Das Kreis-Gesundheitsamt gibt einen Teil der positiven Corona-Tests an Laboratorien weiter, um sie auf Mutationen zu prüfen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Corona-Pandemie

Zu spät und zu zufällig: Zahlen über Virus-Mutationen haben fast keinen Nutzen

Der Kreis Unna meldet zwar neuerdings täglich, wie viele Mutationen des Coronavirus aufgetreten sind. Diese Zahlen sind aber weder zuverlässig, noch bringen sie viel zur Bekämpfung der Pandemie.

Wer in den vergangenen Tagen einen Blick in die täglich veröffentlichten Zahlen des Kreis-Gesundheitsamtes warf, der konnte Erstaunliches feststellen. In Bergkamen beispielsweise gab es am Montag nur drei nachgewiesene Neuinfektionen. Gleichzeitig meldete der Kreis aber, dass sich 13 weitere Bergkamener mit der ansteckenderen Virusvariante B 1.1.7 infiziert haben.

Diese Diskrepanz konnte Kreis-Sprecher Max Rolke erklären: Bei den 13 Bergkamenern, die sich mit der Mutante infiziert haben, liegt der positive Corona-Test schon länger zurück.

Das Gesundheitsamt schickt eine gewisse Anzahl von positiven Corona-Tests weiter an sogenannte „sequenzierende Laboratorien“ – Laboratorien, die feststellen können, mit welcher Virus-Variante sich der Infizierte angesteckt hat.

Ergebnisse werden erst nach Tagen zurückgemeldet

Die Ergebnisse werden erst nach Tagen an das Kreis-Gesundheitsamt zurückgemeldet – manchmal sogar so spät, dass der Infizierte schon wieder aus der Quarantäne entlassen ist. Dann ist es für weitere Maßnahmen naturgemäß zu spät.

Die Grundlage dafür, dass positive Corona-Tests überhaupt weiter auf Mutationen untersucht werden, ist die Coronavirus-Surveillanceverordnung des Bundesgesundheitsministeriums. Sie schreibt vor, dass je nach bundesweiter Infektionszahl fünf oder zehn Prozent der Proben zur Untersuchung auf Mutationen weitergeschickt werden müssen.

Ergebnisse sind weitgehend vom Zufall abhängig

Bei einem so geringen Anteil lässt sich nichts wirklich Zuverlässiges über die Verbreitung der Mutation sagen – außer dass sie da ist. Am Dienstag beispielweise waren 29 nachgewiesene Fälle von einer Infektion mit der Mutante in Bergkamen die höchste Zahl im Kreis Unna. Rolke will aber nicht ausschließen, dass die Zahl in einer anderen Kommune höher liegt, aber viele Infektionen mit Virus-Mutationen nur nicht entdeckt wurden.

Der Kreis Unna schickt zwar vor allem solche Proben weiter, bei denen der Verdacht nahe liegt, dass es sich um eine Infektion mit der Mutante handelt – zum Beispiel wenn bekannt ist, dass der oder die Infizierte einen entsprechenden Kontakt hatte. Sicher, um alle Infektionen mit einer Mutation zu finden, ist die Methode aber nicht.

Die Untersuchung verdeutlicht zwar, wohin sich das mutierte Virus verbreitet hat. Bei der Pandemie-Bekämpfung hat sie aber kaum Bedeutung, räumt der Kreis-Sprecher ein. „Für uns hat das meist nur statistischen Wert.“

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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