Marco Rose (Mitte) ist seit 100 Tagen BVB-Trainer. © RHR-FOTO
Borussia Dortmund

100 Tage Marco Rose: Warum der BVB-Trainer „Der Bessermacher“ ist

100 Tage Marco Rose bei Borussia Dortmund: Viele Spieler sind unter dem neuen Trainer aufgeblüht, sein Spielstil ist klar erkennbar. Eine Sache bleibt ein Thema für die kommenden Wochen.

Die Magnettafel ist in diesen ersten Wochen immer mit dabei. In jeder Sitzung, auf dem Trainingsplatz, bei den ersten Testspielen. Marco Rose hat viel zu erklären, denn er steht in Dortmund im Sommer vor einer Mammutaufgabe. Neuer Klub für ihn, neuer Trainer für die Spieler, verbunden mit einer auch neuen Philosophie – aber mehr als ein Dutzend Nationalspieler, die sich ihm erst im letzten Drittel der sechswöchigen Vorbereitung vorstellen und tröpfchenweise aus dem EM-Urlaub zurückkehren.

Beim BVB erkennt man nach 100 Tagen die Handschrift von Marco Rose

Nach 100 Tagen Rose bei Borussia Dortmund lässt sich sagen: Trotz der Hindernisse ist viel von dem, was der neue Cheftrainer seiner Mannschaft vermitteln möchte, im Spiel des BVB schon erkennbar. Die schwierige erste Saisonphase hat Rose gemeistert.

Der neue Mann ist in den ersten Wochen an allen Ecken gefordert. Er trainiert eine Gruppe von Spielern, in der nur die wenigsten zum engen Profikader zählen. Aber es gilt, auch diese Zeit zu nutzen und diese Spieler fit zu machen für die Art und Weise, wie er Fußball spielen lassen möchte. Längst nicht alles läuft reibungslos. Die ersten Verletzungen stellen sich schnell ein, nicht jeder Nachzügler kann seine Rückstände wie geplant aufarbeiten.

BVB-Coach Rose ist um Lösungen bemüht

Rose nimmt die Dinge, wie sie sind. „Er ist mit dieser Situation herausragend gut umgegangen, er hat sich nie beschwert, war kreativ und hat nach immer Lösungen gesucht“, sagt Lizenzspieler-Leiter Sebastian Kehl im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. „Mir imponiert seine Herangehensweise, er hat klare und starke Prinzipien, die er von Tag eins an der Mannschaft auch vermittelt hat.“

Mutig will Rose spielen lassen, aktiv, natürlich auch offensiv und modern. Aber Marco Rose sagt an seinem ersten offiziellen Tag auch einen Satz, der aufhorchen lässt: „Die Art und Weise, wie wir spielen wollen, gibt die Mannschaft punktuell mit vor.“ Übersetzt heißt das so viel wie: Rose will seine Idee vom Fußball und letztlich auch sein System größtmöglich mit den Stärken der Spieler in Einklang bringen, die im Kader stehen.

Das war bei seinem Vor-Vorgänger noch anders. Lucien Favre war ein absoluter Verfechter von Spielkontrolle. Sie stand über allem und prägte Favres taktisches Denken, passte aber zunehmend nicht zu den Stärken der Spieler.

Marco Rose will und muss die BVB-Abwehr stabilisieren

Auch Rose hatte auf dem Zettel, dass Borussia Dortmund in der vergangenen Saison „zu viele Gegentore bekommen hat, um vielleicht ganz oben mit dabei sein“. Die Abwehr zu stabilisieren, das ist der Punkt auf seiner umfangreichen To-do-Liste, wo Rose nach nun 100 Tagen erkennbar noch am meisten Arbeit vor sich hat. Erst in zwei Pflichtspielen blieb die Borussia ohne Gegentor. In den meisten Fällen kompensierte die Offensive das durch eine Torproduktion, die schon den höchsten Ansprüchen genügt. Aber nicht immer.

Rose hat auch in Dortmund schnell umgesetzt, wofür er schon in Salzburg und in Mönchengladbach stand: Der BVB spielt schnell und mutig, er presst hoch und schaltet nach Ballgewinnen oft schnell um. Es ist aber kein bedingungsloses Stürmen um jeden Preis. Der 45-Jährige hat sich die „Fußball-DNA“ vieler Spieler zunutze gemacht. Sie entscheiden auf dem Platz, Rose am Rand hat „nur“ die Oberaufsicht, die er nutzt, um immer wieder Impulse zu geben.

BVB-Coach Rose spielt gerne mit der Raute

Im Grundsatz funktioniert der „Rose-Fußball“, den Marco Rose selbst so nicht nennen möchte, schon sehr gut. Rose hat sein Lieblingssystem, das 4-4-2 mit Mittelfeld-Raute, in Rekordzeit implementiert. Aus dieser Grundformation greift er auch auf Varianten zurück. Dortmund kann – auch innerhalb der Spiele – auf ein 4-2-3-1 oder 4-3-3 umschwenken. „Gute und kreative Lösungen in Ballbesitz“, wie Sportdirektor Michael Zorc Roses Spielweise umschrieben hat, sind in Dortmund schon häufig zu sehen. Er würde es mögen, sagt Rose über den von ihm bevorzugten Stil, „wenn es auf dem Platz abgeht“.

Viele Spieler sind unter dem neuen Trainer aufgeblüht. Die Entwicklung von Thomas Meunier, Mahmoud Dahoud, Manuel Akanji oder auch Julian Brandt ist positiv, der nächste Schritt soll nun folgen. Noch mehr Konstanz, auf gleichbleibend hohem Niveau, dann ist mit dieser Mannschaft vieles möglich.

100 Tage Rose, das heißt auch, dass viele Dinge gerade erst angeschoben sind, dass idealerweise bei jedem Dortmunder Spieler auch noch Luft nach oben ist. „Die Entwicklung ist sicher noch nicht zu Ende, aber das war aufgrund der schwierigen Vorbereitung nicht anders zu erwarten“, sagt Kehl. Rose selbst findet, „dass wir das unter den Umständen, der Erwartungshaltung und all das, was auf uns eingeprasselt ist, sehr gut hinbekommen haben.“

Da gibt es kaum Widerspruch. Deutlichster Beleg für den reibungslosen Start Roses: Über seinen Vorgänger Edin Terzic, im Klub und bei den Fans gleichermaßen geschätzt, fällt kaum noch ein Wort.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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