Börsengang vor 20 Jahren war für den BVB Fluch und Segen zugleich

BVB-Aktie

Als erster deutscher Fußballklub geht Borussia Dortmund am 31. Oktober 2000 an die Börse. 11 Euro kostet die BVB-Aktie zum Ausgabewert. Dann beginnt die Talfahrt.

Dortmund

, 30.10.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am 31.10.2000 ging der BVB an der Börse. Die damaligen BVB-Chefs Manager Michael Meier (l.) und Präsident Gerd Niebaum (r.) posierten an diesem Tag mit BVB-Schal vor der Frankfurter Börse.

Am 31.10.2000 ging der BVB an der Börse. Die damaligen BVB-Chefs Manager Michael Meier (l.) und Präsident Gerd Niebaum (r.) posierten an diesem Tag mit BVB-Schal vor der Frankfurter Börse. © dpa

Dass Borussia Dortmund den Börsengang plante, erfuhr Thomas Treß aus der Tagesschau. Er, damals längst nicht so wie heute BVB-Finanzgeschäftsführer, sondern fernab des Fußballs tätig, stutze zunächst und fragte sich, was dieser „Blödsinn“ denn nun solle.

Der Ausgabekurs der BVB-Aktie lag bei 11 Euro

Heute, exakt 20 Jahre nachdem sich die Schwarzgelben als erster deutscher Fußballklub an den Aktienmarkt begaben, sieht Treß den Vorgang differenzierter. „Der Börsengang war Fluch und Segen zugleich“, meint er mit Blick auf die vergangenen zwei Dekaden. Anlässlich des runden Jubiläums schauen die Ruhr Nachrichten zurück. Eine Reise durch die Vergangenheit:

Am 31. Oktober 2000 vollzieht der BVB, angeführt von Präsident Dr. Gerd Niebaum, den radikalen Schritt. Der Börsengang bringt auf Anhieb 130 Millionen Euro; die Aktien, Ausgabekurs elf Euro, gehen zu knapp 70 Prozent an institutionelle Anleger. Und Niebaum? Der frohlockt. Es sei die „zweite Geburt“ des Traditionsklubs, jauchzt er. Manager Michael Meier, ebenfalls glückselig an diesem Tag, spricht davon, „in Steine und Beine“ zu investieren. Denn die Börse soll die nächsten sportlichen Erfolge der Borussia finanzieren. Das ist klar. Der „Tagesspiegel“ titelt: „Das Spiel mit der Aktie beginnt.“

Nach der Meisterschaft 2002 geht es für den BVB bergab

Es ist ein wildes, schwer berechenbares Spiel. Schon am ersten Handelstag schließt die Aktie knapp 8,5 Prozent unter dem Ausgabewert; der Börsenwert sinkt um 13 Millionen Euro. Doch Niebaum und Meier klotzen, investieren in ihre Fußballmannschaft – und häufen immer mehr Ausgaben an. 2002 wird der BVB Meister, danach aber bleibt der Erfolg aus. Die Borussia gerät in eine Abwärtsspirale, die Folgen sind drastisch: Der Schuldenberg wächst, der Aktienwert sinkt. Toxische Verhältnisse.

Jetzt lesen

Hans-Joachim Watzke, damals Schatzmeister, sagt mehrere Jahre später: „Bis Ende 2003 wusste ich, dass es nicht gut aussah, aber komplette Einsicht hatte ich nicht.“ Und: In „keinem Gremium“ habe es „auch nur annähernd eine Mehrheit“ gegeben, „die der Geschäftsführung kritisch gegenüberstand. Ich war sowohl im Vorstand des e.V. wie auch im Beirat fast komplett isoliert.“

Als Watzke übernimmt steht der BVB vor der Insolvenz

2004 wird die Luft dann wirklich dünn. Auf der Bilanzpressekonferenz muss der BVB Verbindlichkeiten von mehr als 100 Millionen Euro vermelden. Das Management spricht plötzlich von einer existenzbedrohenden Situation. Im Februar 2005 übernimmt Watzke – und kann mit seinem Team die Insolvenz abwehren. Gerade so.

2009 sinkt der Kurs auf den bisherigen Tiefststand, beträgt gerade mal 80 Cent. Als „Ramschpapier“ bezeichnet es der „Kicker“. Doch dann geht es unter Jürgen Klopp aufwärts. Er entwickelt ein Team, das Freude macht und den Aktienkurs steigen lässt. 2012 wird erstmals eine Dividende ausgeschüttet. 2014 verkündet Watzke, dass der Klub keine Finanzverbindlichkeiten mehr hat.

Der BVB an der Börse: Neue Sorgen in der Corona-Krise

Unter anderem drei Kapitalerhöhungen und der Rückkauf des Stadions machen den BVB krisenfest. Das zeigt sich 2020, als die Corona-Pandemie hereinbricht. Der Aktienkurs halbiert sich, liegt aktuell bei circa 4,20 Euro. Und doch bleiben Dortmunds Macher insgesamt optimistisch. Watzke betont: „Die Liquidität, die wir uns besorgt haben, ist auch weit über die Saison hinaus vorhanden.“

Die Borussia, zu deren Kommanditaktionären inzwischen unter anderem Evonik, Signal Iduna und Puma gehören, will kraft ihrer sportlichen Performance attraktiv sein. Für die Fans, aber auch für Sponsoren und Anleger, die wegen der Folgen der Coronakrise in diesem Jahr keine Dividende ausgezahlt bekommen. „Das Spiel mit der Aktie“ bleibt wild und schwer berechenbar.

Lesen Sie jetzt