Zeitspiel

Aufstiegskrimi im Westfalenstadion: Als Lothar Huber den BVB in die Bundesliga schoss

Vier Jahre lang spielte der BVB zweitklassig - dann kam die Chance zur Bundesliga-Rückkehr. Heute vor 45 Jahren stieg der Aufstiegskrimi im Westfalenstadion gegen Nürnberg. Unser Zeitspiel.
BVB-Spieler Lothar Huber (l.) gegen Nürnbergs Rudolf Sturz am 23. Juni 1976 im Dortmunder Westfalenstadion. © imago (Archiv)

36 Jahre nach dem Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse musste Borussia Dortmund 1972 den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Vier Jahre später hatten die Schwarzgelben allerbeste Chancen, wieder ins Oberhaus aufzusteigen – der Showdown stieg am 23. Juni 1976 zu Hause im zwei Jahre zuvor eröffneten Westfalenstadion an der Strobelallee.

Der BVB gewinnt das Hinspiel in Nürnberg spät mit 1:0

Eine gute Ausgangssituation hatte sich der BVB unter dem neuen Trainer Otto Rehagel schon eine Woche zuvor erarbeitet. Als Tabellendritter der Regionalliga Nord trat die Borussia am 17. Juni 1976 zum ersten Entscheidungsspiel zum Aufstieg in die Bundesliga im Frankenstadion gegen den legendären 1. FC Nürnberg an. Der gut eingestellte BVB arbeitete sich im Verlaufe des Spiels mehrere klare Chancen heraus, aber erst fünf Minuten vor Schluss markierte der großartige Egwin „Ede“ Wolf das verdiente 1:0 für seine Borussia. Die Entscheidung um den Wiederaufstieg fiel dann sechs Tage später.

Otto Rehhagel vertraute mit Bertram, Huber, Schwarze, Nerlinger, Ackermann, Mirko Votava, Hartl, Kasperski, Wolf, Schildt und Geyer der gleichen Elf, die bereits in Nürnberg siegreich gewesen war. Also spielte der BVB zunächst wieder ohne „Zauberer“ Zoltan Varga, der auf der Auswechselbank Platz nahm.

BVB-Linksaußen Peter Geyer spielt mit Gehirnerschütterung weiter

Von der ersten Minute an entwickelte sich unter der Leitung von Schiedsrichter Biwersi ein Aufstiegskrimi von außergewöhnlicher Klasse und Qualität. Beide Teams spielten am Limit ihres Leistungsvermögens und ließen es auch an leidenschaftlichem Einsatz nicht mangeln.

Nürnbergs Dieter Nüssing und Dortmunds Helmut Nerlinger reichen sich die Hand, dahinter Schiri Biwersi. © Repro: Kolbe © Repro: Kolbe

Ein Leidtragender der teilweise harten Gangart wurde BVB-Linksaußen Peter Geyer. Er ging nach einem Zusammenprall mit Nürnbergs Verteidiger Rüsing regelrecht K.o. Trotz einer leichten Gehirnerschütterung spielte er zunächst weiter und erzielte sogar das 1:0. Danach war aber Schluss für Geyer, der ins Krankenhaus gebracht werden musste. Für ihn kam in der 35. Minute Varga, der Rastelli unter den Fußballern. Die 1:0-Führung und die Unterstützung der 54.000 Zuschauer beflügelten die Borussen zusätzlich und stärkten die Moral.

Lothar Huber trifft in letzter Minute für den BVB

In der Halbzeitpause schwor Rehhagel seine Truppe förmlich auf die zweiten 45 Minuten ein. Nürnbergs Trainer Hans Tilkowski musste allerdings ähnlich agiert haben, denn seine Elf stürmte nach dem Wiederanpfiff mit dem Mut der Verzweiflung. Nach genau einer Stunde Spielzeit belohnte Petrovic den Club mit einem unhaltbaren Freistoßtor. 1:1!

Nürnberg witterte Morgenluft und griff weiter an, der BVB offenbarte Abwehrprobleme. Aber Rehhagel auf der BVB-Trainerbank behielt einen klaren Kopf. Burghard Segler kam für „Ede“ Kasperski. Die erneute Führung der Hausherren durch Hannes Hartl (75.) egalisierte Sturz in der 80. Spielminute. Rehhagel agierte jetzt ununterbrochen an der Seitenlinie, beorderte den flinken Rechtsverteidiger Huber gestenreich nach vorn. Und genau dieser Lothar Huber markierte in der sprichwörtlich letzten Minute das 3:2 für den BVB und beantwortete damit endgültig die Frage nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga.

Für den BVB endet eine vierjährige Leidenszeit

Nach dem Schlusspfiff lag sich alles, was schwarzgelb war – Spieler, Trainer und Verantwortliche – in den Armen. Die Fans stürmten das Stadion, sanken in die Knie und zelebrierten am Anstoßkreis einen unvergesslichen Aufstiegsjubel. Der BVB war wieder erstklassig. Die vierjährige Zeit in der fußballerischen Diaspora war endgültig beendet – und der BVB seither nie wieder abgestiegen.

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