Bis zur Pause durfte der BVB vom Sieg in Montenegro träumen - danach lief kaum noch was

Handball

30 Minuten lang durften die BVB-Handballerinnen vom Sieg in der Champions League-Partie bei Buducnost Podgorica träumen. Am Ende stand aber eine unnötige wie verdiente 27:31-Niederlage.

Dortmund

, 09.01.2021, 20:28 Uhr / Lesedauer: 3 min
Trainer André Fuhr gab die Richtung an. Kelley Dulfer traf fünfmal beim Champions League-Spiel .

Trainer André Fuhr gab die Richtung an. Kelley Dulfer traf fünfmal beim Champions League-Spiel . © Ludewig

Eine Halbzeit lang präsentierte sich der souveräne Bundesliga-Tabellenführer aus Dortmund auf Augenhöhe mit ŽRK Buducnost Podgorica, ging mit einem 15:15 in die Pause - und fand dann einfach nicht mehr ins Spiel. Geschlagene 9:37 Minuten blieb der BVB im zweiten Durchgang ohne Treffer, während die Gastgeberinnen besonders über Außen Tor um Tor warfen. Alle drei Dortmunder Torhüterinnen machten dabei keine besonders glückliche Figur. "Das war sicherlich unser schlechtestes Spiel in der Champions League", kommentierte Abteilungsleiter Andreas Heiermann den Auftritt in Montenegro. Ausschlaggebend für die Niederlage war neben den unglücklich agierenden Torfrauen Roch, van Duijdam und ten Holte aber auch die schwache Trefferquote der BVB-Außen mit nur 33 Prozent.

Deutliche Ansage von Trainer André Fuhr

Dementsprechend deutlich viel das Fazit von Trainer Andrè Fuhr aus: "Wir haben gegen einen Gegner gespielt, der 60 Minuten lang mit heißem Herzen gespielt hat. Wir dagegen haben aber in der Abwehr und bei den Torfrauen keinen Zugriff bekommen, deshalb haben wir unnötig, aber auch völlig verdient verloren."

Schwache Torfrauen, schwache Außen

Morgens um 11 Uhr war der 23-köpfige BVB-Tross mit einer Chartermaschine vom Flughafen Dortmund aus Richtung Süden gestartet. Und abends um 23.30 Uhr wieder zurück. Wegen des Nachtflugverbots landete die Dortmunder Delegation aber nicht in Dortmund, sondern in Paderborn, dann ging's mit dem Bus nach Dortmund. Alles war exakt durchgetimet. Angesichts der Risiko-Minimierung in Sachen Corona und der besseren Regeneration angesichts der Reisestrapazen (Mittwoch nach Neckarsulm, Samstag nach Moskau) sicherlich eine ideale Lösung. "Der BVB hat uns das ermöglicht", zeigte sich Abteilungsleiter Andreas Heiermann nach dem Zweieinhalb-Stunden-Flug bei der Ankunft in der Hauptstadt Montenegros erleichtert.

Per Charterflug nach Montenegro

"Der Flug über die Alpen war sentationell gut, ein echter Panoramaflug. Die Bedingungen vor Ort in Podgorica bestens, das Hotel lag nur zehn Minuten von der Halle entfernt, der Flughafen nur 15 Minuten. Zudem wurden die Corona-Hygienevorschriften allesamt genauestens eingehalten", berichtete Andreas Heiermann. Während die Niederländerin Kelly Vollebregt mit einer Sehnenreizung im Knie vorsorgtlich zu Hause blieb und sich für das Bundesliga-Spiel am Mittwoch in Neckarsulm schonte, war Clara Woltering mit dabei. "Sie hat für uns wertvolle Dienste vor Ort geleistet, jeder kannte sie, angefangen vom Busfahrer, der uns am Flughafen abgeholt hat, bis hin zur Vereinsspitze", so Heiermann. Verständlich. Woltering spielte von 2011 bis 2015 in Montenegro, wurde viermal nationaler Meister mit Podgorica und gewann 2015 in ihrem letzten Spiel für ŽRK Buducnost Podgorica zum zweiten Mal den Champions League-Titel.

Die ersten 30 Minuten voll auf Augenhöhe

Die Voraussetzungen waren klar. Der BVB als Tabellensiebter wollte nach der knappen 26:28-Hinspielniederlage in Dortmund seinen zweiten Sieg in der Champions League einfahren, um sich die Chancen auf Rang 6 und damit den Einzug ins Achtelfinale zu wahren. Zumindest in der Anfangsphase sah es aber gar nicht gut aus für das Team von Trainer André Fuhr, das schnell mit 0:3 und 1:4 zurücklag, sich dann aber fing und in der 20. Minute auf 10:10 egalisierte. Bis zur Halbzeitpause führten die Dortmunderinnen immer mit einem Treffer Vorsprung, mussten aber Sekunden vor dem Pausenpfiff noch den 15:15-Ausgleich hinnehmen. Der BVB agierte absolut auf Augenhöhe, war in allen Belangen gleichwertig. Wichtigste Spielerin auf Seiten des BVB war im ersten Durchgang Alina Grijseels, die bei fünf Versuchen fünf Mal traf. Kelly Dulfer war weniger effektiv, kam bei sieben Versuchen auf drei Treffer. Merel Freriks erwischte ebenfalls einen starken Tag mit drei Treffern vor der Pause.

9:37 Minuten lang ohne einen einzigen Treffer

Doch wie schon im Hinspiel in Dortmund hatte der BVB im zweiten Durchgang erneut Probleme mit der international stark besetzten und kämpferisch überzeugenden Mannschaft aus Montenegro, die erst vor wenigen Wochen einen Wechsel auf der Trainerposition vollzogen hatte. Die ehemalige Weltklasse-Spielerin Bojana Popovic, bis dahin Co-Trainerin, ersetzte Dragan Adzic, der von seinem Amt zurückgetreten war. Schnell lag der BVB mit 15:19 im Hintertreffen, ŽRK Buducnost Podgorica drohte beim Stand von 15:21 davonzuziehen. Geschlagene 9:37 Minuten blieb der BVB ohne Torerfolg. "Der Gegner hat jede Schwäche von uns ausgenutzt. Wir haben kaum einen Zweikampf auf den Halbpositionen gewonnen und vorne leichte Bälle weggegeben", zeigte sich André Fuhr nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Spielerinnen: "Es hat sich gezeigt, wie wichtig die zwei Komponenten Cleverness und Kampfgeist sind, um solch ein Spiel zu gewinnen."

Dortmunderinnen kämpfen sich zurück

Doch die junge Mannschaft von Trainer Fuhr kämpfte sich zurück, lag in Minute 40. beim Stand von 20:22 durch Treffer von Inger Smits und Alina Grijseels wieder in Schlagdistanz. Zudem erwies sich Laura van der Heijden als die versprochene Verstärkung. Zwei Tore vor der Pause und drei Treffer im zweiten Durchgang machen Hoffnung. Doch zum Sieg sollte auch das nicht reichen. Dank der superstarken Jovanka Radicevi, mit zehn Treffern erfolgreichste Spielerin des Tages, behielt der routiniert ŽRK Buducnost Podgorica mit 31:27 die Oberhand über die junge Mannschaft des BVB, die in Montenegro unnötiges Lehrgeld in der Champions League zahlte.

BVB: Roch, Duijndam, ten Holte - Grijseels (6/1), van Zijl, Smits (2), Dulfer (5), van der Heijden (5), Rode (1), Bleckmann, Danielsson (2), Freriks (3), Abdulla (1), Stockschläder (1), Gutierrez Bermejo (1),

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