"Wir planen für die erste Liga"

DORTMUND Am Sonntag beschließen Borussia Dortmunds Frauen mit dem Top-Spiel gegen den SV Garßen-Celle die Hinrunde in der 2. Bundesliga. Andreas Heiermann, 2. Vorsitzender der Handball-Abteilung wagt vor dieser Begegnung einen Rückblick auf die ersten Monate im Unterhaus, aber auch einen Ausblick über den Tellerrand.

von Interview von Thomas Rellmann

, 08.01.2008, 18:40 Uhr / Lesedauer: 3 min
"Wir planen für die erste Liga"

Andreas Heiermann ist immer in "Sachen Schwarzgelb" aktiv.

Sie waren als Fußballer ein harter Vorstopper. Wann kam die Karrierewende zum Handball-Funktionär? Heiermann: Das werde ich oft gefragt. Ich schaue schon lange jedes Heimspiel aus Interesse und war auch mit dem alten Vorstand befreundet. Im Oktober 2006 hat Dr. Rauball mich dann angesprochen. Und ich bereue es nicht. Teamsport bleibt eben Teamsport.

Wer ist pflegeleichter? Handballer oder Fußballer? Heiermann: Fußballer würde ich sagen. Vielleicht ist es auch eine Geschlechterfrage. Fußballer hinterfragen nicht alles, dafür kann man aber auch mal härtere Kritik äußern.

Überwog die Freude über das Pokal-Los 1. FC Nürnberg oder der Ärger, dass das Final Four so wohl Utopie ist? Heiermann: Ehrlich gesagt wäre mir eine lösbare Aufgabe lieber gewesen.

Wie lautet Ihr Zwischenfazit? Heiermann: Wir sind sehr zufrieden, bis auf den Aussetzer in Halle (28:29, d. Red.). Ich musste auch meine Meinung revidieren. Es ist unglaublich schwer gegen die meisten Zweitligisten zu spielen. Fest steht aber auch: Bei einem Aufstieg müssen wir uns steigern. Das hat man gegen Oldenburg gesehen. Nach regulärer Spielzeit hatten wir einen Punkt, das wäre in der 1. Liga gegen eine Mannschaft aus dem unteren Mittelfeld zu wenig.

Was macht es so schwer, Sponsoren für die Handball-Abteilung zu gewinnen? Heiermann: Es ist ja nicht nur der Handball. Fragen Sie mal beim SVD (Basketball, d. Red.) oder EHC (Eishockey). Vieles ist in Dortmund auf den Fußball fokussiert. Manchmal fühle ich mich da im Stich gelassen. Es gäbe genug Unternehmen, die uns problemlos helfen könnten. Das ist auch ein Frage von Verantwortung, denn das Geld würde in die Jugendarbeit fließen.

Wohin konkret? Heiermann: Wir hatten vor Jahre eine sehr gute Nachwuchsförderung. Da wollen wir wieder hin. Am liebsten mit Ex-Borussinnen im Boot, etwa eine Franziska Heinz. Aber gute Ausbildung kostet natürlich.

Trotz des Abstiegs ist die Halle noch recht voll, es gibt sogar eine Fangruppierung ... Heiermann: Mit den Zuschauerzahlen bin ich noch nicht ganz zufrieden. Aber es kommen nun mehr Leute der Emotionen wegen. Unsere Truppe ist sympathisch, es gibt Identifikationsfiguren. Das könnte der Grund sein. Die Stimmung der Fans ist für die Spielerinnen fantastisch.

Zu welchem Ergebnis führte die Analyse der Vorsaison? Heiermann: Unsere ersten Acht waren sicher bundesligatauglich, aber insgesamt war der Kader zu klein. Aber das ist Vergangenheit.

Zur Gegenwart: Wer ist aktuell die Positiv-Überraschung? Heiermann: Steffi Glathe. Sie hat sich ihre hohen Spielanteile redlich verdient. Aber auch eine Manuela Fiedel führt die Truppe sehr professionell. Enttäuscht hat keine.

Mitte der Hinrunde forderten sie eine attraktivere Spielweise. War das Kalkül? Heiermann: Es hat mir auf jeden Fall Kritik der Mannschaft eingebracht. Aber ich stehe dazu. Ich habe das mit dem Gedanken an die Fans begründet. Wir haben den Eintritt nicht gesenkt, darum sind alle verpflichtet, immer 100 Prozent zu geben. Ich denke, das Recht habe ich.

Thomas Happe konterte mit dem Hinweis, er müsse auch den Nachwuchs integrieren. Heiermann: Nachvollziehbar, ja. Sportlich und taktisch fehlt mir sicher auch die Kompetenz. Trotzdem halte ich es für wichtig, sich hier und da einzumischen, auch was die Trainingsquantität und -intensität betrifft.

Was ist der große Trumpf des BVB im Aufstiegskampf? Heiermann: Ich bin überzeugt, dass wir aufsteigen, wenn wir verletzungsfrei bleiben. Welche Mannschaft der 2. Liga kann es sich leisten, eine Zuzana Porvaznikova oft auf der Bank zu lassen?

Wie sieht der Plan aus, falls die Rückkehr nicht gelingt? Heiermann: Stand heute gibt es da keinen. Wir planen für die 1. Liga. Bis Ende Januar wollen wir mit allen Spielerinnen sprechen. Nächste Woche beginnen die Gespräche mit potenziellen Neuen. Und die sollen möglichst aus der näheren Region kommen.

Für welche Positionen? Heiermann: Die erste Sieben ist gut genug. Was wir brauchen, sind Ergänzungen, jede Position muss doppelt besetzt sein. Genauso wichtig ist aber, dass der aktuelle Kader bleibt. Fast alle Verträge laufen im Sommer aus.

Wie sähen weitere Schritte nach dem Aufstieg aus? Heiermann: Mir schwebt ein Drei-Jahres-Plan vor. Die erste Saison in der 1. Liga ohne Zittern beenden, so weitere Sponsoren finden, dann bleiben wir auch für den Gesamtverein interessant. Fernziel ist es, sich wieder im oberen Drittel zu etablieren. Ein anderer Aspekt ist: In der nächsten Saison soll der Trainer der 1. Mannschaft für das System aller Teams bis in die Jugend verantwortlich sein. Ein Konzept aus einem Guss, inklusive Scouting. Mit Thomas Happe laufen dazu schon Gespräche.

Was war Ihr Saisonhighlight? Heiermann: Das gab‘s schon vor der Saison. Dass alle Schlüsselspielerinnen geblieben sind.