BVB-Defensive: Robust, gut sortiert - und nach der Pause im Tiefschlaf

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Starke Zweikampfwerte und eine gute Konterabsicherung prägen den BVB-Fußball unter Lucien Favre in der Defensive. Doch die Daten entlarven auch Schwachstellen.

Dortmund

, 25.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Sommer 2018 steht das Trainertrio mit Lucien Favre an der Spitze und seinen Co-Trainern Manfred Stefes und Edin Terzic beim BVB in der Verantwortung. Einige aussagekräftige Statistiken stehen sinnbildlich für die Dortmunder Spielweise. Im zweiten Teil beleuchten wir die Defensive:

26 bis 28 Gegentore in einer Bundesliga-Saison, das wäre eine Zielgröße, bei der Favre zufrieden wäre. Es ist lange her, dass die Schwarzgelben eine derartige Defensivstärke auszeichnete. In den beiden Meisterjahren 2011 (22 Gegentore) und 2012 (25) blieb der BVB unter der 30er-Marke. Seitdem ist die Tendenz steigend mit durchschnittlich mehr als einem Einschlag pro Partie. Doch es gibt genügend Bereiche, in denen Verbesserungspotenzial steckt, wie die Statistik ausweist.

  • Gegentore: Die Anzahl der Gegentore ist im zweiten Jahr unter Trainer Lucien Favre leicht gesunken, von 44 auf 41. Doch drei Mannschaften verteidigten noch besser, wobei selbst der Deutsche Meister FC Bayern München mit 32 Gegentoren vergleichsweise viele Treffer kassierte. Der Blick in die Torstatistiken der vergangenen Jahre zeigt: Auf die Dauer einer Saison gesehen helfen weniger Gegentore mehr als viele eigene Treffer. Oder anders herum gesagt: Die Defensive macht den Meister.

  • Konter: Auch wenn das Gegenpressing als erstes Verteidigungsmittel nicht immer greift, muss der BVB dank guter Absicherung wenig Kontergegentore hinnehmen. Mit nur fünf bzw. drei Treffern nach schnellen Gegenangriffen erlauben die Borussen den Gegnern kaum einfache Erfolgserlebnisse und stehen besser sortiert als alle anderen Bundesligisten. Wer Favre zuhört, der weiß: Konter zuzulassen ist für ihn ein Grauen. Meist stimmt die Balance, und die Gegner müssen so tief und vielbeinig verteidigen, dass sie beim Tempogegenstoß oft (zu) weite Wege gehen müssen.
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  • Standards: Standardsituationen bieten nicht nur in der Offensive die größten Verbesserungsmöglichkeiten, auch in der Defensive steckt hier noch viel Potenzial. Lange bewegte sich der BVB im ligainternen Vergleich in Abstiegsgefahr. In Favres erster Saison bedeuteten 14 Gegentore nach Standards Platz zwölf, prozentual gesehen sogar Rang 17, ebenso wie sechs Gegentore nach Freistößen. Doch die Arbeit im Training und die Umstellung auf eine kombinierten Mann- und Raumdeckung haben sich ausgezahlt. Mit nur sieben Gegentreffern nach ruhenden Bällen halbierten die Dortmunder die Quote und stellten bei Standards die zweitbeste Defensive. Ein weiterer Schlüssel dazu: Statt 162 Eckbällen ließ der BVB nur noch 102 zu, seltener als alle anderen Bundesligisten.


  • Gegentore per Kopf: Unter anderem Abwehrchef Mats Hummels dürfte dafür verantwortlich sein, dass die Anzahl der Gegentore per Kopf in der abgelaufenen Saison fast halbiert wurde, von elf auf nur noch sechs. Statt 79 ließ der BVB nur noch 55 Torschüsse mit dem Kopf zu. Eine klare Verbesserung.


  • Zweikampfstark: Als Mannschaft mit viel Ballbesitz und vorwärtsdrang führt der BVB zwangsläufig weniger Zweikämpfe in der Defensive - die Quote ist allerdings mit 52 Prozent gewonnener Duelle klasse, da war in den vergangenen beiden Jahren keine andere deutsche Mannschaft stärker. Mit 278 bzw. 289 Foulspielen leisteten sich die Borussen so wenige wie kein anderer Bundesligist und liegt in der Karten-Statistik vorne im sehr fairen Bereich.


  • Linksruck: Bei der Auswertung der Torentwicklungen hat der BVB eine offene Flanke geschlossen: In Favres erster Saison war die linke Dortmunder Seite noch auffällig offen, dort entstanden 15 Gegentreffer (Rang neun in der Liga). 19 Tore fielen 2018/19 durch die Mitte, zehn über rechts. Zuletzt stabilisierten sich die Werte in allen drei Teilbereichen auf gehobenes Maß (links 10, zentral 22, rechts 9). Nicht spitze, aber auch kein Drama.
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  • Pausenschlaf: In der Anfangsviertelstunde der Partien kassierte der BVB in beiden Favre-Spielzeiten nur je vier Gegentore - vor allem zu Beginn der Spiele halten die Borussen den Laden hinten dicht, dafür kommen sie unkonzentriert aus der Kabine zurück, als ob im Pausentee ein Schlafmittel wäre. In der Saison 2019/20 verteilten sich die Tore so: 4 (1. bis 15.), 5 (16. bis 30.), 8 (31. bis 45.), 12 (46. bis 60.), 3 (61. bis 75.) 9 (76. bis 90.).


  • Fazit: Für noch mehr Siege und Punkte muss sich Borussia Dortmund in der Defensivarbeit weiter verbessern. Zu den wichtigsten Themen zählen hierzu die Aufmerksamkeit und diszipliniertes Verteidigen über die gesamten 90 Minuten ohne die eklatante Schwächephase nach Wiederanpfiff. Dazu zählt auch das konsequentere Verteidigen gegen Weitschüsse. Damit wären die ersten Schritte auf dem Weg zu einem Wert von durchschnittlich weniger als einem Gegentor pro Spiel schon getan.
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