BVB-Gegner SC Paderborn: Viel Herz, wenig Qualität

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Borussia Dortmund trifft auswärts auf den SC Paderborn. Eine Mannschaft mit Charakter – aber ohne spielerische Klasse. Ein Gastbeitrag.

von Frank Beineke

Dortmund

, 30.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der SC Paderborn wird in dieser Bundesliga-Saison wohl einen inoffiziellen Titel gewinnen, auf den der Aufsteiger liebend gerne verzichten würde. So bezeichnete Sky-Experte Didi Hamann den SCP am vergangenen Mittwoch als „Absteiger der Herzen“. Denn die Low-Budget-Truppe aus Ostwestfalen gewinnt mit ihrer mutigen Spielweise zwar bundesweit viele Sympathien, aber viel zu wenig Spiele.

Bei acht Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz sind die Chancen auf den Klassenerhalt inzwischen nur noch theoretischer Natur. Noch dazu warten nun unter anderem noch Spiele gegen Dortmund, Leipzig und Mönchengladbach. Von Resignation ist im SCP-Lager aber keine Spur. Cheftrainer Steffen Baumgart ist ohnehin stets „on fire“. Und auch im mittlerweile vierten Jahr seiner Amtszeit kann er diese Leidenschaft weiterhin bei seinen Spielern entfachen.

SC Paderborn: „Wir haben mit das größte Herz der Liga“

Baumgart hatte es unlängst bei der Pressekonferenz vor dem Augsburg-Spiel auf den Punkt gebracht: „Wir haben den Kader mit der geringsten individuellen Klasse, aber wir haben mit das größte Herz in dieser Liga.“

Kampfgeist, Leidenschaft und Einsatzwillen sind unterm Strich aber nicht genug, um das Abenteuer Bundesliga um eine weitere Saison zu verlängern. Gerade für Fußball-Romantiker wäre es zwar eine sehr schöne Sache, wenn ein Team aus ehemaligen Dritt- und Viertligaspielern den Klassenerhalt in Deutschlands Eliteliga einfahren könnte. Am Ende schießt Geld aber halt doch Tore. Und so muss der SCP wohl damit vorliebnehmen, hin und wieder die Großen ärgern zu können.

Hinspiel gegen BVB: Mutig gespielt, am Sieg vorbeigeschrammt

Exakt dies gelang den Paderbornern in dieser Saison einige Male vortrefflich. BVB-Fans können davon ein Lied singen. Beim Hinspiel in Dortmund hatten die Paderborner mit überfallartigen Angriffen eine 3:0-Pausenführung herausgespielt, um am Ende doch nur ein Remis einzufahren. Es war ein Sinnbild für die bisherige Saison des SCP: Mutig gespielt, fast immer dicht dran, aber letztlich am Sieg vorbeigeschrammt.

So gab es für die Baumgart-Schützlinge beispielsweise auch in den Spielen gegen die Bayern, die jeweils 2:3 verloren gingen, sowie in den Duellen in Leverkusen (2:3) und gegen Leipzig (2:3) jede Menge Lob, aber keine Punkte.

Paderborn hat Probleme gegen tief stehende Gegner

Weitaus schmerzhafter aber waren die knappen Heimpleiten gegen Augsburg, Mainz, Köln und Hertha. Nicht zuletzt in diesen Partien offenbarten sich die Paderborner Probleme gegen tief stehende Gegner. Dem SCP fehlen dann die spielerischen Lösungen und die kreativen Impulse aus dem Mittelfeld, um Chancen zu kreieren.

Sind dagegen die nötigen Räume fürs schnelle Umschaltspiel vorhanden, ist Paderborn weiterhin brandgefährlich. Die Geschwindigkeit der Offensivspieler bleibt die größte Waffe des SCP, der mit drei Unentschieden in Düsseldorf (0:0), gegen Hoffenheim (1:1) und in Augsburg (0:0) aus der Corona-Pause gekommen ist.

Paderborner Sturmduo ergänzt sich ideal

Während der Paderborner Offensivmotor in Düsseldorf noch bedenklich gestottert hatte, strahlte der SCP in den folgenden beiden Spielen wieder die gewohnte Torgefahr aus. In Augsburg stellte Baumgart dabei auf ein 4-4-2-System um, in dem der von einer schweren Knieverletzung genesene Streli Mamba erstmals seit 97 Tagen wieder in der Startelf stand. Der pfeilschnelle Mamba bildet mit dem enorm fleißigen Winterneuzugang Dennis Srbeny ein Sturmduo, das sich ideal ergänzen kann. Doch auch in Augsburg sollte eine gewaltige Lücke zwischen Aufwand und Ertrag klaffen.

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Mitunter aber kommen die enormen Qualitätsunterschiede zwischen dem SCP und hochkarätig besetzten Gegnern überdeutlich zum Vorschein. Beispielsweise im Hinspiel gegen Leipzig, als der SCP nach 26 Minuten mit 0:3 zurücklag. Oder zuletzt gegen Hoffenheim, als die Gäste früh in Führung gingen und die erste Hälfte dominierten. Doch es zeugt von der bewundernswerten Moral der Paderborner, dass diese Partien 2:3 und 1:1 endeten. Irgendwie schaffen sie es immer wieder aufs Neue, auch den größten Widerständen zu trotzen.

BVB sollte Paderborn besiegen

Fakt aber ist: Wenn der BVB am Pfingstsonntag seine Qualitätsvorteile nur halbwegs ausspielen kann, dürfte der SCP (wieder einmal) als Verlierer den Platz verlassen, wenngleich sich die Paderborner in der Rückrunde defensiv gefestigter präsentieren. Aber das trifft ja auch auf Dortmund zu.

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Ein Abstieg wäre für den SC Paderborn alles andere als eine Katastrophe, wenngleich die Folgen der Corona-Krise auch den seit November schuldenfreien Verein belasten. Nicht nur deshalb wird der SCP im Sommer auf Transfererlöse angewiesen sein. Es droht der Abgang diverser Leistungsträgern. Um so wichtiger wäre ein Verbleib von Steffen Baumgart, der bislang auch keinerlei Wechselabsichten bekundet hat. Und Paderborns Coach wird auch am Sonntag alles geben, um die Minimalchance auf den Klassenerhalt zu wahren. Auf den Titel „Absteiger der Herzen“ hat Baumgart schließlich keine Lust.

Der Autor schreibt für die Neue Westfälische Zeitung und beschäftigt sich unter anderem intensiv mit dem SC Paderborn.
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