Beleidigung im Revierderby: BVB-Torjäger Haaland hat nichts verstanden

Borussia Dortmund

BVB-Torjäger Erling Haaland hatte die mutmaßliche Beleidigung gar nicht verstanden. Schalkes Verteidiger Jean-Clair Todibo erinnert sich nicht. Und der Beweis geht in einem Rauschen unter.

Dortmund

, 03.06.2020, 19:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Torjäger Erling Haaland (l.) im verbalen Zweikampf mit Schalkes Jean-Clair Todibo.

BVB-Torjäger Erling Haaland (l.) im verbalen Zweikampf mit Schalkes Jean-Clair Todibo. © Ralf Ibing/firo Sportphoto/POOL

Mit Lärm und Stille verhält es sich speziell: Man bemerkt sie manchmal erst, wenn sie fehlen. Die teils gespenstische Ruhe in den Bundesliga-Stadien vermittelt den wenigen zugelassenen Beobachtern ein völlig anderes Szenario als gewohnt. Für die Spieler und Trainer bringt die fehlende Geräuschkulisse Vor- und Nachteile.

DFB hatte mit mehr Fällen von Beschimpfungen gerechnet

Als hilfreich beschreiben die Fußballer, dass auch die Mitspieler ihre Kommandos hören, die sich nicht in unmittelbarer Nähe aufhalten. Den Trainern eröffnet sich die Gelegenheit, ihre Hinweise und Korrekturen ungestört aufs Feld zu rufen - mit dem Risiko, dass der Gegner natürlich ebenso jedes Wort verstehen kann. TV-Zuschauer wundern sich höchstens, dass sich die taktischen Anweisungen auf Bundesliga-Niveau („Raus“, „Leo“) wenig von denen auf Kreisliga-Ebene unterscheiden. Überraschenderweise dringt auch wenig Unerwünschtes nach außen.

Die Schiedsrichter und der Deutsche Fußball-Bund hatten insgeheim damit gerechnet, dass mehr Fälle von Beschimpfungen und Beleidigungen, dann eben nicht von den Fangesängen überlagert, in die Mikrofone am Spielfeldrand getragen würden. Ähnlich wie bei Spielen in den Frauen-Bundesliga oder in unteren Amateurklassen, wo verbale Entgleisungen, aus der Emotion heraus getätigt, für jedermann gut hörbar über den Rasen hallen.

BVB-Torjäger Haaland gerät mit Schalkes Todibo aneinander

Ein spezieller Fall ereignete sich beim ersten Geisterspiel-Revierderby Anfang Mai: Schwarzgelb gegen Königsblau, ein emotionaler Re-Start, auch ohne die elektrisierten 81.365 Fans im Stadion. Nach 23 Minuten, es gab einen Eckball für Borussia Dortmund, geriet BVB-Torjäger Erling Haaland mit Schalkes Jean-Clair Todibo aneinander. Wie zuerst die „Daily Mail“ entschlüsselt haben wollte, beschimpfte Verteidiger Todibo Stürmer Haaland auf Französisch mit den Worten „F*** deine Großmutter“. Unmittelbar danach schritt Todibos Mannschaftskollege Salif Sane ein, der als Senegalese mit Französisch aufgewachsen ist, und trennte die beiden Streithähne.

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Bei entsprechendem Lärm wäre die Beleidigung untergegangen, so wurde sie publik. Auch der Kontrollausschuss des DFB bekam Wind von der Sache. Die beiden beteiligten Spieler wurden zur Sache befragt, die Tonaufnahme als mögliches Beweismittel geprüft.

Haaland gegen Todibo - DFB verzichtet auf ein Verfahren

Doch zu einem offiziellen Verfahren kam es nach Informationen der Ruhr Nachrichten anschließend nicht. BVB-Angreifer Erling Haaland gab an, die französischen Worte von Todibo gar nicht verstanden zu haben. Schalkes Todibo wiederum erklärte, er könne sich gar nicht mehr erinnern, was er da gesagt habe. Und weil am Ende der Beschimpfung die Tonqualität der Aufzeichnung abnimmt, so das Ende des Gesprächsfetzens in einem Rauschen untergeht und nicht mehr eindeutig verständlich ist, verzichtete die Sportgerichtsbarkeit auf ein Verfahren gegen Todibo.

Andernfalls hätte ihm wohl wegen grob unsportlichen Verhaltens eine Sperre für mehrere Spiele gedroht. Als verbaler Täter - und als ein spezieller Fall eines Corona-Opfers.

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