Dieser Mann möchte, dass Tiere ein artgerechtes Leben haben, bevor sie auf den Schlachthof kommen: Christoph Dahlmann ist Geschäftsführer der Betriebe Neuland und Biofleisch auf der Öko-Station in Bergkamen-Heil. © Stefan Milk
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Keine Tierquälerei: Fleisch aus artgerechter Haltung auf der Öko-Station

Der Tierquäler-Skandal bei der Firma Mecke wirft ein schlechtes Licht auf die Fleischbranche. Auf der Öko-Station gibt es zwei Betriebe, die Fleisch verarbeiten, aber das Tierwohl im Auge behalten.

Wenn die Rinder, Schweine und Schafe in den Zerlegebetrieb auf der Ökologie-Station in Heil kommen, sind sie tot. Vorher aber hatten sie ein schönes Leben. Das ist zumindest das Ziel von Christoph Dahlmann. „Wir bemühen uns seit vielen Jahren, manches anders zu machen als manche andere“, sagt der Geschäftsführer der Biofleisch NRW eG und der Neuland Fleischvertriebs GmbH, die beide ihren Sitz am Westenhellweg haben und etwa 40 Mitarbeiter beschäftigen.

Natürlich will Dahlmann alles anders machen als die Tierquäler von der Firma Mecke aus Werne. Aber auch anders als manch ein Betrieb aus der Fleisch-Branche, der sich an die geltenden Gesetze hält. „Unser Ziel ist die artgerechte Tierhaltung“, sagt Dahlmann.

Auch konventionell produzierende Bauern achten aufs Tierwohl

Wobei die Tiere gar nicht in Heil gehalten werden, sondern auf den Höfen der Bauern, die Genossenschaftler beziehungsweise Gesellschafter der beiden Unternehmen sind. „Es gibt gesetzliche Vorschriften für die Vieh- und Schweinehaltung, die wir zum Teil zu 50 Prozent übererfüllen“, sagt Dahlmann.

Die Tiere haben genug Auslauf, kommen auf die Weide und das Kupieren der Schweineschwänze ist tabu. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bauern die Grundlage für die Bio-Produkte für die Genossenschaft Biofleisch GmbH liefern oder konventionell produzieren und damit zur Neuland GmbH gehören. Die Biobauern arbeiten nach strengeren Maßnahmen und verzichten zum Beispiel auf chemische Pflanzenschutzmittel.

Aus Sicht der Tiere spielt das keine so große Rolle. Das Fleisch, das die beiden Unternehmen vermarkten, entspricht der Haltungsklasse 4, die beste Bedingungen für die Tiere garantieren soll. Der Discounter Aldi hatte vor kurzem Schlagzeilen mit der Ankündigung gemacht, sein Frischfleisch-Sortiment bis zum Jahr 2030 auf die Haltungsformen 3 und 4 umzustellen.

Zu Neuland gehörten einst auch Bio-Bauern

Für Neuland-Produkte ist das seit Jahrzehnten selbstverständlich. Zu der GmbH schlossen sich in den 90er Jahren Landwirte zusammen. „Da waren auch Biobauern dabei“, sagt Dahlmann. Die haben dann 2001 die Biofleisch-Genossenschaft gegründet.

Neben dem Zerlegebetrieb leben Schweine im Musterstall von Biobauer Höhne. © Milk, Stefan © Milk, Stefan

Dabei stehen nicht nur die Tiere im Blickpunkt: „Uns geht es auch um den Erhalt der bäuerlichen Betriebe“, sagt Dahlmann, der selbst von einem Hof stammt und Landwirtschaft studiert hat. Allerdings will er es mit der Agrarromantik auch nicht übertreiben: „Wir sind Teil der Fleischbranche.“ Das heißt: Die Tiere kommen letztlich zum Schlachthof und dort werden sie getötet.

Auch das soll unter einigermaßen akzeptablen Bedingungen geschehen. „Wir arbeiten mit verschiedenen Schlachthöfen zusammen, damit der Transport nicht weiter als 50 Kilometer dauert“, sagt Dahlmann. Manche Bauern bringen ihre Tiere selbst zum Schlachten. Die Schlachthöfe werden regelmäßig überprüft. Genauso wie die Höfe und der Betrieb auf der Öko-Station. Gleichwohl gebe es durchaus noch Verbesserungsbedarf, sagt Dahlmann. Manche Schlachthöfe könnten ihre Mitarbeiter besser schulen. Aber insgesamt sieht Dahlmann doch einen positiven Wandel in der Branche.

Christoph Dahlmann demonstriert die Technik in seinem Betrieb. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die rund 400 Biofleisch- und Neuland-Produkte gibt es nicht auf der Öko-Station zu kaufen, die Unternehmen beliefern Hofläden und Fleischereien. „Der Aufwand, den die Bauern bei der artgerechten Haltung treiben, hat seinen Preis“, sagt Dahlmann. Und die Verbraucher müssen bereit sein, den zu zahlen.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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