BVB-Abwehrchef Mats Hummels: Das hat nichts mit der Trainerposition zu tun

Borussia Dortmund

BVB-Abwehrchef Mats Hummels kritisiert nach dem Desaster gegen Paderborn die einfachen Ballverluste im Dortmunder Spielaufbau. An einer Trainerdiskussion will sich der Routinier nicht beteiligen.

Dortmund

, 23.11.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Abwehrchef Mats Hummels: Das hat nichts mit der Trainerposition zu tun

BVB-Abwehrchef Mats Hummels fand nach dem 3:3 gegen Paderborn klare Worte. © dpa

Wie lassen sich die ersten 45 Minuten gegen Paderborn erklären?

Erstmal mit zu billigen Gegentoren. Drei Konter bzw. lange Bälle, wo sie uns einfach davonlaufen. Ganz simpel. Das war die einfachste Art von Fußball und unser ganz großes Problem - einfache Ballverluste. Wir verlieren Bälle in Situationen, in denen der Gegner nicht mal Druck auf uns ausübt. Das ist unser größtes Manko. Auch sonst war nicht viel Gutes dabei.


Läuft, wie beim 0:2 zu sehen, alles schief, was irgendwie schief laufen kann?

Ja, aber wir haben das Pressing in der ersten Halbzeit nicht hundertprozentig durchgezogen. Respekt an Paderborn, wie sie das gemacht haben. Sie haben wirklich mit Ruhe da raus gespielt und haben sich von unserem nicht guten Pressing nicht beeindrucken lassen, sondern sind da ruhig geblieben. Dann hatten sie in allen drei Szenen, die zu den Toren geführt haben, einen Geschwindigkeitsvorteil. Das waren heute viele Mankos in der ersten Halbzeit. Es fällt schwer, da gute Sachen zu finden. Das war in fast allen Belangen viel zu wenig von uns und das wissen wir auch. Ich glaube nicht, dass jemand mit irgendeinem anderen Gefühl hier rausgeht.

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Nach dem Spiel in München hatten Sie eine Menge gutzumachen. Wie ist dann so ein Auftritt zu erklären?

So wie ich es gerade gesagt habe.


Hat es denn in der Pause ein reinigendes Gewitter gegeben?

Erstmal hat der Trainer gesagt, dass wir aus dem Spiel noch nicht

raus sind. Wir müssen nur ein Tor schießen und dann kommen wir wieder rein. Dann entwickeln wir vielleicht auch nochmal diese Dynamik, um das zu schaffen. Ich fand die Unterstützung der Fans in der zweiten Halbzeit heute bemerkenswert, weil wir auch nach dem 1:3 Phasen hatten, wo es nicht so gut funktioniert hat, obwohl wir wollten. Trotzdem war immer wieder der Support da und ist wieder aufgekeimt. Das hat uns noch geholfen, um am Ende die Tore zu machen und ganz elementar war natürlich, dass wir auf ein 4-1-4-1 umgestellt haben. Mit dem Ball und gegen den Ball hat uns das sehr geholfen.


Marco Reus sagte, dass die Mannschaft nicht wisse, wie sie richtig Pressing spielen müsse. Wie sehen Sie das?

Sagen wir so, wir tun uns im 4-1-4-1 leichter. Ich belasse es dabei.


Es gab auch Pfiffe, nach einer Viertelstunde, auch zur Pause ...

Die gab es heute zurecht. Die müssen wir nicht wegdiskutieren. Die gab es absolut zurecht. Nach dem Abpfiff kann man auch pfeifen. Ein 3:3 nach einem 0:3 ist immer etwas wert, aber im Gesamtkontext kann man auch die Pfiffe nach Spielende nachvollziehen.

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Die Bilder der Bundesliga-Partie zwischen Borussia Dortmund und dem SC Paderborn. © dpa
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Die Fehler wiederholen sich in dieser Saison. Warum kommen Sie nicht von der Stelle?

Weil sich jeder bewusst sein muss, dass das wichtig ist und diese Fehler der Mannschaft viel kosten. Ich rede vor allem von einfachen Ballverlusten und von Unkonzentriertheit. Und von Situationen, wo man ohne Druck den Ball dem Gegner in den Fuß oder ins Aus spielt. Davon haben wir einfach zu viele. Ich war jetzt drei Jahre in München und da wird es ganz groß geschrieben, dass das nicht passiert. Es ist ein absolutes Qualitätsmerkmal für Topmannschaften, dass man einen Gegner mit dem Ball kontrolliert und dominieren kann. Das schaffen wir überhaupt nicht, weil wir ihn immer viel zu leicht hergeben.


Muss der Mannschaft immer erst das Wasser bis zum Hals stehen, um besser zu spielen?

Das lässt sich aktuell nicht ganz von der Hand weisen.


Es scheint ja auch kein fußballerisches Problem zu sein, wenn man die eklatanten Unterschiede zwischen den beiden 45 Minuten sieht.

Wir können das schon. Das ist Konzentration, Fokussierung. Manchmal sind es auch inhaltliche Dinge, wenn man sieht, dass wir uns nach der Umstellung von 4-2-3-1 auf 4-1-4-1 leichter getan haben. Aber Konzentration und Fokus auf die relevanten Dinge im Fußball sind bei allem Talent, das wir haben, ganz wichtig.


Es stehen ausreichend erfahrene Spieler auf dem Platz. Warum gelingt es ihnen nicht, den Rest der Mannschaft mitzureißen?

Es ist nicht so, dass wir nicht auch Fehler machen würden. Ich glaube, dass wir das als Mannschaft insgesamt machen. Das kann man nicht von den Alten abwenden und auf die Jungen abwälzen.

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Aber die Führungsspieler sind zumindest gefordert.

Das versuchen wir. Manchmal klappt es, manchmal nicht.


Sehen Sie das Saisonziel gefährdet?

Über große Dinge muss ich jetzt nicht reden. Schauen wir mal, wie sich alles bis zur Winterpause noch entwickelt und auch danach.


Es wurde nicht nur gepfiffen, sondern einige Fans haben auch die Entlassung des Trainers gefordert. Was sagen Sie dazu?

Das habe ich nicht gehört und das hat jetzt auch keinerlei Relevanz für mich. Wir müssen einfach besser spielen. Wir auf dem Platz sind es definitiv, die diese Fehler machen. Da sage ich ganz deutlich, dass das nichts mit der Trainerposition zu tun hat, wenn wir einfach ohne Druck die Bälle herschenken.

Aufgezeichnet von Jürgen Koers in der Mixed Zone.
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