Absage an Fan-Rückkehr: Logische Entscheidung oder vertane Chance?

hzPro und Contra

Der Polit-Gipfel bringt kaum gute Nachrichten für die Bundesliga und den BVB. Bis mindestens Ende Oktober finden die Spiele weiter ohne Fans statt. Ist diese Entscheidung nachvollziehbar?

Dortmund

, 27.08.2020, 18:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Fußball-Bundesliga wird bis mindestens Ende Oktober vor leeren Zuschauerrängen spielen müssen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder einigten sich am Donnerstag darauf, dass eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien in den kommenden beiden Monaten einen Vorschlag für den Umgang mit Fans bei bundesweiten Sportveranstaltungen erarbeiten soll. Wir diskutieren: Ist die Entscheidung der Politik nachvollziehbar?


Pro: Keine Sonderrolle - Fußball muss solidarisch sein (Von Dirk Krampe)

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Als der BVB kürzlich in Altach zwei Tests gegen österreichische Bundesligisten spielte, hätte man sich als Fußball-Fan eigentlich freuen können. Getestet wurde auf den Rängen auch die Rückkehr der Fans in die Stadien. Denn die Liga des Nachbarlandes möchte bei ihrem Start in die neue Saison wieder Teile der Tribünen für Fans freigeben.

Der deutsche Profifußball wird zunächst ausgebremst

Nicht nur bei mir aber gab es diese Freude nicht. Das Gefühl, das vorherrschte, war eher: großes Unbehagen. Auf den Zuwegungen zu den Tribünen und an den Verkaufsständen nahm es nicht jeder so genau mit der Pflicht zum Tragen des Mund-Nase-Schutzes. Und von ausreichendem Sicherheitsabstand auf den zugewiesenen Plätzen konnte nicht immer die Rede sein.

Während die Österreicher aber bei einem sehr niedrigen Infektionsniveau weiter ihre Pläne vorantreiben, wurde der deutsche Profifußball am Donnerstag zunächst ausgebremst. Trotz eines noch einmal überarbeiteten Konzepts, trotz der Erkenntnis, dass DFL und DFB im Mai und Juni einen sehr guten Job und überaus deutlich gemacht haben, jetzt für jede Variante einer Fan-Rückkehr bereit zu sein.

Anreise des Fans lässt sich nur schwer überwachen

Trotz der verständlichen Sehnsucht nach Stimmung im Stadion und auch der wirtschaftlichen Komponente, die damit einhergeht, ist die Entscheidung folgerichtig. Wenn weiter gilt, dass der Fußball keine Sonderstellung für sich beanspruchen will, darf es keine Ausnahme geben, wenn andernorts Großveranstaltungen reihenweise gekippt werden.

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Ohnehin ist für die Klubs nur sicher kontrollierbar, was vor und im Stadion passiert. Die Anreise der Fans lässt sich deutlich schwerer überwachen. Allein der Appell, mit eigenen PKW anzureisen, wird nicht ausreichen. Die steigenden Infektionszahlen zeigen zudem, dass es mit der Vor- und Einsicht der Menschen nicht mehr überall weit her ist - und dass das Eigeninteresse bei manchem stärker ausgeprägt ist als der Gemeinsinn.

Der Fußball darf keinen eigenen Weg gehen

Genau darum aber geht es. Der Fußball darf keinen eigenen Weg gehen. Nur mit gemeinsamer Bereitschaft zu vorsichtigem Handeln kann dieses Virus im Zaum gehalten werden. Wie es ab November weitergeht, hat jeder Einzelne selbst in der Hand.

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Politik verschiebt Fan-Rückkehr: Logische Entscheidung oder vertane Chance?

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Contra: Chance vertan - Politik zeigt kein Vertrauen (Von Sascha Staat)

Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Kollektivstrafe, diese Entscheidung der Politik. Damit werden auch diejenigen für ein Fehlverhalten bestraft, die sich selbst nichts haben zu Schulden kommen lassen. Zum Beispiel die Fußballfans, die nicht in den Partyurlaub auf Mallorca geflogen sind, sondern stattdessen den Sommer im heimischen Garten verbracht haben. Oder etwa die Verantwortlichen der DFL rund um Christian Seifert, die sich in den vergangenen Monaten sowohl demütig als auch innovativ präsentiert haben.

Den Vereinen droht ein nervenaufreibendes Geduldsspiel

Und verlässlich. Denn wie gut das Hygienekonzept der Bundesliga ab Mai funktioniert hat, ist mehr als nur ausreichend nachgewiesen. Die Folge war kein einziger positiver Fall in der Bundesliga seit der Fortsetzung Ende Mai. Warum daher so eine vehemente Absage? Warum eine Absage an alle, die nicht am Ballermann Sangria aus Eimern getrunken oder in Berlin ohne Rücksichtnahme demonstriert haben? Gerade jetzt, wo die Welle der Urlaubsrückkehrer mit dem Ende der Ferien abnimmt, hätte ein Zeichen gesetzt werden können. So droht den Vereinen, deren Mitarbeitern und den im Umfeld tätigen Personen wieder ein nervenaufreibendes Geduldsspiel.

Durch ihre Entscheidung nimmt die Politik nicht nur dem Fußball die Chance, sich erneut zu beweisen. Sie nimmt auch anderen Sportarten eine wichtige Chance. Der Fußball hat im Gegensatz zu den auch extrem betroffenen Hallensportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey die finanziellen Möglichkeiten, um als eine Blaupause zu dienen. Daran hätten sich andere orientieren können, auch die Veranstalter von Konzerten.

Die DFL ist der Politik maximal entgegengekommen

Mit dem vorgelegten Konzept ist die DFL der Politik so sehr entgegengekommen, wie es nur möglich war. Mit Spielen ohne Auswärtsfans, ohne Stehplätze und mit personalisierten Tickets. Niemand wäre gezwungen worden, sich dem minimalen Risiko einer Infektion auszusetzen. Die Entscheidung der Politik ist daher nicht nur fragwürdig, sondern vor allem nicht nachvollziehbar.

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