BVB-Boss Hans-Joachim Watzke feiert seinen 60. Geburtstag: Mit Leib und Seele ein Borusse

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BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke feiert am heutigen Freitag seinen 60. Geburtstag. Der „Höllenjob“ hat den Jubilar zu einem der einflussreichsten deutschen Sportfunktionäre gemacht. Amtsmüde ist Watzke noch lange nicht.

Dortmund

, 21.06.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Von seinem Büro in der fünften Etage der Geschäftsstelle am Rheinlanddamm aus hat Hans-Joachim Watzke den perfekten Blick auf den Signal Iduna Park, der als eins der Wahrzeichen der Stadt auf der gegenüberliegenden Seite der B1 mit seinen imposanten Pfeilern in die Höhe ragt. Die Heimstätte der Borussia wird den Geschäftsführer der KGaA immer daran erinnern, wie knapp es war. Wie nahe der drohende Gang zum Insolvenzrichter war im Frühjahr 2005, als den BVB Schulden in Millionenhöhe belasteten und allein die 17 Millionen Euro Jahresmiete für das verkaufte damalige Westfalenstadion der Borussia die Luft zum Atmen abschnürte.

Stadionrückkauf als Kernpunkt der Sanierung

Der Rückkauf des Stadions war ein Kernpunkt der Sanierung. Die Rettung gelang, das ist hinlänglich bekannt. Hans-Joachim Watzke ist das Gesicht dieses langen Kampfes. Er steht wie kein anderer für den Aufschwung, der mit der Zustimmung zum Sanierungskonzept im März 2005 seinen Anfang nahm. Heute ist der BVB hinter dem FC Bayern die klare Nummer zwei in Deutschland. Der „Höllenjob“ hat den Jubilar zudem zu einem der einflussreichsten deutschen Sportfunktionäre gemacht. Eine Karriere, die am Scheideweg begann. „Eigentlich“, hat Watzke als Gast beim „Kneipengespräch“ im Klubheim des TSV Kirchdorf/Barsinghausen im März erzählt, „hatte ich ja gedacht, dass nach sechs bis acht Wochen alles zu Ende ist und ich wieder daheim im Sauerland bin.“

„Am liebsten bin ich auf Feiern, wo ich bestimmen kann, wann ich gehe.“
Hans-Joachim Watzke

Den Geschäftsführer-Job bekommt Watzke im Februar 2005. In diesem Monat vermeldet der Klub eine „existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation“. Bis dahin hatte Watzke beim BVB nur mehrere ehrenamtliche Posten bekleidet und war vor allem Fan. Aus den vier bis sechs Wochen aber wurden 14 Jahre. Watzke blieb - und führt heute einen Fußballklub, der zudem ein mittelständisches Unternehmen mit neunstelligem Jahresumsatz und einer der größten Arbeitgeber der Region ist.

Als Borussia Dortmund vor zehn Jahren zum „50.“ von Hans-Joachim Watzke eine große Feier plante, ließ der Jubilar das Fest kurzerhand platzen. Watzke fuhr lieber nach Freiburg und sah dort der U19 der Borussia zu, die um den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft kämpfte. Watzke ist Fußball-Romantiker geblieben, auch als Funktionär, dessen Worte immense Strahlkraft haben. Er braucht den Geruch des Rasens, die Atmosphäre im Stadion, auch wenn seine Borussia es ihm dort nicht immer leicht macht. Watzke geht mit, wenn der BVB spielt. Mental und körperlich. Manche Spiele, erzählte er launig bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer im Februar, erlebe er so intensiv, „dass ich am nächsten Tag Ganzkörpermuskelkater habe“.

Watzke ist seit 25 Jahren Präsident von RW Erlinghausen

Auch als hochrangiger Fußball-Funktionär, der sich gern mit den Mächtigen dieser Welt ablichten lässt und Real Madrids Präsidenten Florentino Perez als „echten Freund“ bezeichnet, hat Watzke die Basis nicht vergessen. Der Fußball sei der Klebstoff, der die Gesellschaft zusammenhalte, findet er. Und in seinem Heimatklub RW Erlinghausen ist er seit 25 Jahren Präsident, das sei ihm „eine Herzensangelegenheit“.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke feiert seinen 60. Geburtstag: Mit Leib und Seele ein Borusse

Das „wichtigste Auswärtsspiel der Klubgeschichte“ am 14. März 2005: Hans-Joachim Watzke (r.) und Dr. Reinhard Rauball vor Beginn der Molsiris-Versammlung im Düsseldorfer Flughafen. © dpa

Watzke ist ein vehementer Verfechter von „50+1“. Investoren-Modelle, wie sie in England an der Tagesordnung sind, sind ihm verhasst. „Zynisch“ nennt Watzke es, „dass die Tickets so verteuert wurden, dass sich die Unterschicht keine Stadionbesuche mehr erlauben kann“, in der Folge aber dadurch die Abozahlen im Pay-TV explodiert wären und den Vereinen gigantische Einnahmen aus Fernsehverträgen eingebracht hätten. „Das Modell funktioniert ökonomisch, aber es schafft die Gesellschaft aus dem Stadion.“

2017 erwägt Watzke seinen Rücktritt

Watzke nennt Ross und Reiter. Es ist ihm dabei egal, ob und wie oft er aneckt. Dafür lieben ihn die einen, die anderen respektieren ihn nur. Vor zwei Jahren, nach dem Bombenanschlag, setzte ihm die Kritik so sehr zu, dass er ernsthaft einen Rücktritt erwog. Heute sprüht er mehr denn je vor Leidenschaft. Für den Job, für seinen BVB. Alle, die spekulieren, dass er nach Ende seines laufenden Vertrags im Dezember 2022 aufhören könnte, erinnert er gern an das gültige Renteneintritts-Alter.

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Eine große Feier zu seinem Geburtstag wird es auch zu seinem „60.“ nicht geben. Nicht, dass der Sauerländer Watzke nicht feiern könnte. „Aber am liebsten“, erklärte er mal, „bin ich auf Feiern, wo ich bestimmen kann, wann ich gehe.“ Dort selbst im Mittelpunkt zu stehen, ist nicht sein Ding. Da geht er lieber auf den Fußballplatz.

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