BVB-Anführer Can hat klare Ziele: „Ich will einfach nur Titel gewinnen“

hzBorussia Dortmund

Emre Can spielt erst seit einem halben Jahr für den BVB, aber er ist auf Anhieb einer der Anführer bei Borussia Dortmund geworden - und spricht mit Blick auf die neue Saison Klartext.

Bad Ragaz

, 14.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Emre Can muss nicht lange überlegen, die Antwort sprudelt förmlich aus ihm heraus. „Wir müssen die entscheidenden Spiele gewinnen“, sagt der Nationalspieler im exklusiven Gespräch mit den Ruhr Nachrichten auf die Frage, was in der neuen Spielzeit beim BVB besser werden müsse. „Ich glaube, wir lernen da gerade sehr viel mit unserer jungen Mannschaft. In den entscheidenden Momenten kommt es sicherlich auch darauf an, wer es mehr will. Da machen wir Fortschritte und müssen sie auch machen. Ich finde, es war mehr drin in der vergangenen Saison, auch wenn ich erst seit einem halben Jahr hier bin.“

Emre Can will mit Borussia Dortmund den maximalen Erfolg

In der Partie gegen Bayern München in der Rückrunde (0:1) oder beim Aus in der Champions League in Paris (0:2) sei man eigentlich auf Augenhöhe gewesen, sagt der 26-Jährige, „aber die letzten Prozent haben am Ende gegen uns entschieden“. Deshalb müssten er und seine Kollegen den maximalen Erfolg in der neuen Saison „vielleicht noch ein bisschen mehr wollen, damit wir diese Spiele nicht verlieren, sondern gewinnen“. Das solle bitteschön nicht falsch rüberkommen, die Rückrunde sei unter dem Strich gut gewesen, aber: „Ich bin davon überzeugt, dass es noch besser geht. Das gilt auch für mich persönlich: Es war okay, aber ich habe noch Luft nach oben.“

Can, das wird schnell deutlich, wenn man sich mit ihm unterhält, ist niemand, der zweiten Plätzen irgendetwas abgewinnen kann. Er sagt Sätze wie: „Ich will einfach nur Titel gewinnen, der Rest ist für mich nicht wichtig.“

BVB-Mittelfelspieler Emre Can: „Manchmal ein bisschen nervig“

In Borussia Dortmunds Chefetage dürften solche Aussagen wohlwollend zur Kenntnis genommen werden. Can ist wohl das, was heutzutage Mentalitätsspieler genannt wird, schon Horst Hrubesch nannte ihn zu gemeinsamen Zeiten in der U21 einen „Anführer“, auch wenn Can es „manchmal ein bisschen nervig“ findet, dass er in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem auf seine mentale Stärke reduziert wird. „Ich hätte nicht für so große Vereine gespielt, wenn ich nicht mit dem Ball umgehen könnte. Manchmal wird das vielleicht ein bisschen vergessen.“

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Im Alter von 15 Jahren wechselte der gebürtige Frankfurter von der Eintracht ins Internat des FC Bayern München, wurde Profi, und landete über die Stationen Bayer Leverkusen, FC Liverpool und Juventus Turin im vergangenen Winter beim BVB. Viel Eingewöhnungszeit benötigte er nicht, Can wurde auf Anhieb wichtig für Trainer Lucien Favre, der vor allem Cans Flexibilität schätzt. „Wir haben ihn verpflichtet, weil wir wissen, dass er auf jeder Position - ob Mittelfeld oder Abwehr - spielen kann. Es ist sehr wichtig für uns, ihn zu haben“, sagt Favre. Auch Sportdirektor Michael Zorc unterstreicht die Vielseitigkeit des Spielers: „Seine Flexibilität macht ihn aus und war für uns ein Grund, tiefer in die Tasche tun greifen und ihn zu verpflichten.“

Can sieht seine Vielseitigkeit als Vorteil für den BVB

25 Millionen Euro Ablöse hat sich Borussia Dortmund Can und dessen Vielseitigkeit kosten lassen. Der Spieler selbst sagt, dass es ihm egal sei, ob er in der Abwehr oder im Mittelfeld aufgestellt werde, ihm sei nur wichtig, „dass ich zentral eingesetzt werde, weil ich mich da viel wohler fühle als außen“. Früher habe er sich ganz klar als Mittelfeldspieler gesehen, aber das habe sich mit der Zeit geändert. „Wo genau ich der Mannschaft dann am besten weiterhelfen kann, muss der Trainer entscheiden.“

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Die bisherigen Eindrücke aus Bad Ragaz lassen den Eindruck entstehen, dass Favre sich für die Abwehr entscheiden könnte. Im ersten Testspiel der Vorbereitung gegen den SCR Altach lief Can in der Viererkette an der Seite von Dan-Axel Zagadou auf. Der Franzose muss nun allerdings wegen Knieproblemen kürzer treten und fällt erst einmal aus. Im Mittelfeld ist in Jude Bellingham ein weiterer Spieler fürs Zentrum dazugekommen, auch Thomas Delaney ist wieder voll belastbar. Can sagt: „Ich glaube, dass meine Vielseitigkeit mir eher hilft, als dass sie mir schadet.“ Da würde beim BVB wohl niemand widersprechen.

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