BVB-Boss Watzke als Multi-Funktionär „Macht ist für mich kein Kriterium“

Redakteur
Hans-Joachim Watzke spricht in ein Mikrofon.
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke zieht auch bei der DFL die Fäden. © picture alliance/dpa
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Hans-Joachim Watzke zieht einen Schlussstrich und tritt zurück. Nach 28 Jahren als Präsident seines Heimatvereins RW Erlinghausen wird er dort im März sein Amt abgeben, verkündete er am Donnerstag. An Aufgaben wird es für den 63-Jährigen deswegen nicht mangeln, im Gegenteil. Über die Vielzahl seiner verbleibenden Posten im deutschen Fußball und darüber hinaus haben manche Fußballfans und -funktionäre dieser Tage die Nase gerümpft. Unbegründet, meint Watzke.

„Ich habe sehr viel gelesen von der Machtfülle, die ich nun innehabe“, sagte Watzke am Donnerstag bei einer Pressekonferenz der Deutschen Fußball Liga (DFL). „Das ist ein Wort, mit dem ich persönlich überhaupt nichts anfangen kann. Macht ist für mich kein Kriterium.“ De facto sitzt der BVB-Boss aktuell jedoch bei allen wichtigen Weichenstellungen im deutschen Fußball mit am Tisch und bringt seine Argumente ein. Am liebsten sind ihm die Entscheidungen, die er selbst für richtig erachtet.

Der Übersicht halber: Watzke ist seit 2005 Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, seit 2021 Vorsitzender des Aufsichtsrates der DFL und damit automatisch 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, er ist seit 2019 Mitglied im Vorstand der European Club Association (ECA) und er kandidiert im kommenden Jahr für einen Posten im Exekutivkomitee des Europäischen Fußballverbandes (Uefa).

Als Vorsitzender des DFL-Aufsichtsrats und Sprecher des Präsidiums musste Watzke am Donnerstag erklären, wie es zur Trennung von Geschäftsführerin Donata Hopfen gekommen ist. Deren Installierung als Nachfolgerin von Christian Seifert kam vor Jahresfrist unerwartet, ihre Demission hingegen nicht: Hopfen muss die DFL nach nur einem Jahr im Amt schon wieder verlassen. Seit „Wochen und Monaten“ habe ihn dieses „Thema“ immer wieder „sehr berührt“, schilderte Watzke, doch „auf beiden Seiten“ habe sich das Gefühl manifestiert, „dass es sich auseinanderentwickelt“.

Führungsriege sucht Hopfen-Nachfolger

Hopfen, als fußballfremde Frau, hat den von grauen Herren dominierten Gremien der DFL schlicht keine zustimmungsfähigen Vorschläge dafür unterbreiten können, wie die Bundesligen ihre immensen Problemstellungen bewältigen und ihre Einnahmen steigern könnten. Es geht um die Einwände des Kartellamts zu den Ausnahmen bei der 50+1-Regelung, den Grundlagenvertrag zwischen DFL und DFB, diverse Investorenmodelle, die Ausschreibung der nächsten Rechteperiode in der TV-Vermarktung, die Digitalisierung und Internationalisierung. Ein Füllhorn an Herausforderungen. Vor allem soll mehr Geld beschafft werden.

In Oliver Leki (SC Freiburg) und Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) übernehmen interimsweise bis zum nächsten Sommer zwei etablierte Fachleute aus der Liga die Geschäftsführung im Duett. Watzke vertraut ihnen, und er traut ihnen diese Aufgabe zu. „Beide bringen die absolute Fähigkeit mit. Die Entwicklung ihrer Klubs in der letzten Zeit spricht nicht nur, aber auch für ihre Arbeit“, betonte er. Beide sind zudem in die laufenden Prozesse involviert, „wir müssen sofort handlungsfähig sein“, meint der Aufsichtsratschef. Auch perspektivisch kann er sich eine Aufgabenteilung an der operativen Spitze der DFL vorstellen. Auf die Suche nach Hopfens Nachfolger macht sich im Übrigen kein Arbeitskreis und keine Personalagentur („Das Geld können wir uns sparen“), das macht die Führungsriege der Bundesliga rund um Watzke „aus dem Netzwerk heraus“. Bei der Frage, wie das Missverständnis mit Donata Hopfen überhaupt entstanden und zu erklären sei, verwies er vielsagend auf seine Vorgänger.

Watzke sieht keinen Interessenskonflikt

Multifunktionär Watzke hatte in dieser Woche allerdings noch andere Fehlentwicklungen zu diskutieren als den Innovations- und Reformstau bei der DFL. Gemeinsam mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf („Wir arbeiten sehr vertrauensvoll und gut zusammen“) mussten die Folgen des Scheiterns bei der Weltmeisterschaft in Katar verhandelt werden. Ein Aus für Bundestrainer Hansi Flick sei „nie ein Thema“ gewesen. Als erste Maßnahme wurde Oliver Bierhoff als zuständiger DFB-Direktor Nationalmannschaften aus dem Amt gedrängt. Ein Nachfolger soll gesucht werden, sobald dessen Aufgabenfeld konkretisiert wurde. „Genauigkeit geht vor Schnelligkeit, die nächste Länderspielperiode ist erst im März. Wir haben keinen Zeitdruck“, sagte Watzke. Er will an der Seite von Neuendorf „meinen bescheidenen Beitrag“ dabei leisten, „dass der deutsche Fußball aus dieser schwierigen Situation herauskommt“.

Eine Interessenskollision spüre er in seinen diversen Rollen nicht, betonte Watzke. „Es gibt nur einen deutschen Fußball, von DFB und DFL und uns allen zusammen.“ Wenn er als DFL-Funktionär gefragt sei, denke und antworte er als ein solcher. Und beim DFB habe Bernd Neuendorf das Sagen. Dessen engster Berater ist … Watzke selbst.