Vize-Meister Borussia Dortmund schwankt nach dem Ligafinale in Mönchengladbach zwischen Stolz und Enttäuschung. Die BVB-Bosse versprechen: „Wir greifen wieder an.“

Dortmund

, 19.05.2019, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kurz keimte berechtigte Hoffnung auf. Da hielten alle Schwarzgelben den Atem an, da knisterte es. Am Samstag um 16.40 Uhr fehlte dem BVB nach Frankfurts Ausgleich zum 1:1 in München nur ein weiterer Treffer der Eintracht zum Titel. Rund zwei Minuten hielt der Zustand an, zwei Minuten lang konnten Wunder wahr werden. Dann zogen die Bayern unerbittlich auf 5:1 davon. Für Borussia Dortmund langte es trotz des 2:0 in Gladbach „nur“ zum Vizemeister.

Ernüchternd. Enttäuschend. Und doch ermutigend. „Wir haben schon in den letzten Tagen gespürt: Diese Saison ist eine Verpflichtung und Motivation zugleich, im nächsten Jahr wieder anzugreifen“, sagte Michael Zorc. Der Sportdirektor schaltete kurz nach dem spannendsten Bundesliga-Finale der vergangenen Jahre nach kurzem Abwägen von Stolz über das Geleistete und Enttäuschung über der Verpasste sogleich in den Angriffsmodus. Zorc will „einen noch besseren Kader zusammenzustellen, uns qualitativ weiter verbessern. Das ist die Aufgabe der nächsten Wochen.“ Eine Kampfansage an die Liga und die Bayern, der ganz große Coup ist nur aufgeschoben.

Großer Dienst an der Bundesliga

Der Tenor am Schluss-Wochenende, an dem Dortmund den zuvor verlorenen Titel nicht mehr zurückholen konnte: Die Borussia möchte sich nicht mehr mit neun Punkten Vorsprung im Dezember zufriedengeben, was bärenstark war, oder mit zwei Minuten Spannung am letzten Spieltag, einem wahrlich großen Dienst an der Bundesliga. Der BVB will mehr. „Dass Borussia Dortmund Titel gewinnen kann, haben wir in den letzten Jahren immer wieder gezeigt“, erklärte Sebastian Kehl, „und das wird weiter unser Anspruch sein.“

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Die Fans empfangen das BVB-Team in Brackel

76 Punkte als drittbeste Ausbeute der Vereinsgeschichte hätten schon oft zur Deutschen Meisterschaft gereicht, 21 Zähler mehr als im Vorjahr bedeuten eine veritable Wiedergutmachung und gelten intern als Versprechen für eine schwarzgelb getünchte Zukunft. „Wenn wir ein Spiel mehr gewonnen hätten, wären wir Deutscher Meister gewesen“, fasste Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zusammen und ergänzte mit Blick auf den großen Rivalen aus München: „Wir werden versuchen, in den nächsten Jahren dranzubleiben. Das ist ambitioniert, aber wir versuchen es.“

„Erst am Anfang der Entwicklung“

Nichts, was dem BVB in dieser Spielzeit gefehlt hat, muss ihn im nächsten Jahr daran hindern, zur Schale zu greifen. Nicht die fehlende Erfahrung mit der Drucksituation im Titelrennen, nicht die individuellen Fehler, nicht die Patzer bei Standardsituationen und die zu vielen Gegentore in der Rückrunde. „Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung“, betonte Watzke bereits kurz nach dem Schlusspfiff in Gladbach. „Man hat auch heute gesehen, welches Riesenpotenzial in der Mannschaft steckt.“

Kein Leistungsträger soll abgegeben werden, Nationalspieler werden hinzukommen. Kapitän Marco Reus ist sicher: „Wir werden in der nächsten Saison wieder eine gute Truppe auf dem Platz haben und versuchen, bis zum Ende alles offen zu halten. Und dann, hoffentlich, Deutscher Meister werden.“

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