Familie Schulz lebt auf einer Ranch für Westernpferde - da packen alle mit an. © Stefan Milk
Bergkamener Unternehmen

Auch die Sunray Ranch spürt die Corona-Krise deutlich

Seit 30 Jahren existiert die Ranch, seit 25 Jahren das Speiselokal Sunny`s Tränke. Corona bedeutet für den Lebenstraum von Familie Schulz eine echte Zäsur. Doch der Familienbetrieb boxt sich durch.

Der Notartermin war am 15. April 1991. Damals wurde in den Analen eines Bauernhofes an der Overberger Straße ein neues Kapitel begonnen. Denn Albert Schulz kaufte den Hof von Helga Brandt und hatte eine Vision: Er wollte einen Westernreitstall mit Zucht, Reitbetrieb, Pferde-Ausbildung und Pensionspferden eröffnen.

Aus Traum wurde Realität

30 Jahre später ist all das kein Traum mehr, sondern mit der Sunray Ranch Realität geworden. Etwa 60 Pferde leben dort aktuell, vom Fohlen bis zum Turnierpferd. Mit Sunny`s Tränke gibt es seit 25 Jahren auch ein gut gehendes Restaurant und in einer kleinen Sattelstube können Pferdefreunde alles finden, was sie rund ums Reiten benötigen. Die nächste Generation arbeitet längst im Familienbetrieb mit – und ohne Corona wären wohl auch Bauarbeiten im Gange.

Restauration läuft auf Sparflamme

Doris Schulz kann derzeit zwar keine Gäste im Lokal bewirten, aber immerhin tageweise einen Außer-Haus-Betrieb bieten.

„Das deckt die laufenden Kosten“, sagt Albert Schulz – und denkt dabei mitfühlend schaudernd an all jene, die monatlich zwei- bis dreitausend Euro Pacht zahlen müssen. „Das ist doch über so einen langen Zeitraum des Stillstandes nicht zu schaffen“, sagt Schulz.

Doris Schulz in der Küche des Restaurants Sunny`s Tränke: Das Salatdressing ist ein Geheimrezept. © Stefan Milk © Stefan Milk

Erweiterung auf Eis gelegt

Auf einem Hof, wo nicht nur vier Generationen zusammenleben, sondern auch zusammenhalten, sei Vieles einfacher. Wobei auch Albert Schulz froh ist, bei seinen jüngsten Plänen nicht schon ein Stückchen weiter gewesen zu sein. Denn an sich hatte Schulz die Sunray Ranch, die nach seiner ersten Stute „Sunray in May“ benannt wurde, erweitern wollen.

Albert Schulz und seine Kinder Albert jr. und Ann-Katrin. „Sie konnten eher reiten als Radfahren“, sagt der Vater lachend. Beide arbeiten auf der Ranch mit. © Stefan Milk Stefan Milk © Stefan Milk Stefan Milk

„Wir wollten eine zweite Reithalle bauen und an der Seite zusätzliche Boxen, um noch unabhängiger zu sein“, erklärt Schulz – doch mit Corona wurden diese Pläne ad acta gelegt. „Es hat nun eine Generation gearbeitet, um die Erst-Investition abzubezahlen. Ich bin froh, dass wir derzeit nicht noch weitere Kosten am Bein haben“, sagt er ehrlich. „Mit Pferden Geld zu verdienen ist tatsächlich schwierig“, sagt er ernst – und hat ein passendes Sprichwort auf den Lippen: „Mit Pferden kann man ein kleines Vermögen machen, wenn man vorher ein großes hatte.“

Rückblickend kein Bedauern für Entscheidung

An sich habe er damals geglaubt zu wissen, worauf er sich einlassen würde, sagt Schulz. „Ich war mir aller kommenden Pflichten bewusst. Das war eine Lebensaufgabe. Aber was man sich hier tatsächlich antut, war mir nicht so ganz bewusst“, gesteht er lachend. Im Rückblick bedauert er das aber nicht. „Wir hätten es sicherlich einfacher haben können“, sagt er und seine Frau nickt laut lachend. „Das ist hier viel körperliche Arbeit. Wir hätten es auch finanziell 1000 Mal besser haben können, wenn wir es nicht gemacht hätten.“ Aber er sei glücklich. „Ich möchte das alles nicht missen. Wer kann denn schon so leben wie ich?“

Mehrere Standbeine bieten gewisse Sicherheit

Albert Schulz ist einer von nur drei Westernreit-Pionieren, die mit ihrer Idee vom eigenen Westernreit-Betrieb bis heute überlebt haben. Das hat er auch der Tatsache zu verdanken, dass er von Anfang an auf mehrere Standbeine setzte: Zum einen ist da natürlich die Pferdezucht. Aus den fünf Pferden, mit denen er aus Werne kam, wurden fünf eigene Zuchthengste und sechs bis sieben eigene Stuten, hinzu kommen Fremdpferde. „Weit über 100 Fohlen kamen hier zu Welt“, sagt Schulz – und 90 Prozent davon bildete er selbst zu Westernreitpferden aus. Die Nachzucht holte Europa- und Deutsche-Meister-Titel. „Wir haben uns hier schon einen guten Namen gemacht“, sagt Schulz nicht ohne Stolz. Das Training der Pferde wurde daher zu einem zweiten Standbein.


Ausbildung von Pferd und Reiter

Doch nicht nur die Ausbildung von Pferd, sondern auch von Reiter gehört auf der Sunray Ranch dazu. Rein privatwirtschaftlich organisiert funktioniert der Reitbetrieb mit Schulpferden oder dem eigenen Tier der Reiter. Hinzu kommt, das Schulz und seine Tochter auch selbst Fremdpferde unter den Sattel nehmen, um mit diesen zu arbeiten. Gerade das wurde in Corona-Zeiten intensiviert, denn der Schulbetrieb musste zum Teil komplett eingestellt werden. Völlig weggebrochen sind Wochenendkurse. „Dieses Einkommen fehlt komplett“, sagt Schulz mit Blick auf die laufenden Kosten für den Unterhalt der eigenen Pferde. „Derzeit dürfen wir zumindest Einzelunterricht im Freien geben“, sagt Schulz. Das bindet zwar Zeit und bringt wenig Einkommen – aber es ist eine Möglichkeit, den Kontakt zu halten.

Das gesellige Westernleben fehlt

Nicht zuletzt ist die Sunray Ranch auch ein Pensionsstall, bei dem Pferdebesitzer ihre Tiere unterstellen können. „Wir verstehen uns da als Dienstleister“, sagt Albert Schulz. Wenn der Hufschmied oder der Tierarzt zum Impfen kommt oder das Füttern ansteht, dann erledigen Albert Schulz und Tochter Ann-Katrin, inzwischen Pferdefachwirtin und Trainerin, die Arbeit. Was aber wirklich fehlt, sind die Turniere mit Westen-Flair und familiärer Stimmung. „Denn das macht das Westernreiten so besonders“, sagt Schulz.

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