Brisanz auf mehreren Ebenen: Thomas Tuchels „sehr besondere“ Rückkehr zum BVB

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Thomas Tuchel ist als Paris-Trainer zurück in Dortmund. Das Wiedersehen mit der Borussia ist auf mehreren Ebenen brisant - trotzdem schwärmt er von seiner Zeit beim BVB.

Dortmund

, 17.02.2020, 20:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die besondere Konstellation dieses Loses Paris Saint-Germain ist im Pressezentrum im Signal Iduna Park schon zu spüren, bevor der Hauptdarsteller der Pariser Medienrunde überhaupt erscheint. Rappelvoll ist es, kaum ein Sitzplatz bleibt frei, und vorm Podium stehen ein Dutzend Fotografen und lauern auf das beste Bild von Thomas Tuchel.

Zwischen Tuchel und dem BVB ist viel Porzellan zu Bruch gegangen

Tuchel geht um 18.24 Uhr durch die Tür, durch die er am 20. Mai 2017 letztmals als BVB-Trainer hinausgegangen ist. Nach einem 4:3 gegen Werder Bremen, eine Woche vor dem Pokalsieg gegen Eintracht Frankfurt, der seinen Job nicht mehr retten konnte. Weil in den Monaten zuvor zu viel Porzellan zu Bruch gegangen war. Im Verhältnis zu seiner Mannschaft, vor allem im Verhältnis zur sportlichen Führung um Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

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BVB gegen Paris: So lief der Tag vor dem Spiel

Tuchels Gesicht umspielt ein leichtes Grinsen, als er mit federndem Schritt das Podium erklimmt. Seine athletische, zu Dortmunder Zeiten fast schon Besorgnis erregend dünne Figur hat sich der Asket auch in Frankreich bewahrt, wo die Gaumenfreuden reichlich und die Versuchungen groß sind. Von Nervosität keine Spur beim 46-jährigen Trainer, die erste Rückkehr an den Ort, den er trotz sportlich erfolgreicher Jahre wenig ruhmreich verlassen musste, weckt keine offensichtlichen Emotionen.

Tuchel will keine schmutzige Wäsche mit dem BVB waschen

In seinem Innern aber sehe das ganz anders aus, sagt Tuchel, der den deutschen Journalisten in Deutsch, den französischen in nahezu perfektem Französisch antwortet. „Aufregende Jahre“ habe er in Dortmund gehabt, es sei ein „schönes Gefühl, jetzt wieder hier zu sein, aber es ist auch komisch.“ Für ihn sei die Rückkehr „sehr besonders, aber es geht ja letztlich nicht um mich. Am Ende spielen wir hier ein Fußball-Spiel, das wir erfolgreich bestreiten wollen.“

„Am Ende spielen wir hier ein Fußball-Spiel, das wir erfolgreich bestreiten wollen.“
Thomas Tuchel

Tuchel hat sich das zum Motto gemacht für die zwei Tage, die er zurückkehrt an die Stätte sportlicher Erfolge und zwischenmenschlicher Probleme. Es ist nicht die Zeit, schmutzige Wäsche zu waschen, das könnte ihn und seine Mannschaft ablenken. Denn auch sportlich ist dieses Wiedersehen mit Borussia Dortmund voller Brisanz.

Nachdem Paris drei Mal in Serie im Achtelfinale der Champions League gescheitert ist, zwei Mal unter dramatischen Umständen, wird in diesem Duell mit dem BVB darüber entschieden, wie Tuchels Arbeit in der französischen Hauptstadt bewertet wird. Scheitert Paris, könnte das dazu führen, dass die katarischen Geldgeber den Daumen senken - und Tuchel wäre seinen Job los.

Thomas Tuchel schwärmt von seiner Zeit beim BVB

Darüber will der deutsche Trainer natürlich nicht reden. Er schwärmt lieber von der Zeit beim BVB. Ein „Traum“ sei es gewesen, Trainer der Borussia zu sein, „für die zwei Jahre bin ich sehr dankbar.“ Viele Gesichter habe er wiedererkannt, „viele haben sich gefreut, mich zu sehen. Ich habe mich gefreut, alle wiederzusehen.“

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Thomas Tuchel: "Aufregende Jahre in Dortmund"

Auf das unschöne Ende nach nicht mehr zu kittenden Differenzen zwischen ihm und Hans-Joachim Watzke geht er mit keinem Wort ein. Tuchel spricht lieber über die große Herausforderung, die das Pariser Gastspiel bietet: „Ich kenne dieses Stadion, ich weiß noch, wie ich bei meinem ersten Heimspiel als BVB-Trainer zehn Minuten wie erstarrt war, weil die Energie spürbar, weil es eine Atmosphäre zum Zerschneiden war.“ Intelligent müsse seine Mannschaft spielen, „sich nicht von den Emotionen übermannen lassen, was fast unmöglich ist in diesem Stadion.“ Die besten Spieler würde allerdings auszeichnen, dass sie genau in diesen Situationen „das Beste aus sich herausholen.“

Thomas Tuchel: zuversichtlich, eloquent und meinungsstark

Tuchel wirkt zuversichtlich, gewohnt eloquent und meinungsstark. Mit seinen rhetorischen Fähigkeiten zieht er den ganzen Raum in seinen Bann. Doch auf dem Platz müssen es seine Spieler für ihren Coach richten. Besonders thematisieren will er die besondere Atmosphäre im Signal Iduna Park nicht. „Ich könnte reden, reden, aber das wird sie nicht darauf vorbereiten. Sie müssen es spüren.“ Tuchel weiß, wovon er spricht. Seine Lobeshymne auf das Stadion und die Mannschaft der Borussia, die „superstark im Gegenpressing und Umschalten“ sei, ist der einzige Hinweis auf eine gewisse Enttäuschung über das Ende einer besonderen Trainerstation.

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