Raphael Guerreiro zeigt beim BVB-Sieg in Freiburg seine große fußballerische Klasse. Unter Lucien Favre ist der Portugiese aufgeblüht. Ob Borussia Dortmund ihn über 2020 hinaus halten kann?

Dortmund

, 24.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Als Marco Reus jubelnd abdrehte nach seinem Treffer zum vorentscheidenden 2:0 in Freiburg, da ging sein gestreckter linker Arm sofort in Richtung des Spielers, der ihm dieses Tor ermöglicht hatte.

Guerreiro hebelt die komplette Abwehr aus

Dieser Pass, zeigte die Geste von Reus an Raphael Guerreiro an, war kein x-beliebiger. Er war außergewöhnlich, vom Erkennen des Laufwegs des Dortmunder Kapitäns bis hin zur perfekten Ausführung. Guerreiro hebelte mit diesem einen Ball die komplette Abwehrkette der Freiburger aus. Der Rest war für Reus Formsache.

Der große Applaus gebührte nach dem Dortmunder 4:0 zunächst anderen. Reus, der zwei Treffer vorbereitete und Guerreiros Pass dann eiskalt veredelte. Oder Jadon Sancho, der erneut traf und seiner märchenhaften Saison im Wochenrhythmus neue Kapitel hinzufügt. Aber auch Guerreiro war ein Mosaikstein des Erfolgs. Es war ein Spiel, in dem der in Frankreich aufgewachsene Portugiese einmal mehr seine außergewöhnlichen fußballerischen Fähigkeiten zeigte.

Die Sprache des Trainers als Schlüssel zum Erfolg

Guerreiro ist auf jeden Fall einer der Spieler, die vom Trainerwechsel im vergangenen Sommer profitiert haben. Das mag auch an der Sprache liegen, denn Lucien Favre kann ihm seine Vorstellungen von Fußball und seine Aufgabenstellungen auf dem Platz in Französisch deutlich detaillierter vermitteln.

Das liegt aber vor allem an zwei weiteren Aspekten: Guerreiro hat seinen Spiel-Rhythmus gefunden, weil er endlich weitgehend verletzungsfrei ist. Und Favre lässt ihm zudem relativ viele Freiheiten.

Geurreiro war in Freiburg überall zu finden

Das ist ein Punkt, aus dem der 25-Jährige eine Menge zu machen weiß. Nominell agierte der Linksfuß auf der linken Offensiv-Seite. Die Rochade mit Jadon Sancho ist ein Standardvorgehen, also tauchte er auch rechts auf. Man sah ihn aber auch als Hilfe von Marius Wolf beim Verteidigen der rechten Abwehrseite, man sah ihn im Zentrum, wie bei der Vorarbeit zum 2:0, als er mit Tempo von rechts in die Mitte zog. Man sah ihn eigentlich überall.

„Raphael braucht diese Freiheiten“, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc, dem der starke Auftritt des Portugiesen natürlich behagte. „Er hat es sehr gut gemacht.“ Auch Zorc sieht einen Schlüssel darin, Guerreiro ein Höchstmaß an eigenverantwortlichem Handeln zuzugestehen und seiner großen Spielintelligenz zu vertrauen. „Er ist kein Spieler“, sagt Zorc, „den man in ein starres Schema pressen sollte.“

Tuchel erkannte Potenzial für andere Aufgaben

Geholt eigentlich als Alternative für die linke Abwehrseite, die er in Portugals Nationalteam bekleidet und auf der er der breiten Öffentlichkeit beim EM-Triumph der Portugiesen 2016 erstmals so richtig auffiel, erkannte schon Thomas Tuchel das Potenzial des nur 1,70 Meter großen Mittelfeldspielers für andere Aufgaben.

„Er ist kein Spieler, den man in ein starres Muster pressen sollte.“
Michael Zorc

Er sei „viel zu gut für nur eine Position“, hat Tuchel mal über Raphael Guerreiro gesagt, es war auch mehr als nur ein Gerücht, dass der Ex-Trainer des BVB diesen Spieler gern nach Paris geholt hätte.

Vertragsgespräche mit dem BVB laufen

Wie heiß dieses Thema im Sommer werden könnte, hängt von der Entwicklung der Gespräche der Borussia mit Guerreiro über eine Vertragsverlängerung ab. „Die Gespräche laufen“, bestätigt Zorc, er sagt bewusst nicht, dass er optimistisch ist, was eine Ausdehnung des noch bis 2020 laufenden Vertrags angeht.

Auch Hans-Joachim Watzke hat kürzlich das Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit bekräftigt, Guerreiro habe unter Favre „eine sehr gute Entwicklung genommen“, hat Watzke gesagt. Mit seinen 25 Jahren wird der Portugiese ausloten, welcher Schritt für ihn der Beste ist. Szenen wie die vor dem 2:0 in Freiburg dürften das Interesse an seiner Person nicht geringer werden lassen.

Lesen Sie jetzt