Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

BVB-Debüt vor 60 Jahren: Als „Max und Moritz“ mit ihren Geniestreichen die Gegner narrten

Zeitspiel

Als „Max und Moritz“ narrten sie die Gegner: Vor 60 Jahren liefen Timo Konietzka und Jürgen Schütz erstmals gemeinsam für den BVB auf. Nur in der Nationalelf lief es nicht. Unser Zeitspiel.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 23.04.2019 / Lesedauer: 4 min
BVB-Debüt vor 60 Jahren: Als „Max und Moritz“ mit ihren Geniestreichen die Gegner narrten

Jürgen Schütz (r.) und Timo Konietzka (l.) narrten vor 60 Jahren erstmals gemeinsam im BVB-Dress ihre Gegner. © imago

Zwei junge Burschen mischten in der Endphase der Oberliga-West von 1959 bis 1963 die bundesdeutsche Fußball-Landschaft gewaltig auf. Ihre Namen: Jürgen Schütz und Friedhelm „Timo“ Konietzka. Schütz aus Lütgendortmund hatte bei der dortigen Urania gemeinsam mit Bruder Werner, Konietzka beim VfB Lünen 08 das fußballerische „Handwerk“ erlernt.

Spitzname wird zum offiziellen Vornamen

Jürgen Schütz wurde von seinen Freunden nur „Charly“ gerufen, während Friedhelm Konietzka in den 1960ern seinen Spitznamen „Timo“, verliehen von Jockel Bracht im Gedenken an Kopfform und Haarschnitt des sowjetischen Admirals und Verteidigungsministers Timoschenko, sogar zu seinem offiziellen Vornamen machte und damit einem bis dato bei uns weitgehend unbekannten Jungennamen zum Durchbruch verhalf.

Ihr erstes gemeinsames Spiel in der 1. Mannschaft des BVB datiert sich auf den 22. April 1959. In einer Freundschaftspartie im Anschluss an die abgelaufene Oberligasaison trafen die Borussen in Lünen auf den dortigen VfB 08, quasi ein Ablösespiel für Konietzka, der im Jahr zuvor zum Borsigplatz gestoßen war. Zum 9:1-Sieg des BVB steuerte der Timo, damals noch offiziell Friedhelm mit Vornamen, ein Törchen bei, Jürgen Schütz blieb torlos.

„Max und Moritz“ mit Schelmereien auf dem Platz

Letzteres änderte sich in der sich anschließenden Oberligasaison 1959/60. Beide harmonierten prächtig miteinander, glänzten mit fußballerischen Tugenden wie Eleganz und Technik, würzten ihr gemeinsames Spiel mit Esprit und zahlreichen Schelmereien und hatten schon bald landauf, landab den Spitznamen „Max und Moritz.“

BVB-Debüt vor 60 Jahren: Als „Max und Moritz“ mit ihren Geniestreichen die Gegner narrten

Jürgen Schütz (vorne) und Timo Konietzka (dahinter) neben ihren Kollegen Helmut Bracht (l.) und Willi Burgsmüller (r.). © Repro Kolbe

Hier ein kleines Beispiel ihrer Streiche á la Wilhelm Busch: Im Spiel gegen Viktoria Köln am 28. Dezember 1959 leisteten sich die beiden Schelme einen fußballerischen Bubenstreich par excellence: Kurz vor Schluss bekamen die Borussen einen Elfer zugesprochen, den der Timo nicht direkt aufs Tor schoss, sondern seinem „Zwilling“ Charly diagonal zwei, drei Meter vorlegte. Schütz hämmerte ihn dann ins Tor. Verwirrung beim Schiedsrichter und an der Linie. Aber laut Regelwerk war und ist diese Elfer-Ausführung durchaus erlaubt.

Tor-Ausbeute lehrte den Gegnern das Fürchten

Die Saison 1959/60 stand im Zeichen der beiden Supertechniker, die sich auch als Torjäger einen tollen Namen machten. Der Charly kam auf sage und schreibe 31 Treffer, der Timo auf deren 27. Eine Top-Ausbeute, die praktisch allen Gegnern das Fürchten lehrte. In ihrer Zeit beim BVB erzielte Schütz 103 Oberliga- und 26 Bundesligatreffer, Konietzka 79 Oberliga- und und 42 Bundesligatore, darunter auch das erste Tor der Bundesligageschichte überhaupt.

Es war eine Augenweide, die beiden begnadeten Kicker agieren zu sehen: Technisch äußerst versiert, torgefährlich, trickreich, als Duo kaum zu erreichen, geschweige denn zu überbieten.

Nur 15 Einsätze in der Nationalmannschaft

Der DFB berief die beiden Schwarzgelben folgerichtig in die Nationalmannschaft, setzte sie dort aber nur spärlich ein. Schütz kam auf sechs, Konietzka auf neun Einsätze. Eigentlich wenig, wenn man ihre Klasse bedenkt.

BVB-Debüt vor 60 Jahren: Als „Max und Moritz“ mit ihren Geniestreichen die Gegner narrten

Für die deutsche Nationalmannschaft brachten sie es zusammen auf nur 15 Einsätze: Friedhelm „Timo“ Konietzka (v.l.) und Jürgen Schütz. Neben ihnen sind Uwe Seeler und Masseur Erich Deuser zu sehen. © imago

Nachdem das Duo 1961 mit dem BVB bereits deutscher Vizemeister geworden war, kam 1963 in der letzten Oberligasaison vor Einführung der Bundesliga der größte gemeinsame Triumph mit dem Gewinn der begehrten Silberschale im deutschen Endspiel gegen den 1. FC Köln. 3:1 gewannen die Borussen gegen den eigentlich übermächtigen Gegner aus der Domstadt.

Über Italien und München zurück nach Lüdenscheid

Danach trennten sich die Wege. Jürgen Schütz wurde der erste Italien-Export des BVB, wo er vom AS Rom verpflichtet wurde. Nach Stationen in Turin und Brescia kehrte er 1968 nach Deutschland zurück, heuerte zunächst bei München 60 an, landete dann wieder beim BVB und spielte zum Abschluss seiner ruhmreichen Karriere in der dritten Liga bei Lüdenscheid. 1995 verstarb er nach schwerer Krankheit.

Timo Konietzka blieb bis 1965 beim BVB, wurde einer der „Benfica-Helden“ und heimste 1965 mit den Schwarzgelben den ersten DFB-Pokal der Vereinsgeschichte ein. Dann folgte er seinem früheren Trainer Max Merkel zu den Münchner Löwen, wurde dort 1966 Deutscher Meister, ließ sich später in der Schweiz nieder und nahm die Staatsbürgerschaft der Eidgenossen an.

Konietzka mit Erfolgen als Spieler und Trainer

Weitere Erfolge als Spieler, später auch als Trainer, folgten. Den FC Zürich führte er zu drei Meisterschaften und Pokalsiegen. Seine Rückkehr als Fußballlehrer nach Deutschland in den frühen 1980ern verlief in Uerdingen recht erfolgreich, beim BVB hingegen musste er vorzeitig die Segel streichen.

Auch Konietzka erkrankte später schwer und nutzte 2012 die Möglichkeiten der Schweiz, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Was immer bleiben wird ist die Erinnerung an zwei großartige Kicker in Schwarz und Gelb, die in genialer Weise miteinander harmonierten und ihre Fans zu wahren Jubelstürmen hingerissen haben.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt