Die BVB-Handball-Damen sind bei der Kaderplanung einen wichtigen Schritt vorangekommen: Alina Grijseels (22) verlängert ihren Vertrag für zwei Jahre. Der Klub sei „auf dem richtigen Weg“.

Dortmund

, 04.02.2019, 20:54 Uhr / Lesedauer: 4 min

Als Alina Grijseels am Montag zum vereinbarten Termin erscheint, trägt sie einen schwarzgelben Hoodie. Auf der Vorderseite prangt groß der Borussia-Dortmund-Schriftzug, daneben strahlt das BVB-Wappen. Handball-Romantiker sagen in solchen Momenten gerne, die 22-Jährige trage das Logo auf der Brust und den Verein in ihrem Herzen. Und vielleicht ist es ja tatsächlich ein bisschen so. Zumal Grijseels das Trikot des Bundesligisten nun auch schon seit 2014 überstreift. Und jetzt kommen zwei weitere Jahre dazu.

Alina Grijseels, Sie haben für zwei weitere Jahre beim BVB unterschrieben. Dabei gab es sicherlich die Möglichkeit, auch woanders hinzugehen?

Grijseels: Ja, natürlich gab es die.

Warum bleiben Sie trotzdem in Dortmund?

Grijseels: Die Entwicklung im Verein ist sehr gut, wir haben in dieser Saison erstmals wieder international gespielt und wollen uns wieder für den Europapokal qualifizieren. Die Ziele des Vereins stimmen einfach mit meinen überein. Zudem erhalte ich hier die Spielanteile, die es mir erlauben, mich weiterzuentwickeln. Und ich kann genau die Rolle ausfüllen, die ich mir wünsche.

So schnell ging das?

Grijseels: Andreas Bartels und ich haben viele Gespräche, intensive Gespräche geführt – und im Endeffekt war auch das am Ende der entscheidende Punkt zu sagen: Ich vertraue dem Ganzen.

Stand Ihr Verbleib zwischenzeitlich auch auf der Kippe?

Grijseels: Wenn man mich in der vergangenen Saison nach meiner damaligen Verlängerung gefragt hätte, wäre meine Antwort wohl so ausgefallen, dass es mein letztes Jahr beim BVB wird. Vielleicht ging die Planung damals tatsächlich auch in diese Richtung, vielleicht schon zu einem Champions-League-Teilnehmer zu gehen. Aber die Gespräche waren gut, und ich habe das Vertrauen gespürt, dass es in die richtige Richtung geht. Dass ich meinen Vertrag verlängert habe und eben nicht wie vergangenes Jahr noch daran gedacht den Verein eventuell zu wechseln, liegt vor allem an den Gesprächen mit Andreas Bartels. Er war derjenige der mich davon überzeugt hat.*

Der Verein hat ambitionierte Ziele für die Zukunft genannt. Der Weg dorthin ist allerdings mit einem großen Umbruch im Sommer versehen. Sehen Sie ein Risiko?

Grijseels: Wenn man dem vertraut, was man mitgeteilt bekommen hat, was passieren wird und wie die Planungen aussehen rund um die Mannschaft und den Verein, dann ist das Risiko aus meiner Sicht nicht so groß. Ich denke, dass der BVB in Deutschland einer der größten Vereine ist – und vielleicht auch der Verein mit der größten Zukunftsperspektive.

Der Vorstand und auch der Präsident haben gesagt, sie wollen Deutscher Meister werden. Nicht heute, aber auf Sicht. Wie wichtig sind Ihnen Titel?

Grijseels: Es gibt wohl niemanden, der nicht gerne Titel gewinnen würde. Ob man sich letztlich darüber definieren muss, das weiß ich nicht. Aber klar: Ich müsste lügen, wenn ich nicht sagen würde: Diese Zielsetzung habe ich auch.

Ist ein Titelgewinn denn mit Dortmund möglich?

Grijseels: Natürlich, warum nicht?

Sie haben gesagt, Sie wollen sich nicht allein über Titel definieren. Worüber wollen Sie sich denn definieren?

Grijseels: Ich möchte meine Leistung bis zum Maximalen treiben. Und wenn ich dann irgendwann sagen kann, das war das, was ich leisten konnte und ich hatte Spaß an meinem Sport, dann ist es okay. Der Handball ist für uns ja eher ein schönes Nebenher. Wir leben zwar jetzt davon, aber in Zukunft nicht. Für mich ist es viel, viel wichtiger, dass ich mich wohlfühle, dass ich Spaß daran habe bei dem, was ich tue. Und für den Moment kann ich mein Leben so finanzieren und alles andere darauf aufbauen.

Spaß macht es sicherlich auch, so starke Mitspielerinnen wie in der Nationalmannschaft zu haben. In den Topklubs gibt es bereits Ansammlungen solcher Leistungsträgerinnen. Sie selbst bleiben hier. Wird sich der BVB diesen Klubs annähern?

Grijseels: Ich glaube, dass der Verein auf dem richtigen Weg ist. Die bisherigen Verpflichtungen (Bogna Sobiech, Merel Freriks und Aleksandra Zych, Anm. d. Red.) gehen ja in diese Richtung. Wir haben uns darüber ausgetauscht, wie die Mannschaft in Zukunft aussehen soll. Und ich möchte ein Teil dieses Umbruchs sein und vorangehen.

Der Verein hat angekündigt, sehr stark auf Sie bauen zu wollen. Was macht Sie denn zu einer Führungskraft?

Grijseels: Ich möchte Verantwortung auf dem Spielfeld übernehmen und im Spiel, im Training vorangehen. Und ich möchte die Spielerinnen auf unserem Weg mitnehmen, die neu dazukommen.

Gegen Halle-Neustadt haben Sie sich den Ball sechs Sekunden vor Schluss genommen und den Siebenmeter eiskalt zum 31:31 getroffen. Ist Ihnen diese Nervenstärke in die Wiege gelegt worden?

Grijseels: Ich glaube schon. Aber so ganz genau kann ich das gar nicht erklären. Ich mache mir selbst diesen Druck ja auch gar nicht. Es ist einfach mein Anspruch, in solchen Situationen Verantwortung zu übernehmen. Genau das macht den Sport aus. Und genau das macht mir am meisten Spaß. Sich solche Situationen zu nehmen, sich daran messen zu lassen und sie zu meistern.

Der Verein sieht Sie als das Gesicht des Vereins. Nehmen Sie diese Rolle an?

Grijseels: Sonst hätte ich nicht unterschrieben.

Sie gelten auch als Person des öffentlichen Lebens. Wie gerne öffnen Sie sich – gerade in einer Welt, in der Soziale Medien eine immer größere Rolle einnehmen?

Grijseels: Ich bin gerade bei Sozialen Medien eher die Beobachterin. Ich bin zwar angemeldet, aber ich bin nicht der Mensch, der sein Leben dort komplett offenbart und jedem zeigen muss, was ich gerade mache. Man weiß, dass es mittlerweile auch irgendwie dazu gehört. Dass man es an der ein oder anderen Stelle vielleicht sogar machen muss, um seine Karriere irgendwie voranzutreiben. Aber das ist nicht mein Anspruch.

Was braucht es aus Ihrer Sicht mehr: Harmonie oder eher Reibung?

Grijseels: Es ist ein Zusammenspiel aus beiden. Ein Team muss immer funktionieren, sonst ist Erfolg nicht möglich. Aber es muss zwischendurch auch Reibungspunkte geben, mit denen man sich sofort auseinandersetzt. Sei es mit einzelnen oder mehreren Spielerinnen. Das muss sein, um sich gegenseitig zu pushen.

Gehören Sie zu denen, die schnell dazwischen hauen, wenn etwas nicht stimmt?

Grijseels: Schnell dazwischen hauen eher nicht. Bei dem ein oder anderen Punkt, den ich vielleicht nicht für richtig halte, bin ich allerdings schon jemand, der eingreift.

War das Remis in Halle-Neustadt so ein Spiel, bei dem Sie eingegriffen haben?

Grijseels: Ja, schon. Wobei man auch da sagen muss, dass in so einem Spiel auch viele Emotionen dabei sind. Da muss man schon aufpassen, dass es nicht zu emotional wird. Sich da gegenseitig zu attackieren, bringt einen gerade in so einem Spiel auch nicht weiter. Man muss schon wachrütteln, aber dann war es das auch.

Welche Rolle hat ihr Trainer Gino Smits bei Ihrer Entscheidung gespielt?

Grijseels: Gino hatte sicherlich nicht eine so ganz einfache Rolle in dieser Saison, bei uns reinzuwachsen, aber er hat uns sehr gut mitgenommen. Grundsätzlich ist es so, dass er ein Typ Trainer ist, mit dem ich ganz gut klarkomme. Von seiner Art, seiner Art zu arbeiten. Dieses etwas Lockere. Er gesteht uns sehr viel Eigenverantwortung zu.

* In der ursprünglichen Version hieß es:

Wenn man mich in der vergangenen Saison nach meiner damaligen Verlängerung gefragt hätte, wäre meine Antwort wohl so ausgefallen, dass es mein letztes Jahr beim BVB wird. Vielleicht ging die Planung damals tatsächlich auch in diese Richtung, vielleicht schon zu einem Champions-League-Teilnehmer zu gehen. Aber die Gespräche waren gut, und ich habe das Vertrauen gespürt, dass es in die richtige Richtung geht.

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