Spanischer Neuzugang verspricht viele Tore - und neue Besucher im Westfalenstadion

BVB-Handball-Frauen

Spaniens Torschützenkönigin Jennifer Gutiérrez Bermejo ist für Linksaußen-Spielerin Bogna Sobiech zu den BVB-Frauen gekommen. Die Spanierin überrascht mit ganz besonderen Deutsch-Kenntnissen.

Dortmund

, 21.08.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Neuzugang Jennifer Gutiérrez Bermejo hat ihren Trainer in der Vorbereitung bisher von sich überzeugt.

BVB-Neuzugang Jennifer Gutiérrez Bermejo hat ihren Trainer in der Vorbereitung bisher von sich überzeugt. © Ludewig

Jennifer Gutiérrez Bermejo ist die Konzentration anzusehen – die Knie leicht gebeugt, der Körper angespannt, die Augen zusammengekniffen. Dann sprintet die Spanierin los – genau im richtigen Moment – und fängt den Pass, der eigentlich bei ihrer Gegenspielerin ankommen sollte, ab. Der gerade mal 1,69 Meter große BVB-Neuzugang – nur Kelly Vollebregt ist mit 1,67 Meter noch kleiner – sprintet in wenigen Sekunden über das ganze Feld, springt noch vor der Neun-Meter-Linie ab, zeigt im Sprung die Zähne und hämmert den Ball in die lange untere Ecke.

Das einzige, was die neue Linksaußen der BVB-Handballerinnen im Testspiel gegen Nottwill aufhalten kann, sind ihre langen, braunen Haare. Immer wieder muss die spanische Nationalspielerin und Vizeweltmeisterin sich mit den verharzten Händen durch das Gesicht streichen. „Ich habe schon versucht, meine Haare zu flechten, aber der Zopf schlägt mir ins Auge, und das tut richtig weg“, erklärt Gutiérrez. Dass ihre Haare nach jedem Training und jedem Spiel voll mit Harz sind, ist der Spanierin egal, „das muss man ertragen, wenn man lange Haare haben will.“

So konsequent wie mit ihrem Aussehen ist die 25-Jährige auch auf dem Feld. Nicht umsonst wurde die Linksaußen-Spielerin, die bis zum Sommer für CBM Elche auflief, in der abgelaufenen Saison zur wertvollsten Spielerin der spanischen Liga gewählt – genau diese spanische Power soll Gutiérrez in der nächsten Saison für den BVB auf die Platte bringen.

André Fuhr über Jennifer Gutiérrez: „Eine überragende Spielerin“

Jennifer ist eine überragende Spielerin mit großen technischen Qualitäten“, lobt André Fuhr seinen neuen Schützling. Die Lücke, die Bogna Sobiech auf der linken Seite der Borussinnen hinterlassen hat, werde Gutiérrez zu 100 Prozent schließen können, ist sich der BVB-Trainer sicher. Auch Andreas Bartels schwärmt von der Rechtshänderin: „Jennifer gehört für mich zu den drei besten Linksaußen in ganz Europa“, so der stellvertretende Abteilungsvorstand.

Ihre neuen Teamkolleginnen, hier Johanna Stockschläder (l.) und Jennifer Rode, helfen Jennifer Gutiérrez (r.) auch beim Deutsch lernen.

Ihre neuen Teamkolleginnen, hier Johanna Stockschläder (l.) und Jennifer Rode, helfen Jennifer Gutiérrez (r.) auch beim Deutsch lernen. © BV. Borussia 09 e.V. Dortmund

Schon jetzt in der Vorbereitung lässt die Spanierin keinen Zweifel daran, dass sie in der kommenden Spielzeit eine der Top-Scorerin des BVB werden kann – nicht nur von außen, auch durch schnelle Gegenstöße und Siebenmeter trifft Gutiérrez, die in der Saison 2019/2020 beste Torschützin der spanischen Liga war (131 Tore in 16 Spielen). Und auch neben dem Feld zeigt sich der Ehrgeiz der 25-Jährigen: Die Tochter zweier Spanier, die in der Schweiz geboren wurde, arbeitet aktuell noch an ihrem Uni-Abschluss in Sportwissenschaften.

Und natürlich an ihrem Deutsch. Verstehen kann die Handballerin ihren Trainer und ihre neuen Kolleginnen schon sehr gut, „aber ich muss noch öfter sprechen“, erklärt Gutiérrez in perfektem Schwyzerdütsch. Bis zum sechsten Lebensjahr lebte die neue BVB-Spielerin in der Schweiz. Dann kehrten ihre Eltern, die zuvor zum Studieren und Arbeiten ausgewandert waren, mit ihr und ihrer Schwester wieder zurück nach Spanien.

Jennifer Gutiérrez hat keine Kommunikationsprobleme in Dortmund

Kein Wunder also, dass man bei den vorsichtigen Deutsch-Versuchen der Vizeweltmeisterin von 2019 das Gefühl hat, einer waschechten Schweizerin gegenüber zu sitzen. Kommunikationsprobleme gibt es aber nicht, „im Training fragen immer alle, ob ich die Anweisungen verstanden habe und erklären es mir notfalls nochmal“, so Gutiérrez, die sich in Deutschland nicht nur an die Sprache gewöhnen muss.

Auch der Handball hier sei anders als in der spanischen Heimat. „Hier wird viel körperlicher gespielt und viel öfter mit Rückraum-Würfen gearbeitet“, erklärt die 25-Jährige, die in Spanien für Elche, Fertilidas Málaga und Atlético Guardés gespielt hat, „daran muss ich mich gewöhnen“. Trotzdem geht die flinke Außenspielerin, die sich ihre Position beim BVB mit Johanna Stockschläder teilt, zuversichtlich in die Saison.

„Wir sind zwar alle sehr jung, aber wir haben ein richtig gutes Team“, so Gutierrez, die mit Tina Abdulla und Torhüterin Isabell Roch in einer Fahrgemeinschaft zum täglichen Training fährt. Viel Zeit für anderes bleibt bei der intensiven Vorbereitung auf die anstehende Saison mit Bundesliga, Pokal und Champions League auch gar nicht.

Gutiérrez und ihre Familie wollen unbedingt ins Westfalenstadion

Und wenn Gutiérrez dann doch mal ein wenig Luft hat, arbeitet die 47-fache Nationalspielerin an ihrem Uni-Abschluss – viel gesehen hat die Rechtshänderin deshalb noch nicht von ihrer neuen Heimat. „Ich war aber schon am Phönixsee und in der Innenstadt, das hat mir gut gefallen“, erzählt Gutiérrez, die keine Probleme mit der deutschen Kultur habe, die sei fast so wie in Spanien. „Nur das Wetter ist anders“, schiebt die Handballerin hinterher und lacht. Obwohl, die vergangenen Sommer-Wochen seien in Ordnung gewesen.

Jennifer Gutiérrez Bermejo fühlt sich wohl in Dortmund.

Jennifer Gutiérrez Bermejo fühlt sich wohl in Dortmund. © Ludewig

Und auch trotz des Wetters können Freunde und Familie des BVB-Neuzugangs es kaum erwarten, Gutiérrez in Dortmund zu besuchen. „Die wollen alle unbedingt mal ins Fußballstadion“, erzählt die 25-Jährige grinsend. Das wolle sie selbst natürlich auch, sobald die Corona-Pandemie es wieder zulasse. „Überall in der Stadt sieht und hört man vom BVB, das ist wirklich cool.“ Aber – so ein großer Fußballfan ist die Spanierin gar nicht. „Ich spiele lieber Handball.“

Dass sie das nicht nur gerne, sondern auch richtig gut macht, zeigt die Spanierin schon in der Vorbereitung. Schielt Gutiérrez bei den starken Voraussetzungen, die sie mitbringt, denn auch in Deutschland auf den Titel der besten Spielerin der Liga? „Das wird, glaube ich, schwer, aber natürlich träumt man davon.“ Was Gutiérrez aber viel lieber wäre: „Wenn wir eine richtig gute Saison spielen und am Ende Meister werden.“ Völlig egal, ob ihre langen braunen Haare danach voll mit Harz sind.

Corona-Tests negativ
  • Alle Spielerinnen sowie der Staff der BVB-Handballerinnen wurden am Freitag ein zweites Mal auf das Coronavirus getestet.
  • Wie schon am Montag waren alle Tests negativ.
  • Die Handball-Frauen sind daraufhin am Freitagabend wieder mit dem normalen Mannschaftstraining gestartet.
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