BVB-Leihspieler André Schürrle und die ungewisse Zukunft

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Bei Borussia Dortmund konnte sich André Schürrle nie durchsetzen, aktuell würde er in Moskau spielen – wenn die Corona-Krise nicht wäre. Die wirkt sich auf seine Zukunft aus.

Dortmund

, 08.04.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sieben Spieler hat Borussia Dortmund aktuell verliehen, wie es mit ihnen weitergeht, ist angesichts der allgemein im Profifußball gestoppten Transfer-Aktivitäten offen. In einer kleinen Serie beleuchten wir, ob sich die Leihgeschäfte gelohnt haben – und wie die Perspektiven der einzelnen Spieler sind. Im dritten Teil: André Schürrle.

Glücklich wurde Schürrle in Dortmund nicht

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Alle Welt erinnert sich an die Verlängerung des WM-Endspiels und den entscheidenden Treffer, mit dem Mario Götze die deutsche Nationalmannschaft 2014 zum Titelgewinn geschossen hat. Die Vorarbeit lieferte damals einer, der ein guter Götze-Kumpel war und zwei Jahre später dem Rückkehrer zum BVB folgen sollte: André Schürrle. Glücklich wurde Schürrle in Dortmund nicht. Verletzungen, Trainerwechsel, persönliche Formkrisen trugen dazu bei.

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Schürrle galt 2016 sozusagen als das Trostpflaster für Trainer Thomas Tuchel, der am Ende seiner ersten Dortmunder Saison äußerst erbost gewesen sein soll, als der BVB nach Ilkay Gündogan (zu Manchester City) und Mats Hummels (zum FC Bayern) auch noch Henrik Mkhitaryan (zu Manchester United) verlor. Alle drei Schlüsselspieler zu verlieren, hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke seinerzeit eigentlich ausgeschlossen, dem Werben um Mkhitaryan, das Manchester mit dem Angebot einer Rekord-Ablöse garnierte, konnte sich der Klub aber damals nicht entziehen.

Schürrle war kein Tuchel-Wunschkandidat

Götze zurückzuholen, das war vor allem der Wunsch der sportlichen Leitung um Sportdirektor Michael Zorc und Watzke, er war aber kein Wunschkandidat des Trainers. Schürrle war die Kompensation. Ihn kannte Tuchel aus Mainz, wo er mithalf, André Schürrle zu einem Bundesliga- und Nationalspieler zu formen.

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Vier Jahre später neigt sich das Mammutinvestment (im Paket rund 120 Mio. Euro) seinem Ende zu. Götzes Vertrag läuft im Sommer aus, Schürrle aber, der seinerzeit für fünf Jahre unterschrieb, könnte am 1. Juli wieder vor der Tür stehen, wenn es nicht im Juni gelingt, einen neuen Klub für ihn zu finden. Eine Dortmunder Zukunft hat er weiterhin nicht. 30 Millionen Euro Ablöse kostete André Schürrle seinerzeit, dazu kamen kolportierte sieben Millionen Euro Jahresgehalt.

BVB-Leihspieler André Schürrle: London, Dortmund, Moskau

In den vergangenen beiden Jahren ist es der Borussia gelungen, diesen Posten vom Etat zu streichen. Zwei Jahre nur spielte der Außenstürmer für die Borussia, eine Zeit, in der er von Verletzungen geplagt wurde und nie der Spieler war, den sich Tuchel gewünscht hatte. Während der USA-Reise in der Sommervorbereitung 2018, Lucien Favre hatte nach einem turbulenten BVB-Jahr mit drei Trainer wechseln übernommen, stellte ihn der Klub für Vertragsgespräche frei. Schürrle landete auf der Insel, in London beim FC Fulham. Ein Jahr später kehrte er zurück, um sofort weiterzuziehen. Diesmal lautete das Ziel Moskau. Wieder war es nur ein Leihgeschäft.

Bei Spartak lief es zunächst gut für den mittlerweile 29-Jährigen, auch wenn der Klub in der Europa League-Qualifikation scheiterte. In der Liga startete Spartak mit drei Siegen und einem Remis. Schürrle stand regelmäßig in der Startelf, gleich am zweiten Spieltag traf er einmal und bereitete ein zweites Tor vor. Dann machte sich der gewaltige Umbruch im Team (17 Abgänge, elf Neuverpflichtungen) bemerkbar. Fünf Spiele in Serie gingen verloren, Schürrle fing sich im Herbst eine Bronchitis ein, die er nicht vernünftig auskurierte. Die Form litt.

Schürrle wartet auf Saisonfortsetzung – um sich zu empfehlen

Nach dem Trainerwechsel zu Domenico Tedesco stand André Schürrle nicht einmal mehr über 90 Minuten auf dem Platz. Nach der Winterpause kam eine Fußverletzung hinzu. Als er die auskuriert hatte, legte das Coronavirus auch den russischen Fußball lahm. Schürrle kurierte seine Verletzung in Deutschland aus, als er wieder nach Russland einreiste, musste er sich in eine zweiwöchige Quarantäne begeben und harrte in einem Hotel der Dinge. Das Warten auf die Saisonfortsetzung bedeutet für ihn auch das Warten darauf, sich empfehlen zu können.

Spartak besitzt eine Kaufoption für André Schürrle, dessen Marktwert im Winter vom Portal transfermarkt.de erstmals seit 2011 wieder auf unter zehn Millionen Euro taxiert wurde. Ob die Moskauer die Option wahrnehmen, sei offen, hat Spartak-Sportdirektor Tomas Zorn jetzt in einem Interview erklärt. Der in Berlin aufgewachsene 33-Jährige ist einer der jüngsten Sportfunktionäre in Russland, in seinem ersten Jahr in der Chefetage erwischte auch ihn die Coronakrise unvorbereitet. Dass sie sich auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Klubs auswirken wird, ist anzunehmen.

Ob Schürrle eine Zukunft in Moskau besitzt, wird also davon abhängen, welchen Preis der BVB für den Außenstürmer ausruft. Aber auch, ob Schürrle bereit sein wird, deutliche Gehaltseinbußen hinzunehmen.

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