BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: „Nun schmilzt es dahin, das ist bitter“

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Die Rückkehr der Geisterspiele trifft auch den BVB hart. Hans-Joachim Watzke hält ein weiter wachsendes Millionen-Defizit für möglich. Eine Maßnahme könnte schon bald wieder Thema sein.

Dortmund

, 30.10.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein herber Tiefschlag nach einigen Wochen der Hoffnung. Eigentlich hatte der BVB wie die anderen Bundesligisten seine Bewährungszeit doch tadellos genutzt. Und es dank eines ausgeklügelten Hygienekonzepts und größer Anstrengungen vollbracht, inmitten der Pandemie sichere Spiele auszurichten. Die Infektionsgefahr im Stadion zu minimieren. Gegen Gladbach und Freiburg ließen sich in Dortmund jeweils rund 10.000 Fans auf den Tribünen unterhalten, ohne, dass das Coronavirus sich dadurch weiter ausbreiten konnte. Trotzdem ereilte die Borussia nun der Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums, der Zuschauer im Stadion bis Ende November verbietet. Was danach kommt, ist noch ungewiss.

BVB-Boss Watzke: „Das ist mir in der Diskussion zu kurz gekommen“

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„Wir können uns ja nicht von der Gesamtlage in Deutschland lösen. Die Gesundheit der Menschen geht vor. Darum haben wir diese Entscheidung zu akzeptieren“, sagte Hans-Joachim Watzke. Der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung legte im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten aber Wert darauf, dass „bislang von den Spielen in der Fußball-Bundesliga keinerlei nachweisliche Infektionsgefahr ausgegangen“ sei. „Dass der Fußball hier mit seinem Konzept eine Vorbildfunktion ausgeübt hat, ist mir in der Diskussion zu kurz gekommen“, betonte Watzke.

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Der von höchster politischer Stelle besiegelte erneute Ausschluss der Stadionbesucher für die kommenden Wochen mache es den Klubs „jetzt noch schwerer. Das kostet auch den BVB etliche Millionen Euro an Einnahmen“. Schon vor Saisonstart hatte die börsennotierte Borussia verkündet, aufgrund der Corona-Pandemie mit bis zu 75 Millionen Euro minus in diesem Geschäftsjahr zu rechnen. Allerdings waren dort zumindest 20 Prozent der Zuschauereinnahmen noch mit eingerechnet. „Momentan können wir das natürlich nicht erreichen“, sagte Hans-Joachim Watzke. Nicht auszuschließen also, dass das Minus im Sommer 2021 also noch größer ausfällt.

Borussia Dortmund ist „durchfinanziert, egal, was passiert“

Panik sei mit Blick auf die Lage des BVB zwar nicht angebracht. „Wir sind durchfinanziert, egal, was passiert“, ließ Watzke wissen. Trotzdem gestalte sich die derzeitige Finanzlage „wie ein Albtraum, den ich mir so nie hätte vorstellen können“. Sechs Jahre lang hatte der BVB zuvor exzellent gewirtschaftet, keinen einzigen Euro Schulden gemacht, Reserven angehäuft, Werte geschaffen. „Und nun schmilzt es dahin, das ist bitter.“

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Die Einsparmaßnahmen, die sich die Borussia selbst seit dem Frühjahr auferlegt hat, werden nun konsequent weitergeführt. Auch die Gehälter der Lizenzspieler könnten deshalb bald erneut zum Thema werden. Bis zum 31. Dezember gilt die Vereinbarung des BVB mit seinen Profis noch, dass diese auf zehn Prozent ihrer Bezüge verzichten. Hat die Corona-Pandemie das Land auch danach noch so wie aktuell im Geisterspiel-Würgegriff, „müssen und werden wir mit der Mannschaft sprechen, wie es mit dem Gehaltsverzicht weitergeht.“

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