Guter Auftritt gegen Stuttgart: BVB-Innenverteidiger Manuel Akanji (r.). © imago / Pressefoto Baumann
Borussia Dortmund

BVB-Einzelkritik: Akanji hat die Abwehr im Griff – Witsel und Brandt ohne Impulse

Borussia Dortmund besiegt den VfB Stuttgart mit Glück und Geschick. Beim 2:1-Erfolg hat Manuel Akanji die Abwehr im Griff, Axel Witsel und Julian Brandt enttäuschen hingegen. Die BVB-Einzelkritik.

Borussia Dortmund rückt dem FC Bayern auf die Pelle: Mit 2:1 bezwangen die Schwarzgelben am Samstag den VfB Stuttgart. Der BVB kontrollierte zunächst das Spiel, es mangelte aber lange Zeit an gefährlichen Aktionen in Tornähe. Erst Donyell Malens erster Ligatreffer brach den Bann. Nach dem Ausgleich kamen die Schwaben stärker auf – die BVB-Defensive wackelte. Doch Marco Reus schlug kurz vor Schluss nach einem Konter zu. Die Einzelkritik:

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Gregor Kobel: Dortmunds Nummer eins wurde rechtzeitig fit zum Spiel gegen seinen früheren Klub. Musste in Minute 21 das erste Mal zupacken – und tat das sicher. Mit einer Glanzparade gegen Coulibaly aus kurzer Distanz bewahrte er den BVB vor dem Rückstand (38.). Note: 2,5

Thomas Meunier: Defensiv hielt er seine rechte Abwehrseite vor der Pause dicht. Nach vorne kam in den ersten 45 Minuten vom belgischen Internationalen jedoch nichts. Keine Flanke, keine Torschussvorlage, keine Gefahr bringende Aktion. Auch nach der Pause war er einer der unauffälligsten Akteure. Note: 4,0

Manuel Akanji: Unterband dank einer perfekten Grätsche gegen Coulibaly einen Stuttgarter Konter (10.), kochte den VfB-Hünen auch im Laufduell ab (20.) – oft gesuchte Anspielstation und umsichtiger Aufbau aus der Abwehrkette heraus. Bester Borusse vor der Pause. Und offensiv gefährlich nach dem Wechsel: Sein strammer Fernschuss knallte, von VfB-Keeper Müller noch gerade erwischt, an die Querlatte (67.). Mit über 100 Ballkontakten zeigte sich einmal mehr sein Wert für das Dortmunder Spiel. Note: 2,5

Mats Hummels: Gesperrt am nächsten Mittwoch in der Champions League in Lissabon – doch gegen Stuttgart durfte Dortmunds Abwehrchef die Kette lenken. In nur wenigen Zweikämpfen gefordert, dort aber zumeist Sieger. Sehr gute Passquote, Tempo-Defizite bei den wenigen Kontern des VfB. Hummels hing dann beim 1:1 mit drin, weil er sich von Roberto Massimo im Strafraum zu leicht austanzen ließ. Note: 3,5

Raphael Guerreiro: Der Portugiese feierte sein Comeback, er hatte seit Anfang Oktober verletzt gefehlt. Und er leistete direkt wieder das, wofür er beim BVB so hoch geschätzt wird: Er war oft gesuchte Anspielstation, wagte einige Vorstöße über die linke Seite. Guerreiro drosch zwar einen Freistoß in die dritte Etage (31.), er hinterließ aber insgesamt einen fitten und lauffreudigen Eindruck. Und war mit beteiligt am 1:0 – als Vorlagengeber für Torschütze Donyell Malen. Aber: Durch seinen Stellungsfehler bekam der VfB freie Bahn, um den Konter zum 1:1 zu vollenden. Note: 3,5

Axel Witsel: Der Belgier wusste keine offensiven Impulse zu setzen, er zeigte keinen Mut zum riskanten Pass in die Spitze. Zumeist ging es quer, oder er verschleppte das Tempo. Witsel, das zeigte sich gegen Stuttgart einmal mehr, füllt längst nicht mehr die tragende Strategen-Rolle von einst aus. Auch in puncto Konterabsicherung offenbarte er einige Defizite, sah oft nur die Hacken seiner Kontrahenten. Note: 4,0


Jude Bellingham:
Der Publikumsliebling der BVB-Anhänger trieb den Ball unermüdlich nach vorne. Der junge Engländer war nur sehr schwer vom Ball zu trennen, setzte mehrfach beherzt zum Dribbling an. Wenn er mit dem Ball am Fuß loszieht, trifft er zumeist die richtige Entscheidung. Häufig mit einem sehr guten Auge für den Mitspieler und gegen Stuttgart gewohnt bissig im Zweikampf. Bis in die letzten Sekunden gierig und mit Zug nach vorn. Note: 2,5

Julian Brandt: Zunächst sehr präsent im Zweikampf und mit einer klugen Hereingabe (17.), die aber an Freund und Feind vorbei trudelte. Brandts Pässen fehlte aber nicht selten die Präzision, er ließ sich zudem zu leicht die Kugel abjagen. Als er nach 76 Minuten den Rasen verließ, gestaltete sich seine Bilanz trotz allen Fleißes mäßig: Nur zwei Torschussvorlagen, zwei Torschüsse und zwei Flanken. Das war zu wenig. Note: 4,5

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Bundesliga, 12. Spieltag: BVB – VfB Stuttgart 2:1 (0:0)

Marco Reus: Auffällig agil vom Anpfiff an, zirkelte einen direkten Freistoß aus 20 Metern nur knapp am linken Pfosten vorbei (7.). Versuchte ab und an, das Spiel mit direkten, scharfen Bällen schnell zu machen, doch im letzten Angriffsdrittel ging dem BVB der Dampf aus. Und auch Reus fehlte es merklich an Durchschlagskraft. Ein harmloser Freistoß aus aussichtsreicher Position flog direkt in die Arme von VfB-Keeper Florian Müller (49.). Aber dann, als es zählte, war er da, der Kapitän: Er trieb einen Konter schnell an, und stand dann goldrichtig für den Abpraller zum 2:1 (85.). Note: 3,0

Thorgan Hazard: Starke Balleroberung (4.) am eigenen Strafraum, der Belgier arbeitete defensiv aufmerksam mit, wechselte häufiger die Seiten, suchte aus der zweiten Reihe den Abschluss (12.). Auch in Minute 38, als er aus 18 Metern nach einer starken Vorarbeit Jude Bellinghams Maß nahm und der Ball nur hauchzart über den Querbalken strich. Er baute nach der Pause deutlich ab – wachte dann aber entscheidend auf: Sprint nach vorn, er scheiterte zwar nach Reus‘ Zuspiel an Müller, doch den Abpraller drückte der Kapitän über die Linie. Note: 3,0

Donyell Malen: Sein wuchtiger Kopfball war nicht platziert genug (13.) und flog deutlich am Tor vorbei. Erneut blieb der Niederländer, der in der Spitze den verletzten Erling Haaland vertrat, weitestgehend ohne Bindung zum Spiel. Wenn er dann einmal zu einer eigenen Aktion aufbrach, verlor er den Ball zu schnell. Malen war in den ersten 45 Minuten seltener am Ball (14) als BVB-Torwart Kobel (19) – und leistete sich eine Fehlpassquote von 30 Prozent. Die zweite Halbzeit läutete er jedoch mit einem starken Zweikampf ein (48.) – und knüpfte daran an: Lautstark gefeiert von den BVB-Fans markierte er per sattem, leicht abgefälschtem Rechtsschuss das 1:0 (56.). Sein Premieren-Treffer in der Bundesliga. Er besaß eine weitere gute Möglichkeit im Strafraum, verzog aber (80.). Note: 4,0

Emre Can (65.) kam für Guerreiro, der noch keine Kraft für die volle Distanz hat. Steffen Tigges ersetzte Brandt (76.). Malen verließ für Ansgar Knauff den Platz. Alle bleiben ohne Note.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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