BVB-Legende: Wieso Tilkowski im Fußballdorf Alsenborn begraben liegt

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BVB-Legende Hans Tilkowski war ein Westfale durch und durch. Seine letzte Ruhestätte hat er hier trotzdem nicht gefunden. Auch aus Liebe zu seiner Frau.

von Dirk Leibfried

Dortmund

, 05.09.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er galt schon zu Lebzeiten als Torhüter-Legende: Hans Tilkowski, 39-facher Nationalspieler, Europapokalsieger mit Borussia Dortmund und „Fußballer des Jahres“ 1965, stand im Tor, als beim WM-Finale 1966 in Wembley der Engländer Geoff Hurst das spielentscheidende 3:2 erzielte. Bis zu seinem Tod im Januar dieses Jahres im Alter von 84 Jahren blieb der gebürtige Westfale bei seiner Version: „Er war nicht drin.“ Was viele nicht wissen: Seine letzte Ruhestätte fand Hans Tilkowski ausgerechnet im pfälzischen Fußballdorf Alsenborn. Ein Friedhofsbesuch.

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BVB-Legende Hans Tilkowski ist in Alsenborn begraben

Die Grabstätte der Familie Köhler befindet sich auf der Südseite des Alsenborner Friedhofs. Frische Blumen, ein paar Sträucher, kein Firlefanz. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man die kleine Steinplatte in Form eines aufgeschlagenen Buches. Ein nach dem Ball hechtender Hans Tilkowski, seine Unterschrift und der Titel seiner Autobiografie („Und ewig fällt das Wembley-Tor“) wurden von einem Enkenbacher Bildhauer in den Impala, einen Naturstein aus Simbabwe, eingraviert.

Der Grabstein von BVB-Legende Hans Tilkowski in Alsenborn.

Der Grabstein von BVB-Legende Hans Tilkowski in Alsenborn. © Dirk Leibfried

Wir treffen Luise Tilkowski, seit mehr als 60 Jahren die Frau an seiner Seite. Die 81-jährige Alsenbornerin mit dem Mädchennamen Köhler träumte davon, den Lebensabend gemeinsam mit ihrem Mann in der beschaulichen Pfalz zu verbringen. Immer wieder sagte sie zu ihm: „Irgendwann gehen wir.“ Doch Hans Tilkowski erkrankte, das „irgendwann“ ist daran zerbrochen. Ihn auch nach dem Tod in seiner Nähe zu haben, stand für Luise Tilkowski früh fest. „Ich hätte ihn niemals in Herne zurückgelassen.“ Auch weil die Kinder Ralf, Uwe und Susanne in ganz Deutschland verstreut leben.

Zwei Trauerfeiern für BVB-Legende Hans Tilkowski

Nach der Trauerfeier in einer Kirche in Dortmund-Husen hat Tochter Susanne den VW-Bus bepackt. Mit den ausladenden Kränzen seiner Ex-Vereine Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt sowie der Urne von Hans Tilkowski. Auf dem Beifahrersitz. 340 Kilometer über die Autobahn. Im engsten Kreis fand dann in Alsenborn eine zweite Trauerfeier statt und nach dem endgültigen Umzug von Luise Tilkowski im Mai waren beide wieder vereint. „Glück – das sind auch Freunde. Ich habe sie in meiner Heimat und in Alsenborn, der Heimat meiner Frau“, schrieb Tilowski in seiner 2006 erschienenen Autobiografie.

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Kennengelernt haben sich Luise und Hans, als sie zarte 19 war. Damals besuchte die Jüngste des Vier-Mädchen-Haushalts ihre ältere Schwester Elfriede in Herne, die mit Tilkowskis Mannschaftskamerad Kurt Sopart verheiratet war. Der junge Hans war sich erst nicht ganz sicher: „Eine Pfälzerin und ein Westfale, der seine Ruhrpott-Herkunft nicht verleugnen kann – sollte das gut gehen?“ Es ging gut. Im letzten Jahr war ihnen, ein halbes Jahr vor seinem Tod, die Diamantene Hochzeit (60 Jahre) vergönnt.

BVB-Legende Hans Tilkowski und Ehrefrau Luise: Liebe auf den ersten Blick

Dass die Ehe so glücklich verlief, begründete Hans Tilkowski in seiner Autobiografie: „Die eitle Welt der Ehrentribünen, wo Spielerfrauen sich mehr für das Outfit der Nachbarinnen als für das Geschehen auf dem Rasen interessieren, ist Luise nie verlockend erschienen.“ Kurz vor seinem 70. Geburtstag habe sie ihn gefragt, ob es auch für ihn Liebe auf den ersten Blick gewesen sei. „Sie hat dabei ihr schönstes Lächeln aufgesetzt. Schon deshalb kann ich gar nicht anders, als zu gestehen: Ja, Luise, so ist es gewesen.“

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Es ist also alles andere als ein Zufall, dass Hans Tilkowski ausgerechnet in Alsenborn seine letzte Ruhestätte fand. Immer wieder besuchten sie gemeinsam die Heimat von Luise, pflegten freundschaftliche Kontakte zu dem ebenfalls in Alsenborn beheimateten Fritz Walter und seiner Frau Italia. Mit Stolz übte er sein Amt als Botschafter der Fritz-Walter-Stiftung aus. Auch das kein Zufall. Tilkowski unterstützte zahlreiche karitative Einrichtungen, sammelte Spenden und engagierte sich viele Jahre lang für Opfer von Krieg und Gewalt.

Hans Tilkowski und Alsenborn: Eine zweite Heimat für die Ewigkeit

„Alsenborn ist längst zu meiner zweiten Heimat geworden“, schrieb Tilkowski 2006. Es wurde eine Heimat für die Ewigkeit. Jeden Abend besucht ihn dort Luise, seine große Liebe. Und jeden Abend wünscht sie ihm eine Gute Nacht. Gewohnheiten ändert man nicht mehr nach über 60 Jahren.

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