Historischer Schritt möglich: BVB-Boss appelliert an die ganze Stadt und stellt Zukunft in Frage

Ende des Monats ist der BVB in der Champions League gefordert. © Stephan Schütze
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Geschlossen stellten sich Spielerinnen der deutschen und niederländischen Nationalmannschaft gemeinsam auf das Handball-Parkett am vergangenen Samstag und setzten ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine.

Es ist eine außergewöhnliche Situation in Europa durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Borussia Dortmunds Handballerinnen, von denen insgesamt fünf am Samstag beim Nationalmannschafts-Duell mitwirkten, können sportlich von der Situation profitieren, wenn man es denn so nennen darf.

BVB: „Was bis jetzt erreicht worden ist, ist historisch“

Die Europäische Handball Föderation (EHF) hat bekannt gegeben, die russischen und weißrussischen Teams von allen Wettbewerben auszuschließen.

Dadurch steht der BVB nur noch zwei Spiele entfernt vom Final4 in der Champions League, dem prestigeträchtigen Finalturnier in Europas Königsklasse.

„Es ist eine riesige Geschichte für die Stadt Dortmund, den Handball und Borussia Dortmund“, sagt BVB-Abteilungsleiter Andreas Heiermann. „Was bis jetzt erreicht worden ist, ist historisch. Wenn wir gegen Metz gewinnen, ist das eine Riesengeschichte für den deutschen Damen-Handball.“

Dass das keine einfache Sache für den BVB werden wird, versteht sich von selbst. Metz Handball ist Tabellenführer in Frankreich, hat 16 von 16 Spielen gewonnen, gewann neun Spiele in der Gruppenphase der Champions League. Fünf mehr als der BVB.

Was möglich sein kann, haben die Borussinnen aber in der Hinrunde der Champions League beweisen, als Brest Bretagne besiegt worden ist und es ein Unentschieden gegen Budapest gab. Dafür muss an einem Tag, aber alles zusammenpassen.

Für den BVB ist es der 26. März, wenn das Playoff-Hinspiel in der Helmut-Körnig-Halle stattfindet. „Wir bereiten alles vor, um diese Halle ausverkauft zu bekommen“, kündigt Heiermann an. Unter den Coronavirus-Voraussetzungen, die dann noch gültig sein werden. „Ich rechne mit 2500 Zuschauern, wenn das möglich ist, und die will ich auch sehen.“ Heiermann nimmt die Stadt, Medien sowie Borussia Dortmund in die Pflicht. In dem Fall nicht den Verein, wo die Handball-Abteilung angeschlossen ist, sondern auch die KGaA, zu der die schwarzgelben Fußball-Profis gehören.

BVB-Abteilungsleiter Andreas Heiermann (r.), hier im Gespräch mit Bundestrainer Henk Groener, erwartet eine volle Halle im Playoff-Hinspiel gegen Metz Handball. © Stephan Schütze

Es geht dabei nicht nur um einen Hinweis auf das prestigeträchtige Duell in der Champions League. „Da müssen die Fans, die Ultras, wirklich alle wissen, dass da ein Handballspiel stattfindet. Sonst stelle ich meine persönliche Zukunft in Frage.“ Spielen die Fußballer, soll im Stadion die Werbetrommel vor Tausenden Fans gerührt werden, genau so innerhalb der Stadt. Dafür soll es Besprechungen in den kommenden Tagen geben.

Das Zuschauer-Problem zieht sich bereits die ganze Saison durch bei den BVB-Handballerinnen. Im Schnitt sind es 200 bis 300 Menschen, die zu den Spielen kommen. Da ändert auch das vermeintliche Glanzprodukt Champions League nichts daran. Hinzu kommt die Coronavirus-Situation. „Wenn dann nur 250 Zuschauer da wären, wäre das ein Armutszeugnis“, sagt Heiermann. Die Handballerinnen bieten Hochleistungs-Sport auf höchstem Niveau, spektakuläre Spiele, vor allem auf internationaler Ebene. Die Zuschauer-Resonanz bewegt sich aber auf Amateur-Niveau. Klar, dass das den Abteilungsleiter wurmt.

Zum Vorteil für die Handball-Abteilung: Das Heimspiel in der Champions League findet an einem Samstag statt, an dem kein Klub Fußball stattfindet. Es ist Länderspielpause, die BVB-Fußballer sind nicht im Einsatz. Eine Seltenheit in den vergangenen Monaten, wo sich Spiele überschnitten haben.

BVB: Drei Spiele in der Bundesliga zuvor

„Das ist etwas Historisches und dementsprechend wollen wir das auch angehen“, betont Heiermann. Ihm liegt viel an dem Spiel. Es ist das erste Mal, dass ein deutsches Frauen-Handball-Team ein Spiel in der K.o.-Runde der Königsklasse absolviert. Er fordert bis dahin volle Konzentration auf die drei Bundesliga-Spiele gegen Buxtehude (12. März), Halle-Neustadt (20. März) und Bensheim/Auerbach (23. März). Spielerinnen und Trainerteam sollen sechs Punkte aus den Spielen holen, Heiermann möchte sich darum kümmern, dass die Halle am 26. März in Dortmund voll wird.

Während Borussia Dortmund sich im Angriffskrieg auf die Ukraine klar positioniert hat, gab es von der EHF bislang lediglich den Ausschluss der russischen und weißrussischen Teams von allen Wettbewerben. Hauptsponsor der Champions League der Frauen, die russische Delo Group ist noch immer Namensgeber. Bislang gab es dazu kein offizielles Statement der EHF. Bei den Männern gab es zuletzt die Entlastung für alle Vereine, die russische Gas-Pipeline Nordstream 2 nicht mehr bewerben zu müssen.

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