Dortmunds Spielerinnen haben die Heim-WM vor Augen

Kader-Nominierung

Der Traum von der Heim-WM lebt weiter: Clara Woltering, Svenja Huber, Nadja Mansson und Stella Kramer stehen im vorläufigen 22er-Kader des DHB. Wir bewerten die Chancen der BVB-Spielerinnen. Zwei der genannten Akteure stehen dabei in direkter Konkurrenz im Kampf um einen Kader-Platz.

Dortmund

, 30.11.2017, 17:52 Uhr / Lesedauer: 4 min
Torhüterin Clara Woltering hat gute Chancen auf einen Platz im Kader.

Torhüterin Clara Woltering hat gute Chancen auf einen Platz im Kader. © dpa

Clara Woltering
Auf keiner Position ist die DHB-Auswahl wohl so gut aufgestellt wie im Tor. Das ist im Handball nicht anders als im Fußball, und so hat Bundestrainer Michael Biegler die freie Auswahl. Nominiert er die erfahrenen Clara Woltering (34) und Katja Kramarczyk (33)? Oder sprengt die erst 22-jährigen Dinah Eckerle (Thüringer HC) das Duo nach zehn gemeinsamem Turnieren? Als wahrscheinlich gilt, dass Biegler sich für lediglich zwei Torhüterinnen im endgültigen 16er-Kader entscheiden wird, sodass eine Keeperin zum Start auf der Tribüne sitzen wird.

Seit Jahren Weltklasse

Klar ist: BVB-Torhüterin Clara Woltering verkörpert seit Jahren Weltklasse, hat aber im Verein in der laufenden Saison immer wieder mit Formschwankungen zu kämpfen - wohl auch wegen anhaltender Handgelenks-Probleme. In den letzten beiden Testspielen vor der WM gegen Island (32:19) und die Slowakai (23:22) fehlte die 34-Jährige. „Clara brauchte etwas Zeit nach ihrer Verletzung, aber wir wissen, was sie kann“, so Biegler am Donnerstag.

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Unsere Prognose: Die Dortmunderin steht im 16er-Kader. Mit ihrer Erfahrung und Mentalität gehört sie zu den Anführerinnen der Mannschaft, an der sich junge Spielerinnen aufrichten können. Zum Auftakt gegen Kamerun wird allerdings Lokalmatadorin Kramarczyk starten.


Nadja Mansson
Eine einjährige Baby-Pause schüttelt man dann offenbar doch nicht so leicht ab, wie es sich so mancher BVB-Verantwortliche bei Nadja Mansson gewünscht haben dürfte. Seit ihrer Rückkehr in den Bundesliga-Kader der Schwarzgelben im Sommer arbeitet die wurfgewaltige Rückraum-Spielerin hartnäckig daran, wieder an die starken Leistungen vor ihrer Auszeit anzuknüpfen. Dass dies „nicht von heute auf morgen“ passieren werde, betonte Mansson bereits im Laufe der Saison immer wieder. Dabei gehe es weniger um die Fitness als vielmehr um das Gefühl für den Ball und für das Spiel selbst.

Absolute Konzentration

Bei der Nationalmannschaft will die gebürtige Ukrainerin, die in bislang 73 Länderspielen 237 Tore geworfen hat, nun den nächsten Schritt machen. Bundestrainer Michael Biegler soll ihr dabei helfen. „Er fordert von uns absolute Konzentration, verlangt, dass wir jede Übung zu 100 Prozent absolvieren. Rumalbern gibt es nicht“, sagte die 29-Jährige in der vergangenen Woche der „Rheinischen Post“.

Ihr zugute kommt, dass mit Anne Hubinger (Sprunggelenks-Verletzung) im rechten Rückraum eine Spielerin ausfällt, die auch aus der Distanz immer wieder Treffer erzielen kann. Denn dank ihrer Größe von 1,84 Metern und ihrer starken rechten Wurfhand könnte Mansson aus dem linken Rückraum für die nötige Torgefahr aus der Distanz sorgen.

Unsere Prognose: Aufgrund ihrer zwölfmonatigen Pause und dem damit verbundenen Formverlust wird es Nadja Mansson schwer haben, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Emily Bölk (Buxtehuder SV) und Shenia Mineveskaja (TuS Metzingen) dürften im Rückraum links gesetzt sein. Mansson kämpft mit Saskia Lang (Thüringer HC) um den letzten Platz im 16er-Kader - und wird diesen wohl gewinnen.


Svenja Huber
Wie eigentlich der gesamte Kader des BVB hat auch Svenja Huber in dieser Saison noch nicht ihr höchstes Level erreicht. Gerade einmal 18 Treffer hat die Rechtsaußen in der Bundesliga bislang auf ihrem Konto verbucht, selbst bei den Siebenmetern, eigentlich ihre Stärke, steht sie bei einer überschaubaren Erfolgsquote von 60 Prozent. Zuletzt erntete Huber sogar Kritik aus den eigenen Reihen, als der BVB-Abteilungsvorsitzende Andreas Heiermann ihr attestierte, alles andere als in Top-Form zu sein. Weiteres Problem: Die 32-Jährige ist angeschlagen und verpasste zuletzt auch die Reise zum vorletzten Testspiel in der Slowakei.

Wichtige Stütze im DHB-Team

Dennoch gilt die Dortmunderin als wichtige Stütze im DHB-Team. Bundestrainer Michael Biegler bezeichnete sie bereits vor einem Jahr als einen „Eckpfeiler“ und „beste Rechtsaußen in Deutschland“. Huber selbst hat große Ziele bei der Heim-WM: „Wir wollen auf jeden Fall zur Endrunde nach Hamburg.“

Unsere Prognose: Auf Rechtsaußen ist Svenja Huber mit 48 Länderspielen (152 Tore) im Vergleich mit ihren direkten Konkurrentinnen Stella Kramer (20 Spiele/21 Tore) und Alexandra Mazzucco (20/27) die Spielerin mit der größten Erfahrung. Gerade in Stresssituation behält sie in der Regel die Ruhe. Dank ihrer Nervenstärke und ihrer Torgefährlichkeit wird Huber ihren Platz im 16er-Kader finden.


Stella Kramer
Fünf Tage Urlaub auf Mallorca im Sommer, der Rest war harte Arbeit. Wer im Nebenberuf Handball-Profi ist wie Stella Kramer, der muss seinen Sport besonders lieben. Und dafür viel opfern. Alles war und ist auf dieses eine, große Ziel ausgerichtet: bei der Heim-Weltmeisterschaft für Deutschland zu spielen.

Debüt mit 26 Jahren

Kramer (28) gehört zu den Spätberufenen. Sie war bereits 26, als sie erstmals für die DHB-Auswahl auflief. Sie gehört mit ihrer Persönlichkeit zu den gestandenen Damen bei den Biegler-Ladies. Der Bundestrainer schätzt ihren Einsatzwillen, ihre Hingabe und ihre Qualitäten als Rechtsaußen. Dort gibt es bis zur endgültigen Nominierung des WM-Kaders einen Dreikampf zwischen Stella Kramer, Svenja Huber (beide Borussia Dortmund) und Alexandra Mazzucco vom Thüringer HC.

Huber dürfte gesetzt sein. Um den zweiten Platz streiten sich Kramer und Mazzucco. Vor einem Jahr lud Biegler Kramer zur Europameisterschaft in Schweden ein, enttäuscht hat ihn die Borussin dort und seitdem nicht. Die aktuelle Formkurve in der Bundesliga beinhaltete zwar keine Höhenflüge, doch im Kreis der Nationalmannschaft spielt das keine Rolle mehr. „Ich denke, es ist alles offen“, sagte Kramer. In den beiden letzten Testspielen spielte sie.

Unsere Prognose: Auf Rechtsaußen gibt’s ein enges Rennen. Biegler könnte am Ende wieder wie 2016 auf Kramer setzen.

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