BVB-Lizenzspielleiter Sebastian Kehl sagte nach dem 1:2: „Es war eine verdiente Niederlage. Leipzig war vom ersten Moment an präsenter und griffiger.“ © imago / Matthias Koch
Borussia Dortmund

BVB-Lizenzspielleiter Sebastian Kehl: „Viele Fehler waren unerklärlich“

Borussia Dortmund kassiert in Leipzig eine bittere wie verdiente Niederlage. BVB-Lizenzspielleiter Sebastian Kehl spricht nach dem 1:2 von „unerklärlichen Fehlern“.

Wenn er in diesem Augenblick in der 36. Minute doch nur das gewesen wäre, was er die ganze Zeit über gewesen war, hätte die Sache womöglich anders ausgesehen. Doch in dieser 36. Minute, als Borussia Dortmund sich endlich einmal vielversprechend in den Leipziger Strafraum vorgearbeitet hatte, war Donyell Malen eines nicht: unsichtbar. Beim Schuss von Jude Bellingham war ausgerechnet er und kein Leipziger das Hindernis, das den Schuss blockierte. Eine Szene, die sinnbildlich stand für den verkorksten Auftritt des Niederländers und den des BVB insgesamt bei der 1:2-Niederlage.

Denn neben phasenweise wie entfesselt aufspielenden Gastgebern war es der BVB, der sich beim Bestreben, Zählbares aus der Red Bull Arena mitzunehmen, zu großen Teilen selbst im Weg stand. Angesichts von zehn verletzten Spielern waren die Schwarzgelben erneut weit von ihrer Bestformation entfernt. „Die Situation ist nicht einfach, aber wir nehmen sie an. Das ist der wichtigste Faktor“, hatte Marco Rose im Vorfeld der Partie gesagt. Während der 90 Minuten in Leipzig konnte der BVB-Trainer das nur äußerst bedingt für sein Team reklamieren.

BVB-Lizenzspielleiter Sebastian Kehl: „Wir hatten keine Ruhe“

„Es war eine verdiente Niederlage. Leipzig war vom ersten Moment an präsenter und griffiger. Wir haben überhaupt nicht zu unserem Spiel gefunden und hatten insgesamt eine zu hohe Fehlerquote, die wir schnell reduzieren müssen. Viele Fehler waren unerklärlich. Wir hatten keine Ruhe, keine Klarheit“, sagte Sebastian Kehl, Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, am Sonntag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

Insbesondere während der ersten 45 Minuten hatten die Gäste massive Probleme. Ballbesitz, Pass- und Zweikampfquote – in allen wichtigen Attributen war die Borussia unterlegen. Der BVB hatte große Probleme mit dem Pressing der Gastgeber. Insbesondere Christopher Nkunku hielt die Schwarzgelben auf Trab. Ideen, Schnelligkeit und Entschlossenheit der Leipziger Angriffswucht hatten sie nur eines entgegenzusetzen: Gregor Kobel.

BVB will Neuzugang Donyell Malen „Zeit geben“

Der Torhüter zeigte erneut, dass er Dortmunds wichtigster Sommer-Transfer ist. Zunächst aufmerksam bei einem verunglückten Rückpass von Mats Hummels (8.), später stark im Eins-gegen-Eins mit Nkunku (13.). Donyell Malen, der diesmal den Vorzug gegenüber Steffen Tigges erhalten hatte, bleibt dagegen nach wie vor eine Enttäuschung. Weitgehend ohne Bindung zum Spiel, bewegte sich der Niederländer offensiv im luftleeren Raum. Zudem ließ auch seine Defensivarbeit arg zu wünschen übrig.

„Es geht für Donny nach wie vor darum, sich an die Bundesliga zu gewöhnen, an Tempo und Physis. Wir geben ihm die Zeit“, sagte Marco Rose. Zugleich übertrug er Malen auch einiges ins Aufgabenheft. „Er muss an seinem Mindset arbeiten. Es ist wichtig, dass er auch gegen den Ball viel Energie aufwendet“, stellte der BVB-Coach klar. Bei vielen seiner Auftritte lässt der Niederländer noch immer die richtige Mentalität und die für Dortmunds Ansprüche notwendige Überzeugung vermissen. „Klar ist auch, dass wir leistungsorientiert arbeiten“, unterstrich Rose.

Leipzig beendet seine schwarze Serie gegen Borussia Dortmund

„Donny kann besser spielen, als er das momentan zeigt und sicher mehr Torgefahr entwickeln. Aber ich bin kein Freund davon, die Kritik auf einen einzelnen Spieler zu beziehen. Es gab in Leipzig viele Spieler, die ihr Potenzial nicht annähernd angerufen haben. Jeder Einzelne ist deshalb gefordert, sich über seine eigenen Leistungen Gedanken zu machen“, urteilte Kehl.

Malens Herausnahme nach 71 Minuten war nur konsequent. Dass der für ihn eingewechselte Youssoufa Moukoko ebenso wie der zur zweiten Hälfte gekommene Ansgar Knauff keine Faktoren waren, lag aber auch daran, dass RB ihnen keinerlei Gestaltungsspielraum gestattete. „Das war unsere beste Leistung gegen Dortmund in unserer Vereinsgeschichte – ein großer Schritt nach vorne“, urteilte RB-Trainer Jesse Marsch. Sein Team ließ angesichts weiterer Chancen noch Gnade vor Recht ergehen.

Torhüter Gregor Kobel hält den BVB lange Zeit im Spiel

Die Treffer von Christopher Nkunku (29.), bei dem Marin Pongracic das Abseits aufhob und Manuel Akanji den Franzosen entwischen ließ, und Yussuf Poulsen (68.) waren angesichts der klaren Überlegenheit für den BVB noch schmeichelhaft. Neben Gregor Kobel konnte sich Dortmund auch beim Aluminium bedanken, das in der 63. Minute rettete, nachdem Nkunku per doppelter Drehung in Zidane-Manier erst Mats Hummels und dann Thomas Meunier aussteigen ließ.

Das zwischenzeitliche 1:1 (52.) durch Marco Reus nach feiner Meunier-Vorarbeit brachte die Borussen nur kurzzeitig auf Augenhöhe. Es ehrt die Dortmunder, dass sie die Niederlage anerkannten. Angesprochen auf die vielen Verletzten, sagte Marco Rose im ZDF: „Wir werden das nie als Alibi nehmen.“ Und auch BVB-Kapitän Marco Reus befand: „Wir sind alle Profis genug und spielen bei Borussia Dortmund. Da muss es der Anspruch sein, besser zu spielen, das dürfen wir nicht auf die Verletzten schieben.“

Wichtige Phase für den BVB vor Weihnachten

Nun wartet die letzte Länderspielpause des Jahres auf den BVB. „Wir haben jetzt noch eine entscheidende Phase mit wichtigen Spielen in der Champions League und der Bundesliga vor uns, die wir erfolgreich gestalten müssen, um unsere Saisonziele nicht aus den Augen zu verlieren. Wir sind alle gefordert, dafür noch mal unsere Sinne zu schärfen. Wir müssen unseren Frust jetzt in eine gewisse Trotzreaktion ummünzen“, unterstrich Sebastian Kehl.

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