Nationalspielerin Bölk: Auch der Name verpflichtet

Jüngste Spielerin im Kader

Ganz an die große Bühne hat sich Emily Bölk noch nicht gewöhnt. Ihren Aufstieg empfindet die 19-Jährige „verrückt“ und „total krank“. Bölk ist die jüngste Handballerin im deutschen WM-Kader, der ab Freitag um eine Medaille kämpft. Doch ihr großes Talent verpflichtet - und nicht zuletzt ihr Nachname.

Leverkusen

, 30.11.2017, 12:49 Uhr / Lesedauer: 3 min
Emily Bölk ist die jüngste Spielerin im Kader der deutschen Handball-Nationalmannschaft.

Emily Bölk ist die jüngste Spielerin im Kader der deutschen Handball-Nationalmannschaft. © imago, Montage: Klose

Für die Reise in die Vergangenheit brauchte es nur ein paar Klicks. Am Laptop im Wohnzimmer in Buxtehude fanden Emily (19) und Andrea Bölk (49) auf einem Youtube-Kanal ein Video des WM-Endspiels von 1993. Die deutschen Frauen mit Spielmacherin Mama Bölk, gefürchtet für ihre Schlagwürfe, triumphieren mit 22:21 nach Verlängerung gegen Dänemark. Ein Handball-Krimi. „Wir haben uns das nochmal komplett reingezogen“, sagt Tochter Emily Bölk.

Startschuss für bessere Zeiten

Am Freitag beginnt die Zukunft, die WM in Deutschland. Sie soll ein Startschuss sein für bessere Zeiten der deutschen Damen, „es wäre ja überragend, wenn ich in Mamas Fußstapfen treten könnte“, sagt Emily Bölk. Doch allzu nah will sie diesen Gedanken nicht an sich heranlassen. Die DHB-Auswahl geht als ambitionierter Außenseiter in das Turnier, und „Emmy“, wie ihre Mitspielerinnen sie rufen, spricht zwar selbstbewusst, kess und auffallend reif für ihr junges Alter. Mit übergroßen Erwartungen will sie sich aber nicht beladen. „Wir müssen das Drumherum ausblenden und dürfen die Aufmerksamkeit nicht als Druck empfinden, sondern müssen sie als positiven Antrieb ansehen.“ Für den großen Wurf müsste alles passen.

Bölk junior gilt als das größte Talent im deutschen Handball, mehr als einmal hat sie Artikel über sich gelesen, in denen von einem „Wunderkind“ die Rede ist. Mit 16 Jahren debütierte sie für den Buxtehuder SV in der Bundesliga, 40 Tage nach ihrem 18. Geburtstag spielte sie erstmals für die Nationalmannschaft. „Als Beagle (Bundestrainer Michael Biegler, d. Red.) mir vor eineinhalb Jahren beim Besuch in Buxte gesagt hat, dass er mich in die A-Mannschaft hochziehen will, habe ich gedacht: ,Welcher Film läuft hier denn?‘“ Überrascht sei sie gewesen, ganz ehrlich.

Emotionaler Mensch

So ganz hat sich Bölk noch nicht gewöhnt an die große Bühne. Es sei „total krank“, wie schnell ihr „dieser verrückte Aufstieg“ gelungen sei, sie empfinde es nach wie vor als „Lob und Privileg“, wenn sie für die DHB-Auswahl auflaufen dürfe. Sie ist ein emotionaler Mensch. „Ich muss mich immer noch zusammenreißen bei der Nationalhymne, dass ich nicht anfange zu heulen.“

Im linken Rückraum möchte die 1,82 Meter große Rechtshänderin „immer ans Limit gehen“ und „dem Team helfen“, mit ihrer Handlungsschnelligkeit und Wurfkraft. Nicht nur beim Schlagwurf, Mamas Spezialität, will sie sich verbessern, auch im Passspiel, in der Abwehr. Überhaupt sei sie ihre größte Kritikerin. Die Vorschusslorbeeren, die ihr umgehängt werden? „Darauf bilde ich mir nichts ein. Ich bin sehr schnell unzufrieden mit mir.“

Bestmögliche Veranlagung

Genetisch bringt sie die bestmögliche Veranlagung mit, auch die Oma war ja schon Nationalspielerin, sie selber ist quasi in der Handball-Halle aufgewachsen. Doch ohne ihren Ehrgeiz wäre sie heute nicht im Kader der Besten. Während der Abiturphase hatte sie „keine Zeit für nichts“, als andere feierten hat sie trainiert oder regeneriert. Ihr Jahr im Ausland, das Gleichaltrige gerne in der Sonne am anderen Ende der Erde verbringen, hat sie nach Dänemark geführt. In ein Handball-Internat.

Vielleicht denkt Emily Bölk an diese Blitzkarriere und ihre Entbehrungen, wenn am Freitag um 19 Uhr vor dem Eröffnungsspiel die Hymne gespielt wird. Vielleicht denkt sie daran, dass sie als kleines Kind gerne Mamas Goldmedaille in der Hand gehalten hat. Am Willen und an Unterstützung soll es nicht mangeln. Die Familie ist vor Ort, und für das Finalwochenende in Hamburg sind Tickets bestellt. Gleich im Zehnerpack.

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