Brandt mit Licht und Schatten beim 2:2 gegen Argentinien - Balerdi bleibt Debüt verwehrt

Länderspiel

Das DFB-Team macht’s wie der BVB: Trotz einer 2:0-Führung reicht es gegen Argentinien nur zu einem 2:2. Julian Brandt erlebt einen durchwachsenen Abend, Leonardo Balerdi muss weiter warten.

Dortmund

, 09.10.2019, 22:43 Uhr / Lesedauer: 3 min
Brandt mit Licht und Schatten beim 2:2 gegen Argentinien - Balerdi bleibt Debüt verwehrt

BVB-Neuzugang Julian Brandt erlebte einen Abend mit Licht und Schatten. © dpa

Zweieinhalb Jahre hat der Deutsche Fußball-Bund einen Bogen um das Dortmunder Westfalenstadion gemacht, dabei hat die Fußball-Nationalmannschaft im größten deutschen Stadion doch in der regulären Spielzeit noch nie ein Spiel verloren. Diese Serie hielt auch am Mittwochabend im prestigeträchtigen Test gegen den WM-Finalgegner von 2014, Argentinien. Eine DFB-Elf, wie sie vielleicht nie wieder so zusammenspielen wird, sorgte vor der spärlichen Kulisse von nur 45.100 Zuschauern mit erfrischendem Kombinationsfußball zumindest in den ersten 45 Minuten für einen kurzweiligen Abend. Zum Sieg reichte es am Ende nicht, weil Argentinien die zweite Hälfte klar bestimmte.

Kein Weltmeister von 2014 in der Startelf

Die Freiburger Luca Waldschmidt und Robin Koch bildeten die Debütanten Nummer 102 und 103 in der Trainer-Ära von Joachim Löw, der auch am Spieltag selbst nicht von personellen Hiobsbotschaften verschont geblieben war. Der Berliner Niklas Stark fiel mit einem Magen-Darm-Infekt aus, Leverkusens Jonathan Tah (grippaler Infekt) reiste vorzeitig nach Hause. Das spülte den 23-jährigen Freiburger Innenverteidiger Koch, der am Montag erst nachnominiert worden war, gleich in die deutsche Anfangsformation.

Jetzt lesen

Erstmals seit dem Triumph von Rio nominierte Löw eine Startelf, in der kein Weltmeister von 2014 mehr zu finden war. In Manuel Neuer saß der für die Oktober-Länderspiele einzig verbliebene Weltmeister zumindest auf der Bank.

Gnabry trifft sehenswert zum 1:0

In der Absagenflut sah Löw „eine Chance für andere, sich zu beweisen“, und gegen ein argentinisches Team mit mindestens so vielen Nobodys gelang das durchaus eindrucksvoll. Man musste sich zunächst gewöhnen an die jungen, unverbrauchten Gesichter: Koch agierte als Mittelmann der Fünferkette, flankiert von den erfahrenen Niklas Süle und Emre Can. Waldschmidt bildete mit Gnabry und Julian Brandt den Dreiersturm. Dahinter gestattete Löw einen Blick in die Zukunft: Deutschlands wohl größtes Talent, Leverkusens Kai Havertz , besetzte mit Joshua Kimmich die Zentrale.

Brandt mit Licht und Schatten beim 2:2 gegen Argentinien - Balerdi bleibt Debüt verwehrt

Wurde geschont: BVB-Kapitän Marco Reus (l.). © imago

Dortmunds Brandt war gewillt, sich in seinem Heim-Stadion zu präsentieren. Ein erster Schuss zwang den Argentinier Augustin Marchesin zu einer Fußabwehr (14.). In der Folge gelang ihm allerdings längst nicht alles, bei seiner zweiten guten Aktion vor dem gegnerischen Tor rutschte er an einer Flanke knapp vorbei.

Havertz trifft erstmals für das DFB-Team

Eine Minute nach seinem Schuss zeigte das 1:0, wie diese Elf Fußball spielen wollte: Nach gegnerischen Ballverlusten ging es in höchstem Tempo nach vorne - wie sich Torschütze Gnabry nach der Hereingabe von Lukas Klostermann um drei Argentinier drehte und aus spitzem Winkel einschob, das war sehenswert.

Der zweite Treffer fiel nach ähnlichem Muster: Waldschmidt eroberte den Ball, dann ging es schnell auf den auffälligen Gnabry, dessen Flachpass in die Mitte Havertz trocken vollstreckte - der erste Treffer im DFB-Trikot für den Leverkusener (23.). Marcel Halstenberg verpasste mit einem tollen Freistoß-Schlenzer an die Latte das mögliche 3:0 (31.). Auch Argentinien, in deren Kader der Dortmunder Leonardo Balerdi ebenso fehlte wie der gesperrte Lionel Messi, prüfte das Aluminium nach dem beherzten Schuss von Rodrigo de Paul (33.).

Brandt erlebt Heimspiel mit Licht und Schatten

Das Niveau flachte dann nach der Pause deutlich ab, bis Lucas Alario, gerade erst eingewechselt, alle wieder aufweckte mit seinem Aschlusstreffer zum 1:2 (66.). Debütant Koch unterlief dabei eine Flanke, Leverkusens Offensivspieler konnte unbedrängt einköpfen. Löw brachte daraufhin in Nadiem Amiri und Schalkes Suat Serdar die Neulinge 104 und 105, Brandt und Gnabry durften mit Szenenapplaus die Bühne verlassen. Für Dortmunds Brandt war es ein Heimspiel mit Licht und Schatten.

Jetzt lesen

Nicht immer gelang es der deutschen Elf nun, sich dem energischerem Pressing der Argentinier mit klaren Aktionen zu entziehen. Links hatte Halstenberg einige Mühe mit Roberto Pereyra, im Zentrum bekam die Dreierreihe aus Can, Koch und Süle die nun deutlich zielstrebiger kombinierenden Argentinier nicht konsequent verteidigt. Es ging vogelwild in die Schlussviertelstunde, auch mit einigem Glück bei schlecht ausgeführten Befreiungsschlägen.

Mit einem 2:2 kennen sie sich in Dortmund aus

Entlastung nach vorne gab es nur noch selten, weil im Zentrum die schnellen Brandt und Gnabry als Ballschlepper in die Spitze fehlten. Spät belohnten sich die Südamerikaner mit dem Ausgleichstreffer, Lucas Ocampos profitierte von einem Ballverlust von Suat Serdar (85.). Das passte irgendwie: Mit einem 2:2 nach 2:0-Führung kennen sie sich in Dortmund schließlich aus.

Lesen Sie jetzt