EHF hat keine Bedenken: BVB-Frauen müssen ins Risikogebiet reisen

BVB-Handball-Frauen

Die BVB-Handball-Frauen müssen zum nächsten Champions-League-Spiel ins Risikogebiet nach Rumänien. Der Klub wollte das Spiel wegen der Infektionsgefahr verschieben - die EHF sieht keinen Grund dafür.

Dortmund

, 23.10.2020, 18:24 Uhr / Lesedauer: 3 min
Viele Sorgen und Bedenken: Trainer André Fuhr und die BVB-Handball-Frauen müssen zum Champions-League-Spiel ins Risikogebiet nach Rumänien reisen.

Viele Sorgen und Bedenken: Trainer André Fuhr und die BVB-Handball-Frauen müssen zum Champions-League-Spiel ins Risikogebiet nach Rumänien reisen. © Stummbillig/BVB

André Fuhr hat vor der Abreise zum nächsten Champions-League-Spiel kein gutes Gefühl. „Das ist das erste Mal“, gibt der Trainer der BVB-Handball-Frauen zu, „das sage ich ganz ehrlich, dass ich mir Gedanken mache. Vorher war ich da immer noch ziemlich entspannt.“ Dabei geht es dem 49-Jährigen nicht um das Sportliche: Die Borussen müssen zu ihrem sechsten Spiel in der Königsklasse bei SCM Ramnicu Valcea antreten. In Rumänien. Im Risikogebiet.

Das Robert-Koch-Institut stuft das südosteuropäische Land seit dem 7. Oktober komplett als Risikogebiet ein, das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen. In Rumänien haben sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 191.102 Personen mit dem Virus infiziert, es gab bisher 6065 Tote (Stand 22. Oktober). Bis zum 14. November gilt im gesamten Land der Alarmzustand, was unter anderem eine generelle Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen sowie die Schließung von Restaurants, Kinos, Theatern und Kasinos bedeutet. Zusätzlich können laut Auswärtigem Amt wegen der Fallzahlen in einigen Gebieten auch einige Ortschaften kurzfristig unter Quarantäne gestellt werden.

Der BVB hätte das Spiel gegen Ramnicu Valcea in Anbetracht der Umstände am liebsten verschoben, stellte eine entsprechende Bitte an die EHF (European Handball Federation). Vergeblich. „Unsere Sorgen haben bei der EHF kein Gehör gefunden“, erklärt Andreas Bartels, stellvertretender BVB-Abteilungsvorstand, „das ist angesichts der Lage schwierig zu verstehen.“ Auf Anfrage der Ruhr Nachrichten bestätigt die EHF am Freitagmittag, dass sie keine Bedenken bei der Durchführung der Partie hat: „Natürlich sind wir uns der besonderen Herausforderungen in der aktuellen Lage bewusst, allerdings gab es nach allen uns vorliegenden Informationen zum Spiel Valcea vs Dortmund keinen Grund, dieses zu verschieben.“

EHF sagte vor 14 Tagen das Champions-League-Spiel in Rumänien ab

Eine Erklärung, die man in Dortmund nicht nachvollziehen kann. „Ich finde es von der EHF schon mutig“, sagt André Fuhr, der lange nach den richtigen Worten sucht, „uns dahinzuschicken.“ Andreas Bartels wird da schon direkter: „Das ist einfach nicht nachvollziehbar.“

André Fuhr, hier mit Torwarttrainerin Clara Woltering, hätte das Spiel in Rumänien am liebsten verschoben.

André Fuhr, hier mit Torwarttrainerin Clara Woltering, hätte das Spiel in Rumänien am liebsten verschoben. © Ludewig

Eine Spielabsage wäre übrigens kein Novum für die EHF. In Gruppe A der Königsklasse hatte der Verband bereits einige Spiele wegen Corona-Infektionen in den Teams verschoben. Und auch in der Gruppe B mit Borussia Dortmund gab es bereits einen Corona-bedingten Ausfall – was das Unverständnis auf schwarzgelber Seite noch weiter befeuert: Das Champions-League-Heimspiel von Ramnicu Valcea gegen den kroatischen Klub Podravka Vegeta wurde vor 14 Tagen aufgrund der Corona-Situation verschoben. „Es gab für Anfang Oktober eine Entscheidung der lokalen Behörden, dass in Valcea aufgrund der damaligen Lage das Spiel nicht stattfinden könne. Deshalb haben wir es verschoben“, heißt es von EHF-Seite.

Das Valcea County Committee for Emergency Situations hatte aufgrund von stark steigenden Infektionszahlen tatsächlich beschlossen, alle Veranstaltungen zwischen dem 1. und 14. Oktober auszusetzen. „Diese Einschränkung gibt es aktuell nicht mehr“, begründet die EHF ihre Entscheidung zum BVB-Spiel. „Dabei sind die Infektionswerte in Valcea jetzt höher als vor 14 Tagen“, beklagt Bartels.

BVB-Frauen müssen zurück in Deutschland nicht in Quarantäne

Trotz aller Zahlen, Fakten und Bedenken: Der BVB wird die Reise nach Rumänien antreten müssen. Wie schon beim Auswärtsspiel in Kroatien machen die Borussen aus dem Spieltag einen Tagestrip. In Quarantäne müssen die Schwarzgelben in Deutschland dann nicht: Am Freitag wurde der komplette BVB-Tross negativ auf das Virus getestet, die Ergebnisse sind bei der Wiedereinreise nach Deutschland am Samstagabend noch keine 48 Stunden alt. Dadurch kann der BVB die Quarantäne umgehen.

Die Einreiseregelungen sorgen gerade bei Sportlern weltweit für Unsicherheit. Zuletzt hatten die Rhein-Neckar Löwen erklärt, dass sie womöglich keine Nationalspieler für die Länderspiele Anfang November abstellen wollen. Hintergrund ist, dass der „Spiegel“ am Donnerstag berichtet hatte, dass die Bundesligisten von den Verbänden eine Garantie verlangen, dass die Nationalspieler nach der Rückkehr von Länderspiel-Einsätzen nicht in Quarantäne müssen.

Andreas Bartels: „Das Sportliche rückt irgendwo in den Hintergrund“

Bei all dem organisatorischen Drumherum, fällt es schon fast schwer, sich auf das Sportliche zu konzentrieren. Die Borussinnen, die nach fünf Spielen bisher zwei Punkte auf dem Konto haben, könnten einen Sieg am Samstag (16 Uhr) in Rumänien gut gebrauchen. Ramnicu Valcea hat bei einem Spiel weniger bisher keine Zähler gesammelt, steht hinter dem BVB auf dem letzten Tabellenplatz. Das wollen die Gastgeberinnen mit der deutschen Nationalspielerin Shenia Minevskaja unbedingt ändern. „Wir müssen unsere Stärken gegen Valcea wieder in den Vordergrund rücken“, fordert André Fuhr, der aber noch einmal darauf hinweist, dass es in der ersten CL-Saison des BVB für sein Team vor allem darum geht, Erfahrungen zu sammeln.

So gerne die Borussinnen die zwei Punkte aus Rumänien auch mitbringen möchten, „das Sportliche rückt natürlich irgendwo in den Hintergrund, die Gesundheit unseres Reisetrosses hat einfach oberste Priorität“, erklärt Andreas Bartels. Und auch wenn die BVB-Frauen mit einem Sieg im Gepäck im Flieger zurück aus Rumänien sitzen sollten, ein zu 100 Prozent gutes Gefühl wird André Fuhr auch dann sicher nicht haben.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt