeben. Egal ob mit oder ohne E-Motor“, erklärt er. Entsprechend müssten die Räder im Geschäft präsentiert werden. Am alten Standort gebe es dafür aber keine Chance.

Die Entwürfe zeigen, wie Zweirad Kestermann sich am neuen Standort aufstellen will: Der Schwerpunkt liegt auf der Präsentation von Rädern und Zubehör. Am Sortiment soll sich nicht viel verändern.
Die Entwürfe zeigen, wie Zweirad Kestermann sich am neuen Standort aufstellen will: Der Schwerpunkt liegt auf der Präsentation von Rädern und Zubehör. Am Sortiment soll sich nicht viel verändern. © Decoproject © Decoproject

„Wir haben seit Jahren die Augen nach neuen Geschäftsräumen offengehalten“, sagt Inhaber Bernhard Kaute Isfort (44). Dass es nun gerade diese Immobilie geworden ist, sei schon fast ein Zufall gewesen.

Neuer Standort bietet nur Vorteile

Doch dort passe alles zusammen: Verkaufsfläche, Parkplätze direkt vor der Tür, die Lage unmittelbar am Ortseingang und weitere Flächen: Denn auch in der bisherigen Werkstatt und bei der Reparaturannahme sei es aktuell extrem beengt. Auch die Lagerflächen reichen hinten und vorne nicht. „In den neuen Räumen haben wir alles auf einer Ebene und an einem Standort“, sagt er. Insgesamt stehen dort 3000 Quadratmeter zur Verfügung.

Gerade für die Werkstatt sei das sehr wichtig. Denn neben dem aktuellen Boom auf dem Fahrradmarkt beobachtet Bernhard Kaute Isfort schon seit 20 oder 25 Jahren, dass Wartung und Service ein immer größerer Geschäftsanteil werden. „Die Kunden kommen auch mit kleineren Reparaturen heute schneller in die Werkstatt als früher“, sagt er. Und dann komme ja der E-Bike-Bereich dazu: Die würden noch weniger Kunden selbst reparieren.

Allein für Zweirad Kestermann steht eine deutlich sechsstellige Investition im Raum. Genaue Zahlen möchte Bernhard Kaute Isfort in der Öffentlichkeit allerdings nicht nennen.

Spezialisierung und Ersatzteile im alten Ladenlokal

Mit dem Umzug wird aber der alte Standort an der Bahnhofstraße nicht aufgegeben. Dort will das Unternehmen zukünftig Lastenräder und Räder für Menschen mit Handicap anbieten: spezielle Modelle mit drei oder vier Rädern. Auch Ersatzteile soll es dort weiter geben. Schließlich hat der Standort auch Tradition: Seit 1930 gibt es das Unternehmen dort.

16 Mitarbeiter hat Bernhard Kaute Isfort. Mit dem neuen Standort werden auch wohl noch ein paar dazu kommen, das sei aber noch Zukunftsmusik.

Der alte Standort an der Bahnhofstraße besteht weiter: Dort setzt Bernhard Kaute Isfort auf Lastenräder sowie Drei- und Vierräder für Menschen mit Handicap.
Der alte Standort an der Bahnhofstraße besteht weiter: Dort setzt Bernhard Kaute Isfort auf Lastenräder sowie Drei- und Vierräder für Menschen mit Handicap. © Stephan Rape © Stephan Rape

Klar ist für ihn aber schon, dass sich am Sortiment nicht viel verändern werde – von der Spezialisierung am alten Standort einmal abgesehen: „Wir wollen weiter eine große Bandbreite vom Kinderrad über Trekkingräder und Mountainbikes bis hin zum E-Bike anbieten“, sagt er. Denn gerade um die letztere Gruppe komme man im Handel heute einfach nicht mehr herum.

Sortimente werden vielfältiger

Doch die einzelnen Sortimente werden eben auch vielfältiger: Als Beispiel nennt er Mountainbikes. „Die gab es früher mit einer Rahmengröße: 26 Zoll“, sagt er. Die gebe es heute kaum noch. Dafür biete er Räder mit 27,5 und 29 Zoll an. Also muss er mehr unterschiedliche Räder vorhalten als früher.

Vor allem die Werkstatt und das Lager sollen in den neuen Räumen mehr Platz bekommen. Die Verkaufsfläche wird lediglich von 600 auf 800 Quadratmeter vergrößert. Insgesamt sollen die neuen Geschäftsräume allerdings 3000 Quadratmeter groß werden.
Vor allem die Werkstatt und das Lager sollen in den neuen Räumen mehr Platz bekommen. Die Verkaufsfläche wird lediglich von 600 auf 800 Quadratmeter vergrößert. Insgesamt sollen die neuen Geschäftsräume allerdings 3000 Quadratmeter groß werden. © Stephan Rape © Stephan Rape

Zwar rechne er schon länger damit, dass der Markt demnächst gesättigt sei. Doch einerseits gehe die Entwicklung immer weiter, andererseits wachse mit der Zahl der E-Bikes eben auch die Nachfrage nach Service. „Auch wenn die Verkaufszahlen vielleicht in ein oder zwei Jahren langsam zurückgehen werden, der Boom in der Werkstatt wird bleiben“, da ist er sich sicher.

Und dann bekämen eben auch die Lastenräder immer mehr Bedeutung. Aktuell noch als Familienfahrzeug für den Transport der Kinder. Aber auch erste Handwerker hätten bei ihm bereits Lastenräder für ihre Betriebe gekauft. Auch diese Entwicklung werde wohl noch weitergehen. Schließlich gibt es für Lastenräder ja auch Zuschüsse – nicht nur von der Stadt Ahaus.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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